Es gibt nur wenige Momente, in denen ich nichts essen kann: Entweder ich bin richtig krank, es geht mir mental nicht gut oder draußen hat es 35 Grad. Die ersten beiden Situationen treten zum Glück eher selten auf. Doch im Sommer ist die Appetitlosigkeit ein Dauerzustand. Und damit bin ich nicht allein. Warum haben wir bei Hitze weniger Hunger?

Bei Hitze weniger Hunger zu haben ist ganz normal

Rauszugehen fühlt sich an, wie einen Backofen zu betreten: Es hat 35 Grad im Schatten, der leichte Windhauch, der mich berührt, könnte auch ein Föhn auf Hitzestufe 3 sein. Komisch, eigentlich meldet sich um diese Uhrzeit immer mein Magen mit dem Wunsch nach einem deftigen Mittagessen. Heute nicht. Heute ist es einfach zu heiß, um zu essen.

Kommt dir diese Situation bekannt vor? Tatsächlich ist es kein Zufall, dass wir bei Hitze weniger Hunger haben. Und erstaunlicherweise scheint es uns auch gar nicht zu fehlen, wenn wir eine Mahlzeit mal auslassen oder das Essen etwas weniger üppig ausfällt. Woran liegt das?

Unsere Körpertemperatur ist Schuld

Um unsere Körpertemperatur im Winter auf 37 Grad zu halten, braucht der Körper Energie, die er in Form von Kalorien verbrennt. Sind die Speicher leer, bekommen wir Hunger. Meist auf deftige, warme Speisen, wie Eintöpfe oder mit Käse Überbackenes.

Im Sommer kommt die Außentemperatur unserer eigenen schon ziemlich nahe. Der Körper braucht also kaum Energie, um uns auf 37 Grad zu halten. Die Folge: Wir haben weniger Hunger.

Hartmut König vom Verbraucherschutz Hessen erklärt in der F.A.Z.: „Es gibt eine Faustzahl. Ab 20 Grad Celsius sinkt der grundsätzliche Energiebedarf pro Grad zusätzlicher Wärme um ein halbes Prozent. Das heißt also, wenn das Thermometer auf 30 Grad Celsius klettert, dann sinkt mein absoluter Bedarf um 5 Prozent.“ Das erklärt, warum wir bei Hitze weniger Hunger haben.

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Frau Wassermelone Meer
Frisches Obst sorgt für Abkühlung von Innen Foto: IMAGO / YAY Images

Warmes Wetter, kühle Speisen

Wenn wir überhaupt Appetit haben, dann eher auf Essen, das uns von Innen kühlt. Ich esse über den ganzen Sommer verteilt so ungefähr 10 Mini-Wassermelonen und dazu 5 Kilo Fetakäse. Okay, das ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Aber Wassermelone-Feta-Salat gehört definitiv zu meinen liebsten Sommer-Gerichten, auf die ich auch bei Außentemperaturen der Hölle Appetit habe.

Zum Glück ist die Auswahl an frischem Obst und Gemüse im Sommer groß und hier können wir nach Herzenslust zugreifen, um uns zu erfrischen. Verzichtet werden sollte dagegen auf schwere, fettige Speisen – sie bringen dich garantiert schon beim Essen zum Schwitzen!

Sonnenschein sorgt für gute Laune

Ein weiterer Grund, warum wir bei Hitze weniger Hunger und Appetit haben: Das Sonnenlicht beeinflusst unseren Serotininspiegel positiv und hebt unsere Laune. Wir fühlen uns fitter, sind aktiver und mehr draußen unterwegs. Das Essen gerät so zur Nebensache.

Außerdem brauchen wir im Sommer kein Essen, um unsere Laune zu heben. Dafür sorgen Sonnenschein und warme Temperaturen ganz allein. Im Winter sieht es anders aus: Bei nass-kaltem Schmuddelwetter will man sich am liebsten verkriechen. Die fehlenden Glückshormone aufgrund von Lichtmangel holen wir uns in Form von Zucker aus Süßigkeiten zurück.

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Fazit: Dein Körper sagt dir, was er braucht

Auch wenn es eine wissenschaftliche Erklärung dafür gibt, warum wir bei Hitze weniger Hunger haben: Am wichtigsten ist es doch, auf den eigenen Körper zu hören. Und wenn der bei sommerlichen Temperaturen partout keine Nahrung verlangt, sollten wir uns auch nicht zwingen, zu essen.

Vielleicht geht zwischendurch mal ein Stück Obst oder ein kleiner Salat. Auf keinen Fall vernachlässigen solltest du hingegen die Flüssigkeitszufuhr. Sie ist vor allem im Sommer lebenswichtig. Empfehlenswert sind 2 bis 3 Liter Wasser, bei hohen Temperaturen und körperlicher Anstrengung auch mehr.

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