Fashion

Wird die Fast Fashion-Industrie sich 2020 wirklich bessern?

Die großen Marken wehren sich gegen den Vorwurf der Fast Fashion: Sie wollen etwas ändern. Ist das nur Augenwischerei, oder ist da tatsächlich etwas dran?

Frau mit gelbem Mantel
Die Fast Fashion Industrie soll laut vieler Markenfirmen 2020 abgeschafft werden. Aber was ist da dran? (Credit: Pexels)

Selbst die Vogue springt jetzt auf den Zug auf: Nachhaltigkeit ist Key, Fast Fashion ist out. Doch ist das alles Schall und Rauch oder ist tatsächlich etwas dran an den edlen Vorhaben?

Fast Fashion hat unterschiedliche Auswirkungen

Fast Fashion ist der Inbegriff des Bösen. Ausbeutung im globalen Süden, unwürdige Arbeitsbedingungen und Ressourcenknappheit sind nur einige des Schreckens der Fast Fashion Industrie. 

Bei uns im globalen Norden haben wir es mit ähnlich verheerenden Problemen zutun: Die Primark-Klamotten laufen spätestens nach der zweiten Wäsche ein und im Winter stehen uns wegen des vielen Plastiks in unserer Kleidung die Haare zu Berge. 

Aber Sarkasmus beiseite: Die meisten großen Hersteller von Modemarken predigen Nachhaltigkeit, Nachhaltigkeit, Nachhaltigkeit.Und tatsächlich gibt es grandiose Beispiele für echte Veränderungen in den Köpfen und in den Herzen der Hersteller und Modeschöpfer.

Die italienische Vogue setzt in der neuen Ausgabe auf Zeichnungen statt Fotoshootings - des Klimas zuliebe.

En vogue: Nachhaltigkeit in der Modezeitung

Die italienische Vogue brachte im Januar 2020 beispielsweise eine Ausgabe heraus, bei der komplett auf Fotografien verzichtet wurde. Was es für die Umwelt bedeutet, wenn statt Fotoshootings ausschließlich handgemalte Illustrationen die Seiten zieren?

Die Vogue-Redaktion zählt 20 gesparte Flüge, 12 Zugfahrten, 40 Autos in Bereitschaft und 60 internationale Lieferungen. All das konnte gespart werden, indem die gesamte Zeitschrift von Künstlern illustriert wurde.

Fast Fashion ist der Todfeind der Umwelt

Noch immer ist die Modeinsdustrie, nach der Ölindustrie, der zweitgößte Umweltverschmutzer und Ressourcenverschwender der Welt. Weltweit werden jährlich gut 80 Milliarden Kleidungsstücke hergestellt – bei gerade einmal 7 Milliarden Menschen ist bereits eine Überproduktion, die fast nicht in Worte zu fassen ist. 

Jeder Deutsche hat gut 95 Kleidungsstücke im Schrank. Von denen werden durchschnittlich nicht einmal zwei Drittel getragen. Und trotzdem kaufen wir immer neues Zeug, um es in irgendwelchen Ecken verschwinden zu lassen. (Hier erfährst du, ob du vielleicht sogar shoppingsüchtig bis.)

Um so viele Kleider für so wenige Menschen herzustellen, muss natürlich an den Kosten gespart werden: Da wird an den Lohnkosten geschraubt, Arbeitsbedingungen brach liegen gelasse und natürlich Materialien aus Plastik und anderen schädlichen Mitteln verwendet.

H&M-Tüte
Gerade bei H&M wird viel Wert darauf gelegt, das eigene Image aufzupeppen.

Fast Fashion – Wie schnell muss es eigentlich gehen?

Fast Fashion ist ein riesiger Begriff, der nicht so richtig fassbar ist. Bei Modemarken wie H&M, Zara und Co. reichen heutzutage keine saisonalen Kollektionen mehr aus, um dem Konsumwahn der Kunden nachzukommen. Stattdessen gibt es wöchentliche Neuheiten und Trends, die wiederum nach wenigen Tagen zum alten Eisen gehören und Platz machen für neue Wegschmeißmode.

Fast Fashion 2020Entwicklungen in die richtige Richtung?

Nachhaltige Designer wie Bethany Williams und Christoph Rumpf räumen Modepreise ab, H&M spendet für den Amazonas und Adidas macht Schuhe aus Ozeanmüll. Ist das nur greenwashing oder steckt tatsächlich etwas dahinter? 

Fakt ist, dass der CO2-Ausstoß der Modeindustrie noch immer um einiges höher ist als der aller internationaler Flüge und Kreuzfahrtschiffe zusammen. Fakt ist, dass die Kaufhäuser und Markenläden der Innenstädte noch immer jeden Tag mit neuer Ware beliefert werden und gerade am verhassten Black Friday aus allen Nähten platzen. Und Fakt ist, dass ein Umdenken der Modeindustrie den Verlust von Milliarden von Euros beinhalten würde. 

Vintage-Look Frau
Der Vintage-Look ist bereits wieder voll im Trend. Second Hand zu shoppen ist eine Möglichkeit der Fast Fashion aus dem Weg zu gehen.

Der einzige Ausweg aus der Fast Fashion?

Es ist nicht einfach, sich mit dem Gedanken vertraut zu machen: Weniger zu kaufen ist tatsächlich der einzige Weg, um der Fast Fashion-Industrie ein Schnippchen zu schlagen. Anstatt sich bei Primark die neuesten Plastik-Ballerinas zu kaufen, sollten wir lieber auf Flohmärkte gehen oder Kleidertauschpartys organisieren, beides Bewegungen aus der Slow Fashion

Wenn du dir noch nicht sicher bist, warum du das überhaupt tun solltest, haben wir hier die krassesten Klimawandel-Fakten für dich gesammelt.