Was wäre die Welt einfach, könnte man sie in links und rechts, Schwarz und Weiß, oben und unten oder in Einsen und Nullen aufteilen. Die Realität sieht aber anders aus. Und das ist auch gut so, denn binäre Aufteilungen schaffen nichts als Gräben in der Gesellschaft. Wie schwer es dennoch fällt, dieses binäre Denken abzulegen, machen einige Mythen rund um die sexuelle Orientierung der Bisexualität deutlich, die sich bis heute hartnäckig halten. Wir räumen damit auf.

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Was ist die sexuelle Orientierung und was ist Bisexualität?

Die sexuelle Orientierung zeigt an, zu welchem Geschlecht man sich emotional und sexuell hingezogen fühlt. Es gibt unter anderem die Heterosexualität, die Homosexualität, die Asexualität, die Pansexualität sowie die Bisexualität.

Weiterlesen: Welche sexuellen Orientierungen es außerdem gibt und was sie bedeuten, erfährst du hier.

Bei der Bisexualität handelt es sich um eine sexuelle Orientierung, bei der man sich zum gleichen und zu anderen Geschlechtern hingezogen fühlen kann. Dabei müssen diese Gefühle nicht immer zur gleichen Zeit aufkommen und sind individuell stark ausgeprägt.

Auch unterscheidet Bisexualität nicht nur zwischen den binären Geschlechtern (Mann und Frau) – immerhin gibt es noch zahlreiche andere Geschlechter. Es werden bei dieser sexuellen Orientierung also beispielsweise auch non-binäre oder genderfluide Personen mitgedacht.

Bisexual Flag
Wusstest du, dass Bisexualität eine eigene Flagge hat? Der Mann auf diesem Bild hält sie in der Hand, wenn auch verkehrt herum. Credit: IMAGO/ Cavan Images

Bisexualität vs. Pansexualität

Neben der Bisexualität gibt es auch noch die Pansexualität, die häufig schwer abzugrenzen scheint, da sich beide Definitionen ähnlich lesen. Unter einer pansexuellen Person versteht man nämlich jemanden, der sich emotional und sexuell zu Menschen jeden Geschlechts hingezogen fühlt. Die Betonung liegt hier auf den Wörtchen jeden Geschlechts.

Denn der Unterschied von der Pan- zur Bisexualität wird häufig darin gezogen, dass für Pansexuelle das Geschlecht absolut irrelevant ist. Während Bisexuelle eine Trennung der Geschlechter vornehmen, in dem Sinne, dass sie beispielsweise zwischen Transpersonen, Intersexuelle usw. unterscheiden. Für Pansexuelle zählt vor allem die emotionale Komponente.

Wichtig zu erwähnen ist, dass sexuelle Orientierungen nicht als Stempel von außen aufgedrückt werden können und sollten. Die jeweilige Benennung kann nur jede:r für sich selbst tätigen. Und sie sollte von allen ausnahmslos akzeptiert werden. Schon gar nicht sollten sich Mythen rund um sexuelle Orientierungen etablieren…

Die absurdesten Mythen rund um die Bisexualität

Etwa ein bis zwei Prozent der Menschen bezeichnen sich als bisexuell. Dennoch wird diese sexuelle Orientierung häufig marginalisiert und als Orientierungsphase abgetan. Ohnehin ranken sich zahlreiche Mythen um das Thema der Bisexualität. Zeit, damit aufzuräumen…

Frauen Händchen halten
Bisexualität wird häufig nicht als sexuelle Orientierung ernst genommen, sondern als Phase abgetan. Mehr über diesen und andere Mythen… Credit: imago images/Addictive Stock

Mythos 1: Bisexualität zeigt Unentschlossenheit an

Wer sich für kein Geschlecht entscheiden kann, ist schlicht unentschlossen – so lautet zumindest der erste Mythos rund um die Bisexualität. Dabei ist es vielmehr so, dass Bisexuelle sich sehr wohl entschlossen haben. Und zwar dafür, ihrem Gefühl zu folgen und sich zum eigenen und zum anderen Geschlecht hingezogen zu fühlen.

Mythos 2: Bisexualität ist die Vorstufe der Homosexualität

Die Figur der Carrie Bradshaw gab einst in der Erfolgsserie Sex and The City folgenden Satz von sich: „Ich bin mir nicht mal sicher, ob Bisexualität überhaupt existiert. Ich denke, es handelt sich dabei eher um den schleichenden Übergang nach Gaytown.“ Mal davon abgesehen, dass die Serie nun ein paar Tage alt ist – dieser Satz ist mehr als überholt.

Dennoch wird dieser Mythos munter weitergetragen. So meinen manche, dass es sich bei der Bisexualität um ein sanftes Outing handeln würde. Wer sich nicht ganz outen möchte, würde demnach zunächst auf diese sexuelle Orientierung zurückgreifen.

Studien beweisen allerdings: Das ist Quatsch. Gerade mal acht Prozent der bisexuellen Frauen outen sich später beispielsweise als lesbisch. Bisexualität ist eine eigene sexuelle Orientierung, die keine Übergangs- oder Versuchsphase bedeutet. Personen, die sich mit dieser Orientierung labeln, tun dies bewusst und keiner hat das Recht, ihnen diese gefühlsmäßige Entscheidung abzusprechen.

Mythos 3: Bisexualität verlangt nach Erfahrungen mit verschiedenen Geschlechtern

Nur wer bereits Erfahrungen mit dem eigenen, dem anderen oder allgemein mit anderen Geschlechtern sammeln konnte, weiß sicher über seine Bisexualität Bescheid. Soweit der klischeebehaftete Mythos.

Dabei braucht es keine emotionalen und sexuellen Erfahrungen, um sich seiner sexuellen Orientierung sicher zu sein. Dass man beispielsweise heterosexuell ist, weiß man immerhin auch, ohne zuvor Sex gehabt zu haben.

Frau Flagge
Sexuelle Orientierungen sind keine Frage von Erfahrungen, sondern von Gefühlen. Credit: imago images/Addictive Stock

Mythos 4: Bisexuelle Personen sind sehr sexuell

Bisexualität bedeutet klischeehaft betrachtet, dass jeder Mensch zum:r potenziellen Geschlechtspartner:in werden könnte. Daher wird Bisexuellen häufig unterstellt, sie wären besonders sexuell und könnten nur schwerlich treu bleiben.

Das ist allerdings nicht nur falsch, sondern auch beleidigend. Heterosexuelle Frauen stehen zum Beispiel auch nicht auf alle Männer, die ihnen über den Weg laufen. Und Treue ist immer eine individuelle Frage, die in jeder Beziehung einzeln geklärt werden muss. Bisexuelle Personen sollten außerdem nie nur auf ihre Sexualität begrenzt werden.  

Mythos 5: In einer festen Beziehung ändert sich die sexuelle Orientierung

Der letzte absurde Mythos über Bisexualität besagt, dass Bisexuelle ihre sexuelle Orientierung in einer festen Beziehung ändern. Ist eine bisexuelle Frau nun mit einer Frau zusammen, muss sie ganz klar homosexuell sein, oder? Nein. Seine sexuelle Orientierung wählt man zwar frei, sie ändert sich jedoch nicht einfach, nur weil man in einer Beziehung ist. Die Frau aus dem Beispiel wird auch weiterhin bisexuell sein.

Bisexualität ist eine Frage der Empfindung

Die sexuelle Orientierung ist keine Frage von persönlichen Erfahrungen und momentanen Lebensumständen, sondern hängt von den eigenen Empfindungen ab. Ob man sich nun labelt, also ob man seine Sexualität und sein Geschlecht nun offenlegt oder nicht – niemand sollte das Recht haben, die sexuelle Orientierung eines anderen mittels absurder Mythen anzuzweifeln.

Auf eine Zukunft, die dem Schwarz-Weiß-Denken ein Ende setzt und Mythen als das versteht, was sie sind: ausgedachte Geschichten.

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