Die neue Arbeits- und Sozialwelt hat uns zu Vollzeit-Multitasker:innen gemacht. Wir telefonieren beim Fernsehen, wir lesen beim Surfen, wir essen beim Kochen, wir tindern beim Sex. Okay, Letzteres ist vielleicht übertrieben, aber ihr wisst, was ich meine. Multitasking ist hier das Stichwort.

Auch auf der Arbeit merken viele, dass sie immer mindestens zwei Dinge gleichzeitig tun und dabei die Qualität und die Produktivität verloren gehen. Statistiken zeigen, dass die Arbeitsmenge bei den Arbeitnehmer:innen in den letzten Jahren um gut 82 % zugenommen hat. Gleichzeitig ist auch die Leistungserwartung um 76 % gestiegen. Da aber nicht im gleichen Maße mehr Mitarbeitende eingestellt wurden, musste sich die Arbeitsweise anpassen.

Irgendwie machen wir alles gleichzeitig und haben dennoch danach das Gefühl, nichts geschafft zu haben. Woran liegt das und wie funktioniert Multitasking überhaupt? Wir zeigen dir acht Mythen über das Multitasking und erklären dir, warum es nicht funktionieren kann, wie wir es uns vorstellen.

1. Multitasking-Wahrheit: Stress

Das Wichtigste zuerst: Wir müssen mal eben klarstellen, dass echtes Multitasking nicht möglich ist. Denn das Gehirn kann sich faktisch nicht auf mehrere Dinge gleichzeitig konzentrieren. 

Stattdessen konzentriert es sich sehr schnell hintereinander auf unterschiedliche Dinge. So kannst du beispielsweise innerhalb von ein paar Sekunden eine Mail verschicken, einen Text korrigieren, dein Frühstücksbrötchen essen und deiner Kollegin zuhören. Das alles passiert für dein Gehirn aber nacheinander und nicht gleichzeitig.

Multitasking ist also nicht mehr als viele kleine konstante Unterbrechungen deines Workflows. Studien haben herausgefunden, dass diese Unterbrechungen sehr stressig für das Gehirn sind, denn es wird nicht mit einer Aufgabe ausgelastet, sondern ist mit verschiedensten Aufgaben konfrontiert, die es zusammengenommen überfordern.

2. Multitasking-Wahrheit: Fehler

Eines der Probleme von Multitasking haben wir bereits besprochen: Es ist gesellschaftlich so akzeptiert und in vielen Jobs sogar gefordert, dass wir im Arbeitsalltag gar nicht anders können, als zu multitasken. Das trägt leider zu einer generell höheren Fehlerquote bei, die wir oft nicht einmal bemerken. Flüchtigkeitsfehler etablieren sich immer mehr durch den Konzentrationsverlust.

Ausgebügelt werden diese durch Kolleg:innen oder technische Hilfsmittel. Das wäre allerdings gar nicht erst nötig, wenn wir von vornherein konzentriert bei der Arbeit wären.

Das passiert dir nicht? Doch, das tut es: Hast du dich schon jemals von einer Aufgabe ablenken lassen und bist ans Telefon gegangen oder hast eine Nachricht beantwortet? Danach bist du mit hoher Wahrscheinlichkeit weit weniger konzentriert als zuvor. Das birgt eine große Fehlerquelle.

Prüfungsstress Studentin mit Büchern
Multitasking ist Stress pur.

3. Multitasking-Wahrheit: Prioritätsverlust

Wenn du sowieso alles gleichzeitig machst, dann wird es für dich viel schwieriger, entscheiden zu können, was gerade wichtig ist und was nicht. 

Interessanterweise kann es dir aber helfen, Prioritäten zu setzen, wenn du gerade in einer Schleife aus Multitasking hängst. Oft ist es besonders schwierig, mit Unterbrechungen bei der Arbeit umzugehen. Wenn du deine Aufgaben nicht priorisiert hast, dann wirst du wahrscheinlich jede Task als ähnlich wichtig erachten. Das kann aber richtig nach hinten losgehen.

Wenn du eine Aufgabe bei der Arbeit beginnst, dann gib ihr zuvor eine Priorität. Ist die Aufgabe sehr wichtig, wichtig oder nice to have? Dann kannst du viel einfacher entscheiden, wovon du dich ablenken lässt.

4. Multitasking-Wahrheit: Brain damage

In extremen Fällen kann das Multitasken sogar zu nachhaltigen Problemen des Gehirns führen. Die Universität von Sussex hat herausgefunden, dass die Dichte des Gehirns bei Menschen mit zu viel Multitasking im Alltag zurückgeht. 

Klingt gruselig? Ist es auch, denn bei diesen Menschen wurde festgestellt, dass sie meist weniger empathisch sind und weniger Kontrolle über ihre Gefühlswelt haben.

Das ist aber nicht irreversibel. Wer seine Gehirndichte zurückholen will, der sollte sich vor allem an Aufgaben machen, die einiges an Konzentration fordern. Sie sollten dich aber nicht überfordern, denn das stresst das Gehirn ebenfalls. Am besten ist es, während der Arbeit in einen Flow zu gelangen.

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Konzentriere dich lieber auf eine einzige Sache.(Photo: imago images/Westend61)

5. Multitasking-Wahrheit: Produktivitätsverlust

Die Psychologin Dr. Susan Weinschenk ist fest davon überzeugt, dass Multitasking nicht einmal das richtige Wort ist. Vielmehr ist es sowas wie “Task-Switching”. Ihren Studien zufolge reduziert das Multitasking die Produktivität enorm. 

Ganze 40 % büßen wir ein, wenn wir versuchen, durch viel zu viele Aufgaben so produktiv wie möglich zu sein.

Das Problem beim Multitasken ist nämlich, dass du immer wieder in deine eigentliche Aufgabe zurückfinden musst, wenn du einmal “Task-Switching” betrieben hast. Das kostet wertvolle Zeit.

6. Multitasking-Wahrheit: Dummheitsförderung

Multitasking ist ein Garant dafür, schlechte IQ-Ergebnisse zu bekommen. Eigentlich total logisch: Wer sich auf mehrere Dinge gleichzeitig konzentriert, der hat am Ende weniger Gehirnschmalz übrig für jede einzelne Aufgabe. Ein IQ-Test sollte aber mit der größten Aufmerksamkeit angegangen werden.

Es scheint irritierend, dass sich so viele Menschen weigern, diese Erkenntnis anzuerkennen. Auch wenn jeder weiß, dass man sich theoretisch konzentrieren sollte, um seine Arbeit gut zu machen, tun das am Ende doch die wenigsten. Ein Paradoxon.

7. Multitasking-Wahrheit: Selbstbetrug

Wer intensiv multitaskt, der weiß darum, dass man manchmal ein wenig “sloppy” wird. Fehler passieren jedem, doch wenn man 100 Aufgaben gleichzeitig erledigt, hat man 99 Fehlerquellen mehr. Schlampiges Arbeiten wird dann damit gerechtfertigt, dass du „ja auch nicht auf alles achten kannst”, denn du “tust ja ohnehin so viel.”

Damit belügst du dich aber nur selbst, denn jede Arbeit sollte gut gemacht werden.

8. Multitasking-Wahrheit: Gedächtnislücken

Jede einzelne Studie zum Thema Multitasking hat ergeben, dass nicht nur deine Arbeit, sondern deine gesamte Hirnleistung darunter leidet. Das Gedächtnis wird nämlich beim Multitasking stark angegriffen. Du kannst nicht mehr so einfach Verbindungen zwischen verschiedenen Ereignissen und knüpfen, wenn du im Moment des Erlebens abgelenkt warst.

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Stress & Entspannung müssen sich die Waage halten, um nicht krank zu machen.(Photo: imago images/Westend61)

Kein Multitasking, dafür Pausen & mehr Disziplin

Effektiver zu arbeiten ist ein riesiges Unterfangen, das man sich nach und nach anlernen muss. Du kannst dich zum Beispiel mal darin üben, ein wenig Digital Detox zu betreiben. 

Die Effizienz zu steigern ist vor allem dann möglich, wenn du deine Prioritäten geklärt hast. Dabei können To-Do-Listen sehr gut helfen.

Entspannung ist genauso wichtig wie Anspannung. Leg dir die richtige Abendroutine zu und du wirst merken, dass es dir im Alltag sehr gut tut.