Welche ist deine liebste Tradition zum Valentinstag? Das gemütliche Frühstück mit deiner angebeteten Person? Oder das romantische Dinner am Abend? Eine Studie aus dem Jahr 2018 zeigte, dass die meisten Verliebten sich auf hübsche Geschenke freuen. Traditionsgemäß geben 25 % der Deutschen am 14. Februar gut 50 Euro für ihre:n Partner:in aus. Die Studie zeigte auch, dass vor allem junge Männer diese Tradition zum Valentinstag erfüllen.

Die Geschichte des Valentinstages ist sehr viel tiefergehend, als die meisten von uns denken. Heute ist der Valentinstag als ein kommerzieller Tag verschrien, der dem Konsum frönt und zum Geldausgeben lockt. Doch es gab auch eine Zeit des Valentinstages, die sich vor Lingerie und Schokopralinen abspielte. Schon zu Zeiten des Mittelalters gab es spannende und teilweise absurde Sitten und Bräuche unter den Liebenden.

Wir haben mit dem Geschichtsprofessor Wolfgang Wagner von der Uni Münster über den Valentinstag und seine lange Geschichte gesprochen. Er erklärte uns, dass dieser Tag bereits seit langer Zeit viel Aufmerksamkeit bekommt und bis in das Mittelalter zurückdatiert werden kann. „In vielen Städten Mittelitaliens wurde der heilige Valentin schon im Altertum verehrt. Im Mittelalter zählte er zu den volkstümlichsten Heiligen der Kirche – vergleichbar mit Nikolaus und Martin.“, so Wagner.

Das Los: Der katholische Brauch am Valentinstag

Heute ist die Wahl des Valentins-Dates in Europa jeder Person selbst überlassen. In der Geschichte des Valentinstages war das anders: Die katholische Kirche hat per Losverfahren entschieden, welche Personen innerhalb einer Gemeinde „füreinander bestimmt“ waren.

Wolfgang Wagner erklärt, dass es für Paare im späten Mittelalter (ab dem 13. Jahrhundert) ganz normal war, ihre:n Partner:in auszulosen. Am 14. Februar kamen die Heiratswilligen zusammen und zogen Zettelchen mit ihren Namen darauf. „Nach dem gegenseitigen Austausch von Geschenken, blieben sie ein Jahr verlobt, ehe sie heiraten durften.“, so Wagner.

Valentinstag: Früher nur als „Scherz“ angesehen

Es finden sich viele Hinweise darauf, dass nicht nur im christlichen Italien Verliebte durch ein Losverfahren bestimmt wurden. Im Brockhaus aus dem Jahr 1957 heißt es, dass auch in England, Belgien, Nordfrankreich und auch in Nordamerika Paare als „Valentin und Valentine“ bestimmt wurden, die das Jahr über in einem „scherzhaften Liebesverhältnis“ zueinander standen.

Früher nannte man das balzen. Was ist balzen heute? Heute kennt man das Balzen vor allem im Reich der Tiere. Der „Balztanz“ ist der Paarungstanz der Tiere. Dieses Verhalten ist vor allem bei Fischen und Vögeln zu beobachten.

Aber auch schon zu Zeiten der alten Römer haben sich Paare durch ein Losverfahren gefunden. Das Magazin GEOlino nannte dies eine Art Liebes-Lotterie.

Wie funktionierte der Brauch des Losens?

Heute sind zu der Geschichte des Valentinstages noch einige schriftliche Überbleibsel aus den alten Zeiten zu lesen. Diesen kann man entnehmen, dass das Losen in England seit dem 15. Jahrhundert bereits Brauch war. Im 19. Jahrhundert begannen die Menschen dann damit, sich gegenseitig Liebesbriefe zu schreiben. Diese wurden als dekorierte Karten verschickt und ähnelten vermutlich den heutigen Valentinskarten.

Zu den Valentinsbräuchen in England gehörte aber wohl auch immer eine Art Schauspiel, das sich zwischen den jungen Valentines, einem Jungen und einem Mädchen, abspielte. Sie wurden durch Losung zum Liebespaar bestimmt und spielten dann tatsächlich die Liebenden, bis sie zum Traualtar gebracht wurden.

Die Sitte kann bis in das Mittelalter zurückverfolgt werden, wo sie ein beliebtes Thema von Liebesliedern ist. Jetzt sind nur die Valentinsbriefe übrig, so Professor Wagner.

Frauen ins Ohr flüstern retro vintage
Irische Frauen hatten am Valentinstag einen besonderen Status. Foto: istock/clu /

Valentinstag Geschichte: Irland machte die Frauen zu Herrinnen

Im Irland des 17. Jahrhunderts gab es einen, heute absurd klingenden, Brauch zum Valentinstag: Auch hier wurden die „Liebenden“ durch Lose ausgewählt. Wolfgang Wagner zitiert die Schrift, die „Spicilegium Ossoriense“ genannt wird. Es ist eine Sammlung alter Briefe aus der irischen Kirche:

Die Jungen der Stadt Cork losten ihre Partnerinnen für den Valentinstag aus. Diese waren fortan ihre Herrinnen und sie mussten allem gehorchen, was die Mädchen ihnen diktierten. Der Junge war dazu angehalten, das Mädchen das ganze Jahr über zu begleiten und zu tun, was sie wünschte.

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