Weiß, weißer, Deutscher Comedypreis. Die Diskussionen, Proteste und das Aufmerksam machen auf Ungerechtigkeiten in unserem “ach so fortgeschrittenen Land” hat anscheinend einiges gebracht. (lol)

Der Deutsche Comedypreis stellte für viele Komiker*innen eine Chance dar, die Diversität der deutschen Comedywelt zu zeigen. Immerhin ist es ein Zuschauerpreis. Die Komiker*innen mit der treuesten Community gewinnen.

Der Deutsche Comedypreis hat seine Chance verpatzt

Doch es geht den meisten gar nicht unbedingt ums Gewinnen. Es geht darum zu zeigen, was es für bunte, diverse und famose Witzeerzähler*innen und Situationskomiker*innen gibt. Tja, das war wohl nichts. Denn von 26 Nominierten in den verschiedenen Kategorien des Deutschen Comedypreises sind AUSSCHLIESSLICH Weiße nominiert.

Huch.

Dabei war der Ansatz des diesjährigen Deutschen Comedypreises irgendwie ganz cool. Aufgrund des derzeitigen Shifts zur Online-Audio wurde sogar eine neue Rubrik eingeführt: Der beste Comedy Podcast. Das Problem dabei: Für diesen sind drei Podcasts nominiert, die aus weißen Männern bestehen.

Fest & Flauschig, Gemischtes Hack, Baywatch Berlin. Man, Leute. Das ist doch peinlich.

Felix Lobrecht
Gemischtes Hack, Fest&Flauschig und Baywatch Berlin sind die einzien Nominierten.

Versteht mich nicht falsch: Diese drei Podcasts machen fantastischen Content. Doch in Hinblick auf die diesjährige Blacklivesmatter-Debatte und die vielen öffentlichen Diskussionen um die Diskriminierung von Frauen ist das vielleicht nicht der schlaueste Weg.

In den sozialen Medien wird ordentlich Dampf abgelassen. Manche deutschen Comedy-Queens haben sich vielleicht schon auf der Nominiertenliste gesehen und müssen nun die bittere Pille schlucken, dass das wohl in den nächsten Jahren nichts wird.

Muss man auch erstmal schaffen: In der Comedypreis Kategorie Podcast sind mehr Thomas Schmidts nominiert als Frauen. Wer jetzt mit Schmitt/Schmidt’ Replies kommt, kriegt aufe Schnautz.

– @schwesterewald (Guilia Becker)

Antworten auf diese fantastische Beobachtung klangen so oder ähnlich: „Dabei sind es streng genommen nicht nur mehr Thomas Schmidts, sondern auch mehr Klaas Heufer Umlaufs. DAS muss man erstmal hinkriegen.“

@ariana_baborie ist nur ein Beispiel für guten deutschen Frauenhumor.

Frauen sind halt nicht witzig

Es ist schon ein paar Monate her, dass der Programmchef der ARD Volker Herres sich über die Frauen in der Medienbranche mit seiner vollen Kompetenz ausließ. Er beklagte das Fehlen von Frauen in der deutschen Fernsehlandschaft, sagte aber im gleichen Atemzug folgendes: 

„Wüssten Sie jemanden? Mir fällt derzeit kein Pendant etwa zu Kai Pflaume ein, der mit seiner Empathie und Zugewandtheit so große Mehrheiten für sich begeistert Falls wir also jemand übersehen haben, darf man sich gern bei uns melden.“

Seiner Meinung nach liegt das Fehlen von Frauen an der Showfront also nicht an Diskriminierung. Also an was dann? Daran, dass Frauen wohl einfach schlechter sind im Witze erzählen.

Worum geht es beim Deutschen Comedypreis eigentlich?

Offensichtlich hat der Deutsche Comedypreis keine Agenda, die die Comedywelt zu einem diverseren Ort machen soll oder Künstler zu ehren, die sich etwas Neues trauen. Denn sonst – mal ganz kurz Hand aufs Herz – wären Oliver Pocher und Ralf Schmitz nicht in der Kategorie „Beste Moderatoren“ nominiert. Das grenzt doch schon an Verarsche.

Was lernen wir aus dem Deutschen Comedy Preis? Leider nicht besonders viel. Denn die deutsche Comedy- und Podcastwelt wird derzeit von weißen Männern dominiert und organisiert. 

Witzig ist, dass eine der wenigen nominierten Frauen Katrin Bauerfeind mit der Serie „Frau Jordan stellt gleich“ ist. Vielleicht hätten sich die Macher des Preises einfach mal die Serie anschauen sollen. Darin geht es nämlich (wie der Nahme schon sagt) um Gleichstellung.

Wie und warum Frauen nicht nur in der Comedywelt, sondern auch in den meisten anderen Berufen weniger Mitsprache haben und weniger verdienen, erfährst du hier.