Pick-Up Artists haben ein Ziel: Frauen abschleppen und zwar so schnell und effektiv wie möglich. Klingt nach unserem allseits geliebten Dating-Guru Barney Stinson aus How I Met Your Mother? Allerdings. Wir erklären die fiesen Maschen von Pick-Up Artists und zeigen, wie viel fieses Kalkül in Barney steckt. 

Pick-Up Artists: Der schnelle Fick um jeden Preis

Pick-Up Artists nennen sich die Männer aus der sogenannten Seduction Community großspurig selbst. In Online-Foren tauschen sie sich über die besten Methoden und Tricks aus, um Frauen aufzureißen und möglichst schnell ins Bett zu bekommen. Alles nur pubertäres Gerede unter Männern?

Nein. Pick-Up Artists, kurz PUA, nutzen die geballte Ladung wissenschaftlicher Studien und psychologischer Kriegsführung, um mit Frauen im Bett zu landen. Auch vor emotionalem Missbrauch und aggressiven Übergriffigkeiten wird nicht gezögert. Die Beute von PUAs werden Hot Babe genannt, kurz HB. Im schlimmsten Fall kommt noch eine Zahl hinter das HB, um zu zeigen, wie heiß sie ist.

In Foren herrscht eine ganz eigene Sprache, in der Frauen verdinglicht werden und Männer darauf trainiert werden, sich so zu präsentieren, dass sie gefallen. Die Pick-Up-Jünger sollen lernen, den Alpha raushängen zu lassen, denn das ist angeblich, worauf Frauen abfahren.

Das Problem dabei: Frauen werden degradiert zu reinen Lustobjekten, auf Gefühle wird keine Rücksicht genommen, ihr Selbstbewusstsein wird gewollt zerstört und es wird psychologische Abhängigkeit geschaffen. Klingt nach Seelenficker und toxischen Menschen? Ist es auch. 

Dabei ist es genauso frauenfeindlich, wie Marketinglüge, um schüchternen Männern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Wer hofft, durch ein solches Coaching eine Beziehung zu finden, liegt falsch. Denn wie der Name schon sagt, ist man nicht man selbst, sondern ein Künstler und stellt etwas dar. Und da liegt das Problem.

Der Kurzfilm ‚The Pick-Up Artist‘ gibt einen Crashcurs in Sachen PUA-Weltbild.

Wie viel Pick-Up Artist steckt in Barney Stinson?

Klingt alles ein bisschen nach Barney Stinson? Ja, absolut. Bloß wo wird die Grenze gezogen zwischen einem Aufreißer und einem Pick-Up Artist? Und ab wann ist systematisches Abschleppen moralisch verwerflich? 

Das Jagdrevier

Der deutsche Pick-Up Artist DonJon predigt, dass man Frauen am besten auf der Straße oder in Clubs klarmacht, möglichst außerhalb des eigenen sozialen Umfelds, denn dort sind die Hemmungen zu groß. Außerdem sollte das eigene Schlafzimmer immer in der Nähe sein.

Wo schleppt Barney am liebsten ab? Naja, eigentlich überall. Aber bevorzugt in seiner Lieblingsbar, die –welch Wunder – nicht weit von seiner Wohnung entfernt liegt. Zur Not spielt er den Joker und bringt sie drei Stockwerke höher in die Wohnung von Ted und Marshall.

Die Intention ist klar

Eine wichtige Regel bei vielen Pick-Up-Gurus ist, schon früh im Gespräch das Thema Sex einzubauen, im besten Fall auf eine witzige, aber bestimmte Art. Allzu naive Frauen sollen dann spätestens nach der dritten Anspielung wissen, was Sache ist und unnötiges Baggern soll so vermieden werden.

Auch Barney erschafft gern Szenarien, in denen er einen Jetzt oder Nie-Druck erzeugt. Beispielsweise, weil er am nächsten Tag zurück zum Friedenschor in Afrika muss, um hungerleidende Kinder zu retten. Den Frauen ist klar, dass nur noch dieser Abend bleibt.

Die Masse macht‘s

Nehmen wir wieder den Deutschen Pick-Up Artist DonJon: In seinen Infields, also Real-Live-Abschlepp-Versuchen, spricht er darüber, dass es durchaus sein kann, dass nur eine von 30 Frauen auf deinen Flirtversuch eingeht. An einem Tag kann er trotzdem mehrere Frauen aufreißen, weil er es eisern durchzieht.

Barney kann dir im Schlaf seine aktuelle Trefferquote bei Frauen aufsagen und die ist gar nicht Mal so hoch. Dafür spricht er an einem Abend locker Mal zehn Stück an. Eine geht darauf ein und sie landen im Bett. 

Psychologische Taktiken

Push&Pull
Pick-Up Artists haben einen ganzen Katalog an Taktiken. Am fragwürdigsten ist die Push&Pull-Methode: Dabei wird Interesse suggeriert, aber die Frau muss gleichzeitig für seine Aufmerksamkeit kämpfen. Beispielsweise macht er ihr ein Kompliment für ihr Aussehen und dann einen Witz über ihr Alter. Das Selbstbewusstsein wird also geschmälert und dann vom PUA wieder aufgebaut. 

Begründen
Ebenfalls beliebt ist bei den Laber-PUAs die Begründen-Methode: Sagt eine Frau nein, wird nachgestochert und so lang mit Gegenargumenten nachgefüttert bis sie nachgibt. Wichtig ist, dass Wörtchen weil und eine halbwegs plausible Begründung.

Emotionen marginalisieren
Und noch eine kleine Manipulationsmethode: Ihre Emotionen herunterspielen. Hier begeben sich die PUAs in eine höher gestellte Position und behandeln die Frau wie ein kleines, quengelndes Kind. Auf ihre Wünsche oder Anklagen wird nicht eingegangen und das Ganze wird runtergespielt, bis sie von selbst zurückkommt und sich entschuldigt.

Barney Stinson bedient sich ebenfalls gern psychologischer Studien, um unterbewusst Aufmerksamkeit und Gefallen zu erregen. Typisch ist zum Beispiel, dass er IMMER im Anzug unterwegs ist (PUAs nennen es den Pfau-Effekt). Er spricht gern erst einmal die beste Freundin an, flirtet mit ihr und wendet sich dann seinem eigentlich Ziel zu. 

Auch Barney nutzt gern unsaubere Psycho-Tricks. Dabei wird die Frau aber nicht so weit erniedrigt, dass sie an Status verliert, dann wäre es nämlich kein Fang mehr für ihn. Macht es das besser? Fragwürdig. Will er die Frauen trainieren? Nein. 

Barney hat ohne Frage dezent sexistische Ansichten. Dabei darf man nicht vergessen, dass er die komische Rolle der Serie ist und sein Weltbild eher belächelt als gefeiert wird.

Beide spielen eine Rolle

Pick-Up Artists oder die, die es werden wollen, versuchen sich eine bestimmte Rolle anzutrainieren. Meistens ein charmantes, erfolgreiches, sozial gefestigtes Alpha-Männchen. Diese Rollen wollen sie aber nicht nur ausstrahlen, sie wollen es werden.

Barney Stinson erfindet ganze Persönlichkeiten, um bei den Frauen einen guten Eindruck zu hinterlassen. Von Ärzten, Astronauten oder der bekannte Von Matterhorn-Masche ist alles dabei. Auch er spielt Rollen vor, die nicht stimmen. Der einzige Unterschied ist, dass er keine Ambitionen hat, diese Rollen einzunehmen. 

Nun kennen wir Barney Stinson und wissen, dass er auch anders kann. Nämlich dann, wenn er wirklich verliebt ist. In der Beziehung mit Robin ist er keinesfalls der extrem selbstsichere Alpha, der sich von Frauen nichts sagen lässt. Er ist ein sensibler, noch ziemlich kindischer Mann, der hinter seinen Sprüchen und Theorien durchaus Unsicherheit kompensiert.

Kein Zweifel am eigenen Tun

Pick-Up Artists sind davon überzeugt, dass Frauen geführt werden müssen und nach Halt suchen. Sie müssen diesen Halt die Dominanz präsentieren. Frauen, die selbst dominieren wollen oder zu viel Drama machen sind krank und die Arbeit nicht wert. Diese Haltung wird in der Community eingepflanzt und gefeiert.

Barney Stinson ist anders, Gott sei Dank! Zwar sucht er auch nur die schnelle Nummer und versucht mit männlichem Charme zu punkten, aber er hat ein Gewissen und reflektiert sich. Er weiß, wenn sein Verhalten eine Grenze überschreitet.

Ändert er was? Ziemlich lange nicht, aber er lässt trotzdem durchblicken, dass es ihn beschäftigt. Ganz abgesehen davon feiert er Frauen, er kann lieben und er kann eine gleichberechtigte Partnerschaft führen.

Das Weltbild der Selbstoptimierung

Pick-Up-Gurus sind Selbstoptimierer: In jedem Bereich ihres Lebens wollen sie möglichst erfolgreich, frei und absolut selbstbestimmt sein. Sie leben rational, für Emotionen ist kein Platz. Ist auch nicht männlich, passt also. Sex ist eine Triebbefriedigung und eine Partnerschaft ein Geben und Nehmen (Sie gibt, Er nimmt). 

Sie betrachten Frauen nüchtern, wissenschaftlich, von weit weg, studieren ihr Verhalten wie ein Tierforscher und trainieren sie dann wie kleine Hündchen. Auch in anderen Bereichen ihres Lebens versuchen sie mit reiner Logik, Statistiken und Manipulation sich selbst zu verbessern. Das wird besonders dann lächerlich, wenn sie sich verlieben und die Frau verliebt machen wollen.

Wie passt Barney Stinson da rein? Auch Barney will immer besser sein als andere und hat einen notorischen Drang zu gewinnen. Er kann keine Wette ablehnen und arbeitet stets an sich. Allerdings lernt er, dass er keine Maschine ist und Gefühle menschlich sind. Er lernt zu vertrauen, anstatt nur vertrauenswürdig zu sein und kann lieben.

Ist er sexistisch? Ja, absolut. Kann er in einer starken Partnerin mehr sehen, als eine Eroberung: Ja. Sind Frauen für ihn wertvolle Menschen: Ja.

‚Black Mirror‘ widmet eine Episode den Folgen von Pick-Up Artists.

Fazit: Nicht jeder Casanova ist ein Pick-Up Artist, aber die Grenzen verschwimmen

Barney Stinson, als typischer Casanova repräsentiert viele Merkmale eines Pick-Up Artists. Eines fehlt ihm, sonst würden wir ihn auch nicht lieben: die Skrupellosigkeit. Ansonsten hat er erschreckend viel gemeinsam mit den Pick-Up-Gurus: Er hat Jünger (Ted), er gibt ein Handbuch heraus (PlayBook) und er arbeitet präzise genau mit Zahlen und Statistiken. 

Warum wir ihn trotzdem lieben? Er ist süß, zum Totlachen und wir wollen ihn einfach nur umarmen. Damit spiegelt er nicht die typische Alpha-Männchen Rolle wieder, die PUAs anstreben. Gewissermaßen sehen wir in How I Met Your Mother wie ein PUA-Jünger auf die Welt losgelassen wird und lernt, dass sie nicht nach einem Regelwerk funktioniert.

Dass PUAs ein absolut fragwürdiges Welt- und Frauenbild haben, ist klar. Man sollte aber nicht gleich jeden Flirtcoach in diese Schublade stecken, denn Flirttipps und Techniken zur Selbstoptimierung und Selbstinszenierungen nutzen wir schließlich alle. Von Tipps zu mehr Selbstbewusstsein, bis hin zu den besten Gesprächsthemen für das erste Date.

Sad Fact: Der Urvater der Seduction Community war Ross Jeffries, als er das Buch How to Get the Women You Desire into Bed herausbrachte. Inzwischen bereut er dies und distanziert sich von seinen alten Werken und der Community. Nach eigenen Aussagen habe er eine Lawine ausgelöst, die er niemals beabsichtigt hatte.

An diesen Merkmalen erkennst du einen Pick-Up Artist.