Du machst viel Sport, ernährst dich gesund – und nimmst trotzdem einfach nicht ab. Kommt dir das bekannt vor? Auf der Suche nach einer Erklärung dafür liest man oft, dass manche Menschen eben einen langsameren Stoffwechsel als andere haben. Deshalb falle ihnen das Abnehmen besonders schwer. Ob das wirklich so ist und welchen Einfluss Sport auf den Stoffwechsel hat, erfährst du hier.

Kann man mit Sport den Stoffwechsel beschleunigen?

Wenn du dachtest, Sport hat Auswirkungen auf den Stoffwechsel, müssen wir dich jetzt enttäuschen: Wie das Ergebnis einer Studie zeigt, die kürzlich im Magazin Nature Communications erschienen ist, kann Sport den Stoffwechsel nicht dauerhaft beschleunigen. Der Grund: Jeder Mensch hat einen individuellen Stoffwechsel, der in seinem ganz eigenen Tempo läuft – unabhängig davon, ob man Sport macht oder nicht.

Doch was hat es dann mit den vielen Versprechungen von Lebensmittelherstellern und Fitnesskursen auf sich, die behaupten, den Stoffwechsel beschleunigen zu können? Fakt ist: Wer regelmäßig Sport macht, sich ausgewogen ernährt und genug schläft, hat mit großer Wahrscheinlichkeit bereits einen gut funktionierenden Stoffwechsel.

Studie zeigt: Stoffwechsel kann durch Sport nicht beschleunigt werden

Die Forscher:innen ermittelten den Gesamtenergieumsatz von knapp 350 Personen. Diese mussten ein Glas Wasser trinken, das zuvor mit Wasserstoff- und Sauerstoffisotopen angereichert wurde. Die Isotope können im Körper nachverfolgt worden und gehen durch Atmen, Schwitzen und Ausscheidung verloren. So konnten die Wissenschaftler:innen messen, wie schnell der Stoffwechsel der jeweiligen Person ist und wie viele Kalorien verbrennt werden.

Das Ergebnis: Der Stoffwechsel variierte bei den Proband:innen um bis zu 20 Prozent – und das ganz unabhängig davon, ob sie Sport machten oder nicht.

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Frau joggen
Der Stoffwechsel eines jeden Menschen ist individuell – egal, wie viel Sport man treibt. Foto: Getty Images / The Good Brigade

Es gibt verschiedene Stoffwechsel-Typen

Kann man den Stoffwechsel beschleunigen, je nach dem, was für ein Typ man ist? Laut dem Arzt und Mediziner Dr. William Sheldon gibt es 3 Körpertypen. Diese unterscheiden sich hinsichtlich ihres Körperbaus, der Verteilung von Fett- und Muskelmasse und ihres Stoffwechsels. Die Symptome, die auf den jeweiligen Typ hinweisen, sind sehr subtil. Daher ist das Modell, das bereits in den 1950er Jahren entwickelt wurde, heutzutage umstritten.

Das sind die 3 Typen:

Ektomorph

  • schneller Stoffwechsel
  • geringer Körperfettanteil
  • schmaler Körperbau
  • lange, dünne Arme und Beine
  • kurzer Oberkörper

Mesomorph

  • geringer Körperfettanteil (meist am unteren Bauch und den Hüften)
  • normal bis schneller Stoffwechsel
  • definierte Muskeln
  • breiter Körperbau (V-Form bei Männern, X-Form bei Frauen)
  • große Hände und Füße

Endomorph

  • hoher Körperfettanteil
  • langsamer Stoffwechsel
  • kaum sichtbare Muskeln
  • kräftige Arme und Beine
  • rundes Gesicht

Kann man mit einem schnelleren Stoffwechsel leichter abnehmen?

Offensichtlich gibt es enorme Unterschiede bei der Geschwindigkeit des Stoffwechsels. Müsste das nicht bedeuten, dass Personen, die einen schnellen Stoffwechsel haben, auch leichter abnehmen?

Das untersuchten die Forscher:innen im zweiten Teil der Studie. Dafür dokumentierten sie das Gewicht der Proband:innen über verschiedene Zeiträume. Doch auch hier war das Ergebnis ernüchternd: Ein schneller Stoffwechsel ist keine Garantie dafür, leichter abzunehmen. Genauso wenig nehmen Menschen mit einem langsamen Stoffwechsel leichter zu. Den Stoffwechsel zu beschleunigen, ist daher sinnlos.

Warum du trotzdem Sport treiben solltest

Muskeln verbrauchen mehr Kalorien, als Fett. Genauer gesagt: Ein Kilo Muskelmasse verbrennt im Ruhezustand 13 Kalorien pro Tag, ein Kilogramm Fettgewebe dagegen nur 4,5 Kalorien. Das mag wenig klingen – auf Dauer kann sich dein Kalorienverbrauch durch Muskelaufbau jedoch enorm erhöhen.

Warum das so ist? Muskeln bestehen aus Mitochondrien. Diese funktionieren wie kleine Kraftwerke. Sie wandeln Fett und Kohlenhydrate in Energie um. Je mehr Muskeln vorhanden sind, desto mehr Energie kann gewonnen werden. Auch wenn der Stoffwechsel nicht mit Sport beschleunigt werden kann, lohnt es sich also, Bewegung in den Alltag zu integrieren.

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Fazit: Sport wirkt sich positiv auf deinen Körper aus

Die Annahme, dass man durch Sport den Stoffwechsel beschleunigen und somit dauerhaft seinen Kalorienumsatz erhöhen kann, ist weit verbreitet. Doch leider handelt es sich dabei um einen Irrglauben. Klar: Während des Sports verbraucht man mehr Kalorien, durch den Nachbrenneffekt sogar bis zu mehrere Stunden nach der Sporteinheit. Doch auf Dauer verändert das den Grundumsatz nicht, wie die Wissenschaftler:innen herausfanden.

Da der menschliche Körper aber auf viel Bewegung ausgelegt ist, hat Sport eine Reihe positiver Effekte auf die Gesundheit. „Regelmäßige körperliche Bewegung eignet sich wunderbar zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes, Krebserkrankungen, Osteoporose, Übergewicht, Stress und Burnout“, erklärt Prof. Dr. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Zwar vergrößert sich dein Kalorienumsatz nicht und der Stoffwechsel wird nicht beschleunigt – dafür bleibst du fit, gesund und gut gelaunt.