Ist dir schon mal aufgefallen, dass du während besonders stressiger Phasen häufig etwas an Gewicht zulegst? Ich für meinen Teil kann tun, was ich möchte: In diesen Zeiten nehme ich vor allem am Bauch zu. Dabei handelt es sich jedoch nicht um überschüssige Pfunde oder Speck. Ärzt:innen sprechen vielmehr von einem sogenannten Stressbauch. Was das genau ist, woran du ihn erkennst und wie du ihn loswerden kannst, verrate ich dir in diesem Artikel.

Was ist ein Stressbauch?

Stress ist für viele Menschen ein ständiger Begleiter. Dabei muss man zwischen positiven und negativen Stress unterscheiden, da nur zweiterer auf Dauer krank machen kann und infolgedessen auf ein Minimum reduziert werden sollte. Die Mechanismen bleiben jedoch in beiden Fällen gleich: Empfinden wir negativen oder positiven Stress, setzt unser Körper die Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol frei.

Diese Hormone versetzen unseren Körper in den sogenannten Kampf-oder-Flucht-Modus. Zwar müssen wir heute im Gegensatz zu unseren Vorfahren in den seltensten Fällen tatsächlich kämpfen oder fliehen, die Hormonausschüttung bleibt dennoch – und mit ihr der Schaden, welchen die Hormone auf Dauer auslösen können.

Ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel etwa kann Bluthochdruck und Herzkreislauferkrankungen begünstigen. Zudem hemmt das Stresshormon Cortisol den Appetit. Ein evolutionär betrachtet praktischer Nebeneffekt, da unsere Verdauung und bei Kampf oder Flucht keine Energie rauben sollte.

Da unser Körper in Stresssituationen allerdings dennoch Energie braucht, lässt unser Körper unseren Blutzucker ansteigen. In der Folge steigt dadurch nicht nur unser Risiko, an Diabetes zu erkranken, auch lagern wir viszerales Fett im Bauch an. Der sogenannte Stressbauch entsteht.

Frau Bauch
Du bist schlank, nur rund um die Taille sammelt sich etwas mehr Fett an? Das kann auf einen Stressbauch hindeuten. Foto: canva.com/ The Jasmin Chew Collection

Wie gefährlich ist ein Stressbauch?

Forscher:innen der Yale Universität und der Rheinischen Friedrichs-Wilhelms-Universität in Bonn fanden in einer Studie im Jahr 2017 heraus, dass der Fettabbau am Bauch vor allem bei alten Menschen gestört ist. Sie führten dieses Problem vor allem auf den übermäßigen Ausschuss von Noradrenalin zurück, wenn wir Hunger haben.

Regulär schaltet das Hormon den Fettabbau an, bei manchen Menschen kommen allerdings die sogenannten Makrophagen dazwischen. Das sind weiße Blutkörperchen, die normalerweise an der Bekämpfung von Krankheitserregern beteiligt sind.

In diesem Fall setzen sie jedoch einen Entzündungsprozess in Gang und lassen das Enzym MAOA entstehen, welches das Noradrenalin zerstört. In der Folge kann das im Bauch gespeicherte Fett nicht abgebaut werden. Das Experiment wurde damals ausschließlich an Mäusen getestet.

Tatsächlich ist so ein Stressbauch eine Frage der Gesundheit. In dieser Bauchgegend findet nämlich der Stoffwechsel für den gesamten Körper statt. So kann ein Stressbauch zu höheren Blutfettwerten führen, das Risiko für Herzkreislauferkrankungen, Diabetes, einen Schlaganfall oder Bluthochdruck vergrößern. Kurzum: So ein Stressbauch kann richtig gefährlich werden.

5 Anzeichen für einen Stressbauch

Du möchtest wissen, ob du auch einen Stressbauch hast? Folgende fünf Anzeichen verraten es dir:

  1. Du hast derzeit viel Stress und hast seitdem zugenommen. Vor allem dein Bauch- und Taillenumfang haben sich vergrößert, sodass du etwa deine Lieblingsjeans nicht mehr zubekommst.
  2. Das Bauchfett befindet sich vor allem im unteren Bauchbereich. Typisch ist für einen Stressbauch außerdem eine B-Form, wenn man seitlich draufschaut – auch der Oberbauch setzt demnach Fett an. Was dein Bauchfett über deine Gesundheit verraten kann, liest du hier.
  3. Du hast Verdauungsprobleme und einen Blähbauch. Du fühlst dich häufig aufgedunsen und hast mitunter Bauchschmerzen oder leidest an Verstopfung.
  4. Am Rest deines Körpers hast du nicht zugenommen. Dein Bauch wirkt beinahe unproportional zum Rest deines Körpers. Auch schlanke Menschen können von einem Stressbauch betroffen sein.
  5. Viszerales Fett lagert sich auch zwischen den Organen an. Das ist von außen nicht leicht zu erkennen, kann aber durch einen Besuch beim Arzt oder der Ärztin abgeklärt werden.

Apropos Arzt oder Ärztin: Diese Liste mit Anzeichen für einen Stressbauch ersetzt keine Diagnose. Lass dich im Zweifel ärztlich durchchecken.

So wirst du deinen Stressbauch los

Bleibt nur noch die Frage danach, wie man so einen Stressbauch wieder loswerden kann. Folgende Tipps können dir dabei helfen:

Frau Blume
Stress lässt und entweder unregelmäßig essen oder aber schlingen. Das kann den Bauch zusätzlich aufblähen lassen. Foto: Imago Images/ Addictive Stock

Reduziere Stress.

Ja, wir wissen, da ist oft leichter gesagt als getan. Bestimmte Rituale können dir dabei aber helfen. Treibe regelmäßig Sport (Mindful Running, Pilates und Yoga sind ideal), meditiere regelmäßig, arbeite an verschiedenen Atemtechniken, lege Pausen nach dem DRAMMA-Modell ein, schlafe ausreichend und verzichte häufiger mal auf Alkohol.

Meide schnelle Kohlenhydrate.

Die kommen vor allem in Lebensmitteln mit niedrigem glykämischen Index vor und lassen den Blutzucker hochschnellen. Dabei machen sie nicht lange satt. Fast Food ist ein gutes Beispiel für schnelle Kohlenhydrate.

Setze stattdessen auf eine ballaststoff- und proteinreiche Ernährung. Die hält den Blutzucker im Zaum, lange satt und vermeidet Heißhungerattacken. Und bist du doch mal in Snacklaune, setze auf diese gesunden Süßigkeiten für zwischendurch.

Bewege dich ausreichend.

Regelmäßige Bewegung hilft dabei, den Fettstoffwechsel wieder anzukurbeln, der durch all den Stress mitunter völlig durcheinandergeraten ist. Dabei muss es aber nicht immer ein schweißtreibendes Work-out sein. Auch ein Spaziergang oder lediglich das Erreichen von 8.000 Schritten am Tag helfen dabei, den Kopf freizubekommen und dem Stressbauch den Kampf anzusagen.

Wer noch eine Schippe drauflegen möchte, kann auf ein HIIT-Work-out oder auf gezielte Bauchmuskel-Übungen setzen, die vor allem den unteren Bauch ansprechen. Am besten wird die Fettverbrennung im Übrigen durch einen Mix aus Cardio und Krafttraining angekurbelt.

Ähnliche Artikel: