Die Bibel ist eines dieser Bücher, mit dem sich Feminist:innen am liebsten den Popo abwischen würden. Es gab nicht viele Heldinnen in den christlichen Erzählungen. Frauen sind in der Bibel eher Mangelware und wenn sie doch auftauchen, haben sie nicht viel zu sagen. Doch obwohl diese Vorurteile über die Bibel bestehen, soll es darin auch stellen geben, die weniger problematisch sind und sogar starke Frauen abbilden.

Wir wollen dennoch die Bibel auf Herz und Nieren prüfen und schauen, ob es hier und da doch ein paar Stellen gibt, die feministisch sind.

Welche waren die wichtigsten Frauen in der Bibel? Wir haben Eva, die irgendwie aus einer Rippe ihres Gemahls geknetet worden sein soll. Da ist die Mutter Maria, die ungewollt schwanger wurde und dann den Heiland aufpäppelte. Und da ist Maria-Magdalena, die je nach Erzählung entweder als Prostituierte ihre Brötchen verdiente, oder wahlweise als Ehefrau von Jesus in die Geschichte einging. Diese großen biblischen Frauen sind aber nicht die einzigen, die es in der Bibel gab. Wir werden uns im Folgenden auf andere Frauen beziehen.

Frauen in der Bibel: Diese 5 Sätze hätten wir nicht erwartet

Im Folgenden werden wir vor allem auf einen Teil der Bibel eingehen, der uns besonders feministisch vorkommen. Das ist das Hohelied. Hier werden Mann und Frau tatsächlich als einigermaßen gleichberechtigt angesehen. Im Hohelied geht es vorrangig um die Liebe zwischen Mann und Frau.

Bis heute nimmt das Hohelied in der Literatur und in der Kunst einen wichtigen Teil ein. Es wird immer wieder zitiert und Dichter:innen und Denker:innen berufen sich darauf.

Im Großen und Ganzen ist das Hohelied Salomons sehr erotisch aufgeladen. In jedem der hier dargebrachten Zitate merken wir, dass Liebe und Erotik in der Bibel nah beieinander sind.

Adam & Eva
Adam und Eva lebten das Life. Nackig. Foto: iStock, CSA Images /

Das Hohelied nachlesen kannst du hier.

1. Gleichberechtigung in der Ehe?

Mein Geliebter ist mein und ich bin sein.

Hohelied 2,16; vgl. 6,3; 7,11.

Das klingt ziemlich gleichberechtigt. Das Hohelied ist ein Teil der Bibel, der Männern und Frauen den Spaß und das Verlangen nach Sex nicht madig machen will. Ganz im Gegenteil: Er feiert Gleichberechtigung.

2. Unerfülltes Verlangen

Mein verschlossener Garten…

Hohelied 4,12

Ein verschlossener Garten? Was könnte damit gemeint sein? Tatsächlich spricht hier ein Mann mit seiner Angebeteten. Sie ist für ihn ein Paradies, ein Garten Eden, für den nur sie die Schlüssel besitzt. 

Klingt ganz so als dürfte die Frau entscheiden, wer hinein darf. Leicht geschmälert wird die Gleichberechtigung durch den Satz „Mein Geliebter komme in seinen Garten und esse von seinen köstlichen Früchten“ (Hohelied 4,16). Hier sei angemerkt, dass sie von SEINEM Garten und SEINEN Früchten spricht. Also so weit ist es dann doch noch nicht mit der Selbstbestimmung.

3. Sex macht Spaß

Esst, Freunde, trinkt, berauscht euch am Liebesgenuss!

Hohelied 5,1

Damit wird ganz klar gemacht, dass Sex Spaß machen soll. Und zwar allen. Ein gewaltiger Schritt in die richtige Richtung. Wenn wir daran denken, was die Frauen sich im 18ten und 19ten Jahrhundert antun mussten, sind wir in biblischen Zeiten schon sehr viel weiter mit der Gleichstellung. 

Warum Frauen sich im 18ten Jahrhundert beim Sex totstellen sollten, erfahrt ihr hier.

4. Frauen sind sexuelle Geschöpfe

Sie bekam Sehnsucht nach den Männern, deren Glied so groß wird wie das eines Esels und deren Samenerguss so mächtig ist wie der eines Hengstes. Sie wollte es wieder mit ihnen treiben.

Hesekiel 23,20

Dieses Zitat stammt nicht aus dem Hohelied, sondern aus dem Kapital von Hesekiel. Sex an sich wird in der Bibel immer mal wieder sehr eindringlich besprochen. Doch hier spricht der Verfasser von einer Frau und ihren weiblichen Gelüsten. Dass sich Hesekiel so sehr in die Frauen hineinzuversetzen versucht, sei ihm hoch angerechnet.

5. Jesus hat kein Geschlecht

In Christus ist nicht griechisch noch jüdisch, da ist nicht versklavt noch frei, da ist nicht männlich noch weiblich.

Galaterbrief 3,28

Dieses Zitat stammt aus dem Brief an die Galater. Hier heißt es, dass der Heiland Jesus Christus weder männlich noch weiblich gewesen ist. Dieses Bibelzitat zeigt, dass es auch zu biblischen Zeiten bereits Menschen gab, die das männliche Geschlecht nicht über das weibliche Geschlecht erheben wollten. Im biologischen Sinne war Jesus ein Mann, so zeigen es die vielen Bildnisse von ihm. Doch war er erhaben über die damals herrschenden Geschlechterrollen. Es war eben etwas Besonderes.

Der Sündenfall bei Adam und Eva war der erste Test der Götter.
Beim Sündenfall hatte Eva die Zügel in der Hand.(Photo: imago images/Everett Collection)

Wie weit der Feminismus heute bereits gekommen ist, erfahrt ihr hier.

Noch mehr über die früheren Zeiten?