Du streamst gerade deine Lieblingsserie, nebenher schreibst du mit einem:r Freund:in per Messenger am Smartphone. Zwischendurch googlest du, wann eigentlich die neue Staffel rauskommt. Schon wieder eine Folge vorbei. Wie war das jetzt gerade ausgegangen? Wenn dir diese Situation bekannt vorkommt, hat dich der Second Screen voll im Griff. Warum das Medienmultitasking dein Gehirn überfordert und dich sogar krank machen kann, erfährst du hier.

Second Screen: Warum uns ein Bildschirm nicht mehr reicht

Am Smartphone oder Tablet zu scrollen, während der Fernseher oder Laptop läuft, ist für die meisten von uns eine Selbstverständlichkeit. Laut dem Media Active Guide nutzen etwa 80 Prozent der 14- bis 49-Jährigen regelmäßig einen Second Screen.

Sich voll und ganz auf eine Sache zu konzentrieren, fällt schwer. Das Gefühl, Zeit zu vergeuden oder irgendwas zu verpassen, macht es fast unmöglich, sich auf nur einen einzigen Bildschirm zu konzentrieren. Schließlich sind News, Informationen und soziale Kontakte immer nur einen Klick weit entfernt.

Doch der Second Screen, also die Nutzung mehrerer Medien gleichzeitig, hat auch Nachteile – mal ganz abgesehen davon, dass es super nervig ist, ständig abgelenkt zu sein. Zu zweit einen Film schauen, während der oder die andere permanent aufs Handy starrt, macht auch nur bedingt Spaß.

frau mit handy und Laptop
Digitales aufräumen muss gelernt sein. Foto: Pexels / Antonius Ferret

Studie zeigt, wie Second Screen unserem Gehirn schadet

Forscher:innen der University of Stanford haben untersucht, wie sich das Medienmultitasking auf unsere Gedächtnisleistung und unsere Konzentrationsfähigkeit auswirkt. Dafür absolvierten insgesamt 80 Proband:innen im Alter zwischen 18 und 26 Jahren verschiedene Gedächtnisübungen, während ihre Hirnströme und Pupillenbewegungen über ein EEG gemessen wurde.

So wurden den Studienteilnehmer:innen z. B. Fotos von Gegenständen auf einem Bildschirm gezeigt. Nach 10 Minuten Pause wurden ihnen die Objekte erneut gezeigt und sie mussten angeben, ob sie die Sachen schon einmal gesehen hatten und ob sich etwas an den Bildern verändert hatte. Das EEG gab währenddessen Aufschluss über die Körperreaktionen: Verengten sich die Pupillen und wurde im hinteren Bereich des Schädels eine Aktivität festgestellt, so war das ein Anzeichen dafür, dass sich die Person nur schwer konzentrieren konnte, ihre Gedanken abschweiften und sie leicht ablenkbar war.

Frau guckt TV und schaut auf Smartphone
Für die meisten von uns ist die Nutzung eines Second Screens inzwischen völlig normal. Foto: IMAGO / MASKOT

Schlechteres Gedächtnis und geringere Konzentration

Schließlich wurden die Proband:innen ausführlich nach ihrer Mediennutzung befragt, z. B. ob sie Nachrichten schrieben, während im Hintergrund der Fernseher lief.

Das Ergebnis: Second Screen führte bei den Nutzer:innen zu einer kürzeren Aufmerksamkeitsspanne und ließ sie die gesehenen Gegenstände deutlich schneller vergessen. Das Medienmultitasking verschlechtert somit höchstwahrscheinlich die Erinnerungsfähigkeit und sorgt für Konzentrationsprobleme.

Noch dazu verlieren wir die Fähigkeit, uns dauerhaft auf nur eine Sache zu konzentrieren. Das kann vor allem im zwischenmenschlichen Bereich ganz schön schwierig werden, wenn wir beispielsweise Probleme haben, Gesprächen zu folgen oder uns an Gesagtes zu erinnern.

Fazit: Öfter mal das Smartphone weglegen

Um deinem Gehirn eine Pause zu gönnen, solltest du dich öfter auf einen Bildschirm beschränken. Second Screen mag sich normal anfühlen und Spaß machen, doch deinem Gehirn verlangt es Höchstleistung ab. Denn tatsächlich sind wir nicht für Multitasking gemacht.

Außerdem kann es eine schöne Erfahrung sein, sich mal ganz ohne Ablenkung einen Film anzusehen. Es wird dich zunächst vielleicht etwas Überwindung kosten, das Handy wegzulegen. Am Ende wirst du aber merken, dass es viel mehr Spaß macht, sich völlig einer Sache hinzugeben und einfach loszulassen. Nachrichten lesen kannst du auch später noch.

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