An guten Tagen sprühe ich nur so vor Selbstbewusstsein. Ich zwinkere mir selbst im Spiegel zu und sage mir: Du siehst gut aus! Auf der Arbeit lese ich alte Texte von mir und denke: Wow, das klingt richtig clever, Chapeau. Spreche ich jedoch laut aus, dass ich zufrieden mit meinem Aussehen bin und was auf dem Kasten habe, werde ich nachdenklich: Nicht, dass die Leute jetzt denken, ich wäre selbstverliebt… Es ist schon wahr: Der Grat zwischen Selbstverliebtheit und Selbstliebe ist ein schmaler. Wo der Unterschied liegt und warum man den Drahtseilakt dennoch wagen sollte, liest du hier.

In dieser Podcastfolge sprechen Mona & Lisa über Selbstzweifel & wie man sie loswird.

Was bedeutet es, selbstverliebt zu sein?

Selbstverliebte Menschen sind egoistisch, haben ein übertriebenes Geltungsbedürfnis und treten rücksichtslos auf. Die übertriebene Liebe zu sich selbst kann sich auf ihre Leistungen, aber auch auf ihr Aussehen beziehen. In extremen Ausprägungen der Selbstverliebtheit spricht man auch vom Narzissmus.

Allgemein sind Selbstverliebtheit und Narzissmus Persönlichkeitseigenschaften, die von der Gesellschaft als negativ abgestempelt werden. Allerdings gibt es einen Unterschied zwischen positivem Narzissmus und einer krankhaften narzisstischen Persönlichkeitsstörung (NPS). Positiver Narzissmus bedeutet nichts weiter, als dass diese Menschen eine grundsätzlich positive Einstellung zu sich selbst pflegen. Sie haben also ein stabiles Selbstwertgefühl, ruhen in sich, sind offen und harmonisch eingestimmt.

Frau Spiegel
Es gibt einen Unterschied zwischen positivem und krankhaftem Narzissmus. Credit: IMAGO / Addictive Stock

Positiver vs. negativer Narzissmus

Menschen, die dagegen an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung leiden, also übertrieben selbstverliebt sind, sind alles andere als harmonisch eingestellt. Sie sind ständig neidisch auf erfolgreichere Menschen und entwickeln im Gegenzug das Gefühl, sie seien selbst die großartigsten, erfolgreichsten und beneidenswertesten Menschen. Diese Grundeinstellung führt unweigerlich zu Konflikten – ob auf der Arbeit, in der Familie oder einer Partnerschaft.

Nice to know: Der Begriff des Narzissmus geht auf den griechischen Mythos des jungen Narziss zurück, der sich in sein Spiegelbild auf der Wasseroberfläche verliebte und schließlich darin ertrank. Nach manchen Überlieferungen fällt ein Blatt auf die Wasseroberfläche und verzerrt sein Spiegelbild. Narziss erschreckt sich davor entsetzlich, weil er sich als hässlich empfindet. Zahlreiche Quellen geben zudem an, dass sein Leichnam sich in eine Narzisse verwandelt haben soll.

Zum Weiterlesen: Narzissmus & Partnerschaft: Eine hoffnungslose Kombination?

Paar
Vor allem Beziehungen leiden darunter, wenn einer der Partner an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung leidet. Credit: imago images/Westend61

Was bedeutet es, sich selbst zu lieben?

Glaubt man so manchen Wissenschaftler:innen, leben wir im Zeitalter der Narzisst:innen. Sich selbst feiern und in Szene zu setzen, gehört für viele heute einfach dazu. Auf der anderen Seite wird an jeder Ecke gepredigt, dass wir lernen müssen, uns mehr zu lieben. Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Selbstverliebtheit und Selbstliebe?

Eigentlich ist es ganz leicht: Selbstverliebtheit schadet in extremen Ausprägungen anderen und auch dem selbstverliebten Menschen. Diese Ichbezogenheit geht also auf Kosten anderer. Selbstverliebtheit bedeutet im Zweifel, in steter Konkurrenz mit anderen zu stehen und sich aufgrund von Selbstüberschätzung über andere zu stellen.

Selbstliebe
Young brunette female with red lips dressed in fur coat over green lingerie standing in snowy field in sunny winter day, Model released Copyright: xRemediosxPuertax Credit: IMAGO/Westend61

Selbstliebe bedeutet, sich zu akzeptieren

Bei der Selbstliebe geht es dagegen darum, die eigene Persönlichkeit in Gänze zu akzeptieren –inklusive der Stärken und persönlichen Schwächen. Selbstliebe bedeutet, den eigenen Wert zu kennen und in sich zu vertrauen. Von der Meinung anderer loszulassen und den Blick allein nach innen zu richten. Selbstliebe schadet niemanden, sondern nützt höchstens einem selbst. Anders als selbstverliebte Persönlichkeiten müssen viele Menschen allerdings erst lernen, sich selbst zu lieben.

Denn wir leben in einer Welt, in der uns stetiger Vergleich auf dem Silbertablett serviert wird: Xing, LinkedIn & Co. zeigen uns, wer einen neuen traumhaften Job hat. Instagram zeigt uns, wer sich im Traumurlaub mit seinem Luxuskörper in der Sonne rekelt. Und das hat Folgen. Zahlreiche Studien wie auch die des dänischen Happiness Research Institute wissen längst, dass diese tägliche Beschallung mit dem Leben anderer Menschen das eigene Selbstbild in Mitleidenschaft zieht, Neid aufkommen und unzulänglich fühlen lässt.

Warum ist Selbstliebe so wichtig?

Selbstliebe ist demnach unabdingbar, um in dieser Welt zu bestehen. Allerdings haben viele Frauen gleichermaßen Angst, ihre Selbstliebe könnte als Selbstverliebtheit ausgelegt werden. In der Einleitung habe ich mich bereits als eine von ihnen geoutet. Frauen tun sich ohnehin schwer, stolz auf ihre Leistungen zu sein und Komplimente anzunehmen. Sie üben sich kategorisch im Understatement. Das weiß die Forschung bereits seit über 20 Jahren.

In einer neueren Studie konnten die Wissenschaftler:innen Christine L.Exley von der Harvard University und Judd B. Kessler der University of Pennsylvania herausfinden, dass Frauen ihre Leistung zudem ganz anders wahrnehmen als Männer.

In ihrer Studie mit dem Titel „The Gender Gap in Self-Promotion“ konnten sie zeigen, dass Frauen sich in Bewerbungen, Vorstellungsgesprächen oder in Feedbackgesprächen oft schlechter bewerten als ihre männlichen Kollegen. Salopp gesagt, sabotieren Frauen sich auf der Arbeit also selbst. Denn so stecken sie auch weiterhin in Sachen Bezahlung, Gehaltserhöhung, Beförderung und Anerkennung zurück.

Selbstverliebtheit und Selbstliebe? Liebe Frauen, liebt euch selbst!

Den Persönlichkeits-Coach Kim Fleckenstein verwundert das wenig. Gegenüber der Womans Health meint er, dass Frauen evolutionär bedingt eher gemeinschaftlich eingestimmt sind und sich daher kleinhalten, um weniger bedrohlich zu wirken. Frauen würden mit ihrem Understatement also versuchen, beliebter zu sein. Laut einer Umfrage der Womens Health International bewirken sie allerdings das komplette Gegenteil damit!

Denn Frauen, die für sich einstehen und die sich selbst voll und ganz lieben, kommen für 67 % der Befragten eher positiv an! Die Angst, man könnte selbstverliebt und narzisstisch wirken, ist also unbegründet. Nur drei Prozent der Befragten gab an, dass sie Menschen, die ihren Wert kennen, als arrogant empfinden. Wer für sich selbst einsteht und seinen Wert kennt, wer also über Selbstliebe verfügt, kommt also im Alltag nicht nur einfache zurecht, sondern macht sich obendrein auch noch beliebt.

Also worauf warten? Wir haben hier sieben Selbstliebeübungen für dich, mit denen du endlich aufhörst, dich kleinzumachen!

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