Stress ist evolutionär betrachtet überlebensnotwendig, denn er bereitet uns auf eine Kampf- oder Fluchtsituation vor. Empfinden wir ihn ab und zu, wirkt er sogar anregend und lässt uns euphorisch fühlen. Kippt er jedoch in negativen Dauerstress um, kann er uns krank machen. Stress ist somit ein zweischneidiges Schwert. Ganz gleich ob positiver oder negativer Stress, verspüren wir ihn, schüttet unser Körper Stresshormone aus. Um Stress etwas besser zu verstehen, stelle ich dir drei dieser Hormone in diesem Artikel vor.

Stress ist nicht gleich Stress

Es gibt wohl kaum ein Wort, was so negativ behaftet ist wie Stress. Damit wird dem Begriff und auch dem Konstrukt dahinter aber unrecht getan. Stress ist nämlich eine äußert nützliche Reaktion des Körpers und kann, solange er positiv ausfällt, belebend wirken. Schreiben wir beispielsweise eine Prüfung, durchströmen uns Stresshormone und sorgen dafür, dass wir bis zur Abgabe hoch konzentriert arbeiten.

Evolutionär betrachtet rettete Stress sogar zahlreiche Menschenleben. Schoss beispielsweise ein Säbelzahntiger auf einen Steinzeitmenschen zu, trug Stress zu der typischen Kampf- oder Fluchtreaktion bei. Heutzutage springen zwar keine Säbelzahntiger mehr umher, Stress schützt uns aber auch heute in Gefahrensituationen. Und manche fühlen sich vom Stress gar so berauscht, dass sie freiwillig bei einem Skydive aus dem Flugzeug springen.

Tatsache ist aber auch, dass Stress ins Negative umkippen kann. Positiv ist Stress nämlich immer nur so lang, wie wir uns ihm gewachsen fühlen. Überfordert er uns, weil er permanent auftritt, kann er auf Dauer krank machen und beispielsweise zu einem Burn-out führen. Die verschiedenen Phasen eines Burn-outs findest du hier.

Weiterlesen: Du möchtest mehr über den Unterschied zwischen positiven und negativen Stress erfahren? Hier entlang.

Frau gestresst
Stress wird in dem Moment negativ, indem wir uns ihm oder einer Situation nicht mehr gewachsen fühlen. Foto: imago images/Addictive Stock

Wie entsteht Stress?

Geraten wir in eine Situation, die uns potenziell bedrohlich vorkommt – und sei es nur, dass eine Deadline auf der Arbeit immer näher rückt – analysieren wir diese blitzschnell. Aufgrund bisheriger Erfahrungen werden wir nun einschätzen, ob wir der Herausforderung gewachsen sind. Je eher wir merken, dass es mit der Bewältigung der Situation knapp werden könnte, desto gestresster sind wir.

Wichtig ist hierbei zu verstehen, dass es um die subjektive Bewertung der Situation geht. Stress ist somit nicht nur eine Frage des Körpers, sondern auch eine mentale. Wer Überforderung spürt, wird eher gestresst sein. So gerät die eine in negativen Stress, wenn sie einen Vortrag vor 100 Kolleg:innen halten soll, während die andere sich in dieser Situation regelrecht suhlen könnte.

War es früher so, dass Stresshormone dem Körper schnell Energie bereitgestellt haben, um zu kämpfen oder zu fliehen, ist es heute oftmals so, dass wir gar nicht wissen, wohin mit der ganzen Stressenergie.

Und hier wird es gefährlich. Erleben wir diese starken negativen Stressmomente nur ab und zu, kann sich diese Energie schnell wieder abbauen. Verspüren wir jedoch dauerhaft Stress, weil eine Deadline die nächste jagt, bleibt das Energieniveau dauerhaft hoch und sorgt im worst case zu gesundheitlichen Problemen wie:

  • Erhöhter Blutdruck
  • Kopfschmerzen/ Migräne
  • Infektionen
  • Verdauungsbeschwerden
  • Erhöhtes Herzinfarktrisiko
  • Depressionen
  • Sexuelle Störungen oder Zyklusbeschwerden

Weiterlesen: Stress macht sich körperlich, mental und auch im Umgang mit anderen bemerkbar. Lies hier, welche Stresssymptome du ernst nehmen solltest.

Stresssymptome
Stress kann krank machen, auf kurze aber auch auf lange Sicht. Foto: imago images/Addictive Stock

Stress beginnt im Gehirn

Über die Jahrhunderte hinweg hat sich Stress gewandelt. Diente er früher vor allem dazu, Leib und Leben zu beschützen, tritt er heute vor allem zutage, wenn wir beispielsweise Angst haben, auf der Arbeit zu versagen. Ganz gleich jedoch, warum und in welchen Situationen Stress auftritt: Er läuft bis heute nach dem gleichen Muster ab – und das tritt sogar dann zutage, wenn wir uns eine stressige Situation nur vorstellen.

Stress beginnt im Gehirn. Hier werden verschiedene Areale geweckt, die zusammenarbeiten. Manche Bereiche sind für die emotionale Verarbeitung der Situation zuständig, andere für Planen und Denken und wieder andere setzen die Vorgänge in Gang, damit Stresshormone ausgeschüttet werden.

Eines der wichtigsten Areale in unserem Gehirn für das Stressempfinden ist die Amygdala. In diesem mandelförmigen Komplex von Nervenzellen werden vor allem unsere Emotionen verarbeitet. Auch unsere Reaktion auf Stress und Angst werden hier gesteuert. Bemerken wir, dass etwas potenziell bedrohlich ist, beginnen die Nervenzellen der Amygdala zu feuern.

Welche Stresshormone gibt es?

Dabei gibt es zwei Wege, wie die Amygdala auf Stress reagiert: einen schnellen und einen langsamen. Der schnelle Weg führt über das sympathische Nervensystem, während der langsame über den Hypothalamus führt. Beide gehen mit der Ausschüttung von Stresshormonen einher:

Adrenalin und Noradrenalin

Die Nervenstränge des sympathischen Nervensystems senden bei Stress über das Rückenmark zum Mark der Nebenniere die Information, dass Gefahr droht. Hier werden nun die Stresshormone Adrenalin und ein wenig Noradrenalin ausgeschüttet. Diese beiden Hormone nennt man auch Katecholamine. Sie sorgen dafür, dass unser Herzschlag schneller wird, unser Blutdruck steigt, unsere Muskeln sich anspannen und mehr Blutzucker freigesetzt wird.

Übrigens: Auch Dopamin wird kurzfristig als Stresshormon freigesetzt.

Kortisol

Neben diesem schnellen Vorgang informiert die Amygdala auch den Hypothalamus über die Gefahr. Das setzt eine Reihe weiterer Hormone frei: Der Hypothalamus schüttet unter anderem das Corticotropin-releasing-Hormon aus, was wiederum das Hormon Adrenocorticotropin freisetzt. Letzteres gelangt zur Rinde der Nebenniere und veranlasst diese, das Stresshormon Kortisol auszuschütten. Dieses Glukokortikoid ist überlebenswichtig, kann dem Körper im Übermaß aber auch schaden.

Dieser Cocktail an Stresshormonen sorgt dafür, dass unser Körper mehr Sauerstoff und Energie bekommt. Er sorgt aber unter anderem auch dafür, dass sich unser Atem beschleunigt, die Milz mehr rote Blutkörperchen ausschwemmt und unsere Durchblutung verbessert wird. Funktionen wie die Verdauung und der Sexualtrieb werden dagegen zurückgefahren, da diese nur unnötige Energie rauben würden.

Stress ist wichtig, macht auf Dauer aber krank

Es ist verrückt, was unser Körper zu leisten vermag und wie viele Stellen unseres Körpers daran beteiligt sind, wenn wir uns gestresst fühlen. So nützlich es auch ist, wenn Stresshormone unseren Körper das ein oder andere Mal durchqueren, so sollten wir aber nicht vergessen, dass dauerhafter Stress krank machen kann.

Er schwächt unter anderem unser Immunsystem, kann aber auch mental wüten und beispielsweise Depressionen begünstigen. Daher sollte man stets darum bemüht sein, sein Stresslevel auf ein Minimum zu reduzieren. Wie das gelingen kann? Ich hätte da ein paar Vorschläge für dich…