In der Weihnachtszeit kommt man aus kuscheligen Tradition und fragwürdigen Bräuchen nicht heraus. Wir schmücken Tannenbäume, singen Lieder, stellen Stiefel vor die Tür, hängen Socken an Kamine und so weiter und sofort… Doch wenn wir aus der gröbsten Weihnachtszeit heraussind, fallen wir plötzlich in ein Traditionsloch. Bis Silvester um die Ecke kommt, haben viele keine Ahnung, welche Traditionen die Deutschen ursprünglich hatten. Welche Traditionen „zwischen den Jahren“ üblich waren, erfährst du hier.

Die Traditionen „zwischen den Jahren“

“Zwischen den Jahren” ist eigentlich ein komischer Ausdruck. Denn eigentlich beginnt ja das neue Jahr in der Sekunde, in der das alte Jahr endet. Oder doch nicht? 

Der Ausdruck “zwischen den Jahren” wird traditionell verwendet. Nicht immer war klar, dass das neue Jahr am 01.01. eingeläutet wird. Der Zeitraum “zwischen den Jahren” zog sich bis zum 06.01. hin. Das waren die sogenannten Rauhnächte, die kirchliche Weihnachtszeit. 

Die Zeit zwischen den Jahren ist dazu da, das Jahr Revue passieren zu lassen, Ruhe zu finden und nachdenken zu können. Man hat Zeit für all die Dinge, die innerhalb des Jahres oft auf der Strecke bleiben. Auch ein Blick in die Zukunft ist erlaubt. Gute Vorsätze für das neue Jahr zu formulieren gehört genauso dazu wie alten hinterherzutrauern.

Was bedeutet Der Begriff “Rauhnächte”?

Der Begriff „Rauhnächte“ kommt von rauh (wild), von Rauch oder Räuchern („Rauchnächte“). Ursprünglich wurde das von dem Wort rûch abgeleitet, im Mittelhochdeutschen haarig und pelzig bedeutet. Haarig und pelzig waren die Dämonen, die zu dieser Zeit ihr Unwesen treiben. Die Dämonen der Rauhnächte haben Wurzeln im Keltischen genauso wie im Germanischen.

Die Kelten hatten nämlich das Sonnenjahr mit 365 Tagen, während die Germanen das Mondjahr mit 354 Tage hatten. Die Differenz waren 11 Schalttage (und damit 12 Nächte), die eigentlich nicht existierten. In dieser Zeit hatte man besonders gute Sicht auf die Toten, die sich in normalen Tagen natürlich nicht an die Öffentlichkeit trauten.

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Traditionen: Dafür stehen die Tage zwischen den Jahren

Am Sonntag nach dem heiligen Abend (wann auch immer das sein mag) fand früher im Rathaus der Gemeinde eine Feier zur Beendigung von Streitigkeiten und Feindschaften statt. Das sollte es vielleicht heute noch geben. So viel Familienstreitigkeiten wie es an Weihnachten gibt.

26. Dezember, der zweite Weihnachtstag

Tag des Märtyrers Stephanus. Unter den sieben Diakonen der Jerusalemer Gemeinde (vgl. Apg 6, 5) spielte Stephanus war kraftvoll und begnadet, wurde aber zum Tod durch Steinigung verurteilt (Apg 6, 8–10; 7, 54–60). 

Am Gedenktag war es früher Gang und Gäbe, Weiß- und Rotweinweihen einzuführen. Fühle dich also bloß nicht schlecht, wenn du dir am zweiten Weihnachtstag zu viel Wein hinter die Binde geschüttet hast.

27. Dezember: Tag des Apostels Johannes (Jesu Lieblingsjünger) 

Die Legende von Johannes besagt, dass er folgenlos einen Weinkelch mit Gift darin geleert habe. Logischerweise wird an diesem Tag also auch in Johannes Gedenken Wein getrunken. Traditionell lässt man ihn aber zunächst in der Kirche weihen. 

Außerdem ist der 27te Dezember auch der Tag, an dem sich Eheleute gegenseitig erneut versprechen. Traditionell lädt der Mann die Frau an diesem Tag zum Essen ins Restaurant ein. Sie zahlt jedoch den Wein, der getrunken wird. Somit verpflichten die beiden sich gegenseitig für das kommende Jahr.

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28. Dezember: Tag der Kinder 

Im Mittelalter spielten die Kinder an diesem Tag den “verkehrte Welt” Tag. Sie durften an diesem Tag den Erwachsenen ihre Meinung sagen, wenn auch nur in Reimform. Wenn man sich mal überlegt wie schlecht Kinder im Mittelalter im Vergleich zu heute behandelt wurden, ist das schon recht fortschrittlich.

31. Dezember: Silvestertag

Wir kennen sicher alle die gängigen Bräuche der Silvesternacht. Auf das Böllern und so weiter wollen wir gar nicht erst eingehen. Interessant ist aber auch das Silvesteressen. Traditionell wurde es nur im engsten Familien- und Freundeskreis gefeiert: einem geschlossenen magischen Kreis, in welchem kein Dämon Platz hat.

Das Essen, was auf den Tisch kam, war immer Erbsensuppe. Das hatte vor allem den Grund, dass die zahlreichen Erbsen das im neuen Jahr wartende Geld und den Wohlstand stehen sollte. Auch Fisch ist ein typisches Neujahrsessen, denn Fisch steht für Fruchtbarkeit, Fülle und Vermehrung. 

Frau Wunderkerze
Dieses Jahr werden viele Silvester alleine verbringen. Das ist allerdings kein Grund für Traurigkeit oder Langeweile. (Photo: Getty Images/ Nisian Hughes)

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