Okinawa, auch bekannt als “die Insel der Hundertjährigen”, befindet sich im Südwesten Japans, rund 1.500 km von Tokio entfernt. Okinawa gilt als die Region mit der weltweit höchsten Lebenserwartung.

In diesem „Archipel der Alten“ liegt die durchschnittliche Lebenserwartung bei 86 Jahren für Frauen und 78 Jahren für Männer. Nirgendwo sonst findet man so viele Hundertjährige. Was ist das Geheimnis der japanischen Lebenserwartung?

Lebenserwartung in Japan: Das Archipel der Alten

In Ōgimi, die Hauptinsel Okinawas, sind 30 % der Einwohner über 65 Jahre alt, was höher ist als im übrigen Japan. Die Wissenschaftler sind sich darüber einig, dass der Einfluss der Ernährung in Okinawa auf die lange und gute Gesundheit der Einwohner zurückzuführen sein könnte.

Bevor wir das Geheimnis der Japaner verraten, sollte man sich fragen, was überhaupt die Lebensdauer und Gesundheit prägt. Auch die Genetik und der Lebensstil haben nämlich großen Einfluss auf unsere Lebenserwartung.

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Die Ernährungsweise der Japaner trägt zu ihrer hohen Lebenserwartung bei.(Photo: unsplash | @roppongi)

1. Die japanische Ernährung

Statistisch ist Japan das Land mit der höchsten Lebenserwartung. Die Wirkungen ihrer Ernährungsweise lassen sich in den Statistiken erkennen. Im Jahr 2015 waren nur 3,7 % der Japaner von Fettleibigkeit betroffen. In den USA war es 38,2 % der Bevölkerung. 

Im Jahr 2019, waren nur 5,6 % der Japaner zwischen 20- und 79-Jährigen von Diabetes betroffen, während es 10,8 % in den USA waren. 

Japan zählt nur 100.000 Herzinfarkte pro Jahr bei einer Gesamtbevölkerung von 126,5 Millionen, also 0,08 % der Japaner. In den Vereinigten Staaten sterben daran jährlich etwa 780.000 Menschen (0,24 % der U.S. Amerikaner), in Deutschland sind es rund 340.000 (0,41 % der Deutschen). 

Wie die Essgewohnheiten in Japan aussehen und was wir von den Japanern über Lebensmittel lernen können, verraten wir dir hier.

2. Körperliche Aktivität 

Auch wenn die Japaner als Workaholics verschrien sind: Sport spielt eine signifikante Rolle im sozialen und kulturellen Leben der Japaner. Neben traditionellen Sportarten, die tief in der japanischen Kultur verwurzelt sind, immer noch sehr beliebt sind, werden moderne Sportarten immer attraktiver. Das schraubt die Lebenserwartung der Japaner nach oben.

Prominent im zeitgenössischen Japan sind Sportarten, die aus dem Westen eingeführt wurden wie der Baseball (野球 Yakyū), der Fussball (サッカー Sakkā), das Rugby (ラグビー Ragubī).

Kindern Spaß am Sport lehren

Die Japaner werden schon im frühen Alter zum Sport gebracht. Die sportliche Bildung beginnt in der Grundschule mit mehreren Stunden pro Woche, sowohl praktische als auch theoretische. 

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Während der Rugby-Weltmeisterschaft spielen japanische Kinder Rugby in Tokio.(Photo: imago images/Kyodo News)

Schwimmen im Sommer sowie Fußball, Baseball, Volleyball und Rugby gehören zu den häufigsten Formen der körperlichen Aktivitäten in der Schule. Sporttage und Turniere finden regelmäßig das ganze Jahr über statt. 

Viele Kinder schließen sich auch Sportmannschaften außerhalb der Schule an und machen den Sport zu einem integralen Bestandteil ihres Lebens mit Übungen vor oder nach der Schule.

Nach der Statistiken haben 68,8 % der Japaner im Jahr 2016 angegeben, dass sie im Alltag Sport treiben.

In 2019 haben 45,5 % der japanischen Kinder zwischen 4 und 11 Jahre bestätigt, dass sie wenigsten 7 Mal in der Woche an sportlichen Aktivitäten teilnahmen. Von diesen Zahlen ist Deutschland noch lange entfernt.

3. Entspannung & psychische Gesundheit 

Stress wirkt auf lange und kurze Sicht auf unseren Schlaf und auf unsere Stimmung aus. Chronischer Stress kann sich als sehr schädlich erweisen. Stress kann daher für die sinkende Lebenserwartung verantwortlich sein, denn die Psyche spielt eine existenzielle Rolle bei der Gesundheit.

Im Alltag sollte ein akzeptables Stressniveau nicht überschritten werden, um der japanischen Lebenserwartung gerecht zu werden.

Japan ist berüchtigt für viele Überstunden, schlechte Bezahlung und unzureichenden Urlaub. Trotz dessen darf nicht vergessen werden, dass Japan traditionsgemäß viele Entspannungsmethoden und einen starken Gemeinschaftssinn kultiviert

Stressabbau funktioniert am besten, wenn du dich an diese Tipps hältst. 

4. Starker Gemeinschaftssinn

Die japanische Gesellschaft ist durch starken Gemeinschaftssinn gekennzeichnet. Das Interesse der Gruppe steht im Vordergrund. Das Individuum steht dahinter.

Zusammenhalt, soziale Bindungen und Beziehungen spielen eine wichtige Rolle für die psychische Gesundheit. Freund*innen dürfen bei niemandem im Leben fehlen.

Studien zufolge weist eine Gesellschaft mit starkem Kollektivismus zahlreiche Vorteile auf:

  • Soziale Interaktionen vermitteln ein Gefühl von Sicherheit und helfen dabei, Stress abzubauen und das Wohlbefinden zu steigern.
  • Andere sind der starke Zusammenhalt, und die Zusammenarbeit.
  • Laut der MHA (Mental Health America), fördere ein starker Gemeinsinn eine bessere Gesundheit. Einsamkeit erhöht die Chancen, für ältere Personen von Hochblutdruck betroffen zu sein.
  • Längere Lebensdauer. Laut MHA, haben Menschen mit starken sozialen Bindungen dreimal weniger Chancen zu früh zu sterben. Das ergab eine 9 Jahre lange Studie.

5. Japanische Traditionen 

Die Japaner haben Freizeitbeschäftigungen erfunden, die wir als alte Traditionen und Lebensarten kennen. Sehr bekannt sind das Origami oder die Zen-Gärten, die durch die Ästhetik des Buddhismus stark beeinflusst sind. Dazu sind auch Kalligrafie (Shodō 書道) und die japanische Teezeremonie (Sadō oder Chadō 茶道) zu ergänzen.

Eine weitere Tradition der Japaner: Shibari-Bondage, die Kunst der Fesselspiele.

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Traditioneller Zen Garten in Shinjuku-ku Japan.(Photo: unsplash / @terminath0r)

Weiterhin spielt die Badekultur in dem japanischen Alltag eine gewisse Rolle. Öffentliche Bäder in Japan sind bis heute als Zentren sozialer Aktivität angesehen. Ein Bad in den Onsen oder in den Sentō (japanische heiße Quellen) zu nehmen, bedeutet für Japaner mehr als nur den Körper zu reinigen. Das ist Wellness für die Seele.

Ein Teil der Traditionen widmet sich voll und ganz dem Wohlbefinden der Japaner wie die japanische Meditation oder traditionelle Massagemethoden wie die Shiatsutherapie. 

Seit Langem motivieren also die Japaner Geist und Seele durch das Ausüben von kreativen Aktivitäten und alten Traditionen.

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Hohe japanische Lebenserwartung: die Japaner entspannen sich in den Onsen und bauen den Stress des Alltags ab.(Photo: imago stock&people)

6. Religion im Alltag 

Shintōismus und Buddhismus sind die Hauptreligionen in Japan. Das moderne Alltagsleben der Japaner wird sowohl durch die shintōistischen Ritualen als auch durch die buddhistischen Rituale bestimmt, da die Mehrzahl der Japaner sich zu beiden Religionen bekennen.

Es gibt allerdings einen Unterschied zwischen dem Buddhismus und dem japanischen Zen-Buddhismus. Obwohl japanweit verschiedene buddhistische Sekten bestehen, ist der Zen-Buddhismus seit seiner Einführung in dem 12. Jahrhundert dominierend. Grundsätzlich schlägt Buddhismus seine Wurzel in Indien, aber hat sich im Laufe des 6.Jahrhunderts in Asien verbreitet. 

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Japaner sorgen für ihre Gesundheit und erhöhen ihre Lebenserwartung durch das Ausüben von religiösen Ritualen.(Photo: imago images/imagebroker)

Worin sich Buddhismus und Zen-Buddhismus unterscheiden lassen, liegt an dem starken Fokus auf Meditation im Zen Buddhismus. Die Übersetzung von Zen auf japanisch ist wörtlich Meditation. Wichtig es ist dem Zen-Buddhismus, dass Menschen ihre Bewusstsein stetig entwickeln, um Erleuchtung zu erreichen. 

Die Japaner finden also überraschend auch durch das Ausüben von religiösen Ritualen, ein Mittel zum Stressabbau und zum psychischen Wohlbefinden

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