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An der Supermarktkasse wird das Chaos noch ein wenig größer. Credit: Gettyimages/ MediaNews Group/Reading Eagle via Getty Images / Kontributor

Im Jahr 2022 wird sich einiges in den deutschen Supermärkten ändern. Schon seit Jahren setzen Lidl, Aldi und Co. auf neue nachhaltigere Geschäftskonzepte und innovative Lösungsansätze für alte Probleme. Dabei geht es vor allem darum, Verpackungsmüll einzusparen und den Fleischkonsum der Bevölkerung so weit wie möglich zu drosseln. Mit der neuen Pfandregel im Supermarkt gehen wir einen weiteren Schritt in Richtung Nachhaltigkeit.

Supermärkte und Discounter wie Aldi, Lidl, Rewe und Co. stellen auf ein neues Pfandsystem um, welches noch viel mehr Getränke integriert. Bis dato kennen wir Pfand nur auf Dosen und Plastikflaschen. Ab dem nächsten Jahr werden auch andere Getränke wie Milchflaschen eingeschlossen.

Eine wirklich gute Idee, um weniger Müll zu produzieren. Aber wie soll diese neue Regel in der Praxis aussehen? Wie sich Kund:innen ab jetzt zu verhalten haben und warum Nachhaltigkeit manchmal auch Mehrarbeit bedeutet, erfahrt ihr hier.

Das Pfandsystem in Deutschland: Eine klasse Sache

Deutschland hat vor 17 Jahren den Flaschen- und Dosenpfand eingeführt. Bei der Kasse werden 25 Cent auf Plastikflaschen, 8 Cent auf Bierflaschen und ebenfalls 25 Cent auf Dosen draufgeschlagen. Das Geld wird uns erstattet, wenn wir die leeren Behältnisse zurück in den Laden bringen.

Das deutsche Pfandsystem sorgt dafür, dass die Materialien wiederverwendet werden können und dafür, dass die Straßen einigermaßen sauber bleiben. Ein weiterer Nebeneffekt: Als „Flaschensammler:in“ verdienen sich viele Menschen hier und da etwas dazu.

Übrigens: Wusstest du, dass Deutschland nicht das einzige Land mit einem Flaschenpfand ist? Auch Österreich, Schweiz, Kroatien, Schweden, Norwegen, Estland, die Niederlande und Dänemark haben ähnliche Systeme.

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An der Supermarktkasse: Diese neue Regel könnte echt ekelhaft enden. Credit: IMAGO / photosteinmaurer.com

Das Pfandsystem wird ausgeweitet

Ab dem Jahr 2022 soll es Pfand auf noch viel mehr Flaschen geben, das hat das Bundesumweltministerium beschlossen. Auch Milch, Frucht- und Gemüsesäfte, Apfelweine oder Mischgetränke mit Alkohol sollen bald von der Einwegpfand-Regelung betroffen sein.

Der große Unterschied ist, dass zuvor die Art des Getränks über Pfand oder nicht Pfand entschied. Ab 2022 soll das Material der Verpackung darüber entscheiden.

Hier werden 25 Cent Pfand ab 2022 fällig:

  • Supermärkte: Aldi, Lidl, Rewe und Co.
  • Großhersteller wie Coca-Cola oder Eckes-Granini
  • Smoothies, Frischsäfte
  • alkoholische Mischgetränke
  • Milchprodukte

Das große Problem: Die Milch

Die meisten Produkte lassen sich ohne weiteres mit Pfand belegen. Das große Problem liegt aber bei den Milchprodukten. Kaffee-Spezialitäten mit Milch, Milchtüten oder auch Kakaoprodukte sollen auch bald mit einem Rückgabepfandsystem versehen werden. Allerdings ist hier nicht klar, wie die Rückgabe erfolgen soll.

Ein bisschen eklig könnte es werden

Milchprodukte schimmeln nämlich und das erzeugt nicht nur ekelhafte Gerüche, sondern auch noch gesundheitsschädliche Bakterien. Wie gerade im Sommer die Hygiene erhalten bleiben soll, ist dem Bundesumweltministerium noch unklar. Je länger die Milchtüten in den Wohnungen liegen, desto gefährlicher wird es für Konsument:innen wie auch für die Verkäufer:innen. Eine Idee ist, dass die Verbraucher:innen dazu aufgefordert werden, die Tüten nach dem Leeren auszuspülen. Jedoch ist fraglich, ob das umgesetzt wird.

Mehr Arbeit für die Kund:innen

Für uns als Kund:innen bedeutet das vor allem eines: Mehr Arbeit. Bis jetzt konnten wir unsere Milchtüten noch ungeniert wegwerfen und mussten uns nicht darum kümmern, dass sie ordentlich und sauber sind, bevor wir sie wegtun. Das wird sich nun ändern müssen, denn wenn wir nicht wollen, dass die Milchtüten in unserem Hausflur anfangen zu gammeln und stinken, müssen wir sie wohl oder übel einmal durchspülen.

Für einen nachhaltigeren Umgang mit der Umwelt sollten wir uns als Verbrauchende aber eher darüber freuen, dass Aldi und Co. diese neue Regel einführen. Immerhin haben wir eine Verantwortung dem Planeten gegenüber.

Wie geht man am besten mit den Milchtüten um?

Die Leser:innen von wmn haben sich bereits die Frage gestellt, wie man am besten mit den Milchtüten umgehen sollte. Sie nach der Nutzung auszuwaschen ist nur eine von mehreren Lösungsansätzen. Hier kam allerdings die Kritik auf, dass es Wasserverschwendung sei, die Milchpackungen zu waschen. Kaltes Wasser ist in Deutschland allerdings keine Mangelware. Noch nicht. Es kann nämlich durchaus sein, dass es in Zukunft auch in Deutschland eine Wasserknappheit geben wird. Eine andere nachhaltigere Methode wäre es, die Milchtüten und -flaschen direkt nach dem Leeren zurück in den Supermarkt zu bringen. Das erfordert nichts weiter als ein wenig Disziplin.