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12 Gerichte aus der DDR, die man heute nicht mehr essen würde

Die Esskultur der DDR unterschied sich grundlegend zu dem, was wir heute essen würden. Wir zeigen, welche Gerichte heute wenig bekannt sind.

essen in der DDR
Essen in der DDR: Wir lecker war es eigentlich? Foto: IMAGO IMAGES / Kai Bienert

Die Teilung Deutschlands in die DDR und BRD hielt bis 1989 an, insgesamt gab es sie also gut 50 Jahre lang. Verwunderlich ist es daher nicht, dass diese Teilung auch verschiedene Esskulturen in West- und Ostdeutschland hervorbrachte.

Aufgrund des sozialistischen Staates hatte die DDR viel weniger Lebensmittelauswahl, was sich auch in den DDR-Gerichten zeigte. Man wurde kreativ und erfinderisch, wenn es um bestimmte Leckereien ging. Besonders für die junge Generation (die Gen Z) ist es daher besonders spannend zu sehen, welche Gerichte aus der DDR es bis in die heutige Esskultur geschafft haben – und welche nicht mehr geläufig sind. Wir zeigen dir, welche DDR-Gerichte damals beliebt waren und heute größtenteils in Vergessenheit geraten sind oder aus anderen Gründen nicht mehr so häufig auf dem Tisch landen.

Triggerwarnung: In diesem Artikel sprechen wir aus der Perspektive der Generation Z: Diese Generation kann sich nur sehr wenig mit der DDR identifizieren, denn sie ist weit nach der Wende geboren worden. Die Gen Z wuchs um die Jahrtausendwende auf, ab 1999. Logischerweise haben junge und ältere Generationen unterschiedliche Vorstellungen davon, was ihnen gut schmeckt und was nicht.

10 Gerichte aus der DDR

Traditionelle deutsche Gerichte gibt es noch immer in Gasthäusern oder bei den Großeltern. Verallgemeinert kann man sagen, dass viele dieser Gerichte heute nicht mehr so oft gegessen wie früher, weil viele Menschen sie nicht mehr kennen oder sich die Essgewohnheiten schlicht und einfach geändert haben. Aus diesem Grund haben uns einige Gerichte aus der DDR angeschaut.

1. Geflügelsalat Hawaii

Der Geflügelsalat Hawaii war vor allem ein Frühstücksgericht in der DDR. Er konnte auf einer Scheibe Brot gegessen, er wurde aber wahlweise auch einfach so gerne gelöffelt. Wie beinahe jede DDR-Spezialität in dieser Liste ist auch dieser Salat sehr fleischlastig. Für 6-8 Personen nutzt man gut 2-3 kg Geflügelfleisch. Neben Sahne und Mayonnaise befindet sich in diesem Salat auch noch eine Dose Ananas und wahlweise einige Apfelsinen. Das macht den Salat süß und herzhaft zugleich.

Warum die Gen Z diesen Salat heute nicht mehr so gerne isst, wie es noch in DDR-Zeiten der Fall war, hat zwei bestimmte Gründe. Zum einen ist ein großer Teil der jungen Generation darauf bedacht, sich vegetarisch zu ernähren. Außerdem wird dieses Gericht zwar Salat genannt, doch die Salate nach modernen Standards sehen größtenteils ganz anders aus. Frisches Gemüse und eine leichte Vinaigrette dominieren die Salate der heutigen Zeit. Der Hawaii-Geflügelsalat bedient diesen Geschmack nicht.

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Geflügelsalat in der DDR besteht aus Fleisch, Mayonnaise und Annans. Foto: IMAGO IMAGES / Margit Wild

2. Soleier

Bei Soleiern handelt es sich um in starker Kochsalzlösung eingelegte, hartgekochte Eier. Diese werden aufgrund der Konservierung in der Salzlösung ohne Kühlung lange haltbar und wurden damals in der DDR gerne als Zwischenmahlzeit verzehrt. Dafür schälte und halbierte man das Ei längs, nahm das Dotter heraus und gab in die entstandene Mulde Öl, Essig und Pfeffer, bevor das halbe Dotter umgekehrt wieder draufgesetzt wird. Dazu gab es dann noch Senf und das halbe Ei wurde mit einem Bissen verzehrt.

Heutzutage ist vielen Menschen bekannt, dass ein zu hoher Salzkonsum ungesund ist und das Risiko für Bluthochdruck steigern kann. Vor allem die Gen Z setzt sich in vielen Fällen mit ihrer Gesundheit auseinander und weiß, dass zu viel Salz einen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle oder Herzinfarkte bilden kann. Auch Nieren und Blutgefäße können unter einem zu hohen Salzkonsum leiden – der nun leider gegeben ist, wenn die Soleier im wahrsten Sinne des Wortes im Salz baden.

Soleier
Zu den Gerichten aus der DDR gehört auch die Zwischenmahlzeit der Soleier. Foto: IMAGO Images / imagebroker via canva

3. Gehacktesstippe

Die Gehacktesstippe war laut Wikipedia in der DDR und gerade in Mecklenburg-Vorpommern ein typisches „Arme Leute-Essen“. Das Gericht ist nahrhaft, es hält lange satt und es ist auch noch absolut köstlich. Gehacktesstippe ist nicht der einzige Name, unter der das Gericht bekannt ist: Sie Soße wird auch Beamtenstippe, Lehrerstippe oder Schneiderstippe genannt. Der Grund dafür ist, dass die Berufe als Beamte, Lehrer oder Schneider nicht sonderlich viel Geld einbrachten.

Die Gehacktessstippe ist eine Hackfleischsoße, die mit Zwiebeln und Butter verfeinert wird. Dazu isst man einen großen Klecks Kartoffelbrei und eine Gewürzgurke. Es gibt natürlich je nach Region Variationen des Gerichts. Manche lieben ein paar Pellkartoffeln und einen Gurkensalat zu ihrer Stippe.

Heute ist das Rezept zum großen Teil in Deutschland in Vergessenheit geraten. Der Grund: Es wurde von einem ähnlichen Gericht abgelöst, der Bolognese-Soße. Bolognese stammt ursprünglich aus dem italienischen Bologna, wurde aber in den USA das erste Mal so gekocht, wie wir sie heute lieben: mit Spaghetti. Bolognese besteht ebenfalls zu einem großen Teil aus Hackfleisch und Zwiebeln und das Gericht ist ebenso wärmend und köstlich wie die Gehacktesstippe. Heute trifft man in den Restaurants deutschlandweit aber eher auf die Bolognese als auf die Gehacktesstippe.

4. Sächsisches Senffleisch

Beim sächsischen Senffleisch handelt es sich um ein sehr beliebtes Gericht aus der DDR. Hierbei wird das Rindfleisch mit Kümmel gewürzt und mit viel Wasser gekocht. Ähnlich wie bei einem Eintopf kommen dann noch Zwiebeln, Salatgurke und Brot hinzu und der Fleischtopf wird so lange aufgekocht bis alles sämig geworden ist. Zum Schluss werden noch Senf in den Topf gegeben. Das Ganze wurde meist mit Petersilienkartoffeln oder einem Rote-Bete-Salat gegessen.

5. Ketwurst

Was heute der Hotdog ist, war in der damaligen DDR wohl die Ketwurst. Sie galt als DAS Fast-Food-Gericht schlechthin und wurde landauf, landab gerne gegessen. Erfunden wurde die Wurst wohl in Berlin, genauer gesagt am berühmten Alexanderplatz. Die Ketwurst besteht aus einer Brühwurst in einem länglichen Brötchen serviert. Getoppt wird die Köstlichkeit mit ein wenig Ketchup.

Heute ist das Rezept der Ketwurst tatsächlich bei den meisten Menschen (vor allem aus der Gen Z) unbekannt. Der Grund ist, dass der Hotdog sie nach der Wende als Fast Food Snack ablöste. Tatsächlich gibt es nur sehr wenige Unterschiede zwischen Ketwurst und Hot Dog. Lediglich die Toppings sind verschieden: Während Ketwurst mit Ketchup auskommt, brauchen Hot Dogs Senf, Zwiebeln, Gürkchen und so weiter.

Die Ketwurst war Kult in der DDR. Foto: IMAGO IMAGES / Steinach

6. Blumenkohl mit Semmelbrösel

Wir wollen nicht sagen, dass Blumenkohl nicht mehr in der Gen Z gegessen wird. Schließlich ist es ein gesundes Gemüse, welches zahlreiche Mineralstoffe sowie Vitamin C und B aufweist. Allerdings wurden in der DDR meistens Semmelbrösel aka Paniermehl über das Gemüse gegossen – und das ist alles andere als gesund.

Denn Paniermehl kann sich mit Fett vollsaugen und wird dadurch zu einer echten Kalorienbombe. Die Menschen der Gen Z sind sehr ernährungsbewusst und achten darauf, was sie zu sich nehmen. Oft wird deshalb ohne Paniermehl bei vielen Gerichten der heutigen Jugend gearbeitet.

Blumenkohl mit Semmelbröseln
Zu den Gerichten aus der DDR zählt auch der Blumenkohl mit Semmelbröseln. Foto: Dashabelozerova / getty images via canva

7. Lungwurst

Die Lungwurst, auch Kohlwurst oder Lungenwurst, ist eine einfache, kräftig geräucherte Rohwurst aus Schweinefleisch und Fett. Dieses DDR-Gericht ist vor allem im nordostdeutschen und nordwestdeutschen Bereich bekannt. Ihren Namen hat die Lungwurst aufgrund ihres fünfprozentigen Anteils an roher, geputzter und fein zerkleinerter Lunge.

Für Gen Z wäre dieses Gericht ein No-Go. Nicht nur, weil es Fleisch enthält und ein großer Teil dieser Generation Vegetarier:innen und Veganer:innen sind, sondern auch, weil sich in dieser Wurst ein relativ hoher Anteil an Tierorganen befinden – welchen auch Fleischesser:innen manchmal zuwider sind.

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8. Bunte Katze

Die Bunte Katze wurde in der DDR gerne als herzhaftes Abendbrot gegessen. Man nennt dieses Gericht auch die Schichtpfanne. Das Gericht erinnert entfernt an einen britischen Sunday Roast, denn es besteht vor allem aus Kartoffeln, Zwiebeln, Schweinefleisch und viel Bratfett. Abgeschmeckt wird diese Spezialität mit Kümmel, Salz und Pfeffer. Hier findest du das ganze Rezept.

Die Bunte Katze gilt als köstliches Überbleibsel aus der alten DDR-Kultur. Heute ist dieses Gericht jedoch auf Speisekarten der Restaurants der Republik weit weniger vertreten. Auch in den heimischen Küchen wird das Rezept nicht mehr sonderlich viel gekocht. Es gibt mehrere Gründe, warum die neue Generation, die Gen Z, sich mit diesem Rezept nicht identifiziert:

  • Es ist sehr fleischlastig, was Vegetarier:innen und Veganer:innen nicht mit sich vereinbaren können.
  • Zudem wird in diesem Rezept Bratfett genutzt, das als ein sehr ungesundes Lebensmittel gilt. Die Gen Z achtet sehr auf ihre Gesundheit und scheuen sich mehr und mehr vor ungesunden Fetten.
  • Das Gewürz Kümmel gilt als sehr altmodisch. Die Generation Z würzt Gerichte vor allem mit frische schmeckenden Kräutern wie Koriander oder Petersilie.
Basis für die Schichtpfanne sind Bratkartoffeln. Foto: imago images /IMAGO / Winfried Rothermel

9. Eier in Senfsoße

Ich erinnere mich, dass es dieses Gericht oft bei uns in der Grundschule gab und kann mich auch daran erinnern, dass nur sehr wenige zu diesem Gericht gegriffen haben. Trotzdem ist es bei vielen ein beliebtes Gericht aus der DDR, welches auch heute noch auf der herkömmlichen Tageskarte im Restaurant steht.

Eigentlich soll das Senfei aus dem 19. Jahrhundert stammen, denn in dieser Zeit tauchte es zum ersten Mal in den Kochbüchern auf. In der DDR wurde das Gericht dann groß, denn immerhin gab es Eier und Senf einfach zu kaufen. So wurde das Gericht ein Standard in jeder DDR-Kantine. Die saure Soße wurde aus Senf, Brühe, Mehl, Butter und Essig hergestellt.

Senfeier
Senfeier waren damals ein beliebtes Gericht aus der DDR. Foto: IMAGO Images / Shotshop

10. Mettigel

Man kennt ihn: den niedlich aussehenden Fleischklops namens Mettigel, der damals von keiner DDR-Party wegzudenken war. Die Spezialität besteht aus rohem Schweinehack, Zwiebeln und Petersilie und zierte damals die Tische. Das Igel-Aussehen bekommt er, indem man Zwiebelstücke wie die Igel-Stacheln in den Fleischklumpen steckt.

Heutzutage können sich viele nicht mehr vorstellen, rohes Hackfleisch (Mett) zu essen. Der Anteil an Vegetarierer:innen und Veganer:innen ist enorm gestiegen und laut dem Robert-Koch-Institut ist rohes Schweinemett außerdem der höchste Risikofaktor bei einer sogenannten Yersiniose. Diese ist der Grund für schwere Magen-Darm-Erkrankungen.

Mettigel
Der Mettigel sieht niedlich aus, ist aber beinahe gesundheitsschädlich. Foto: IMAGO Images / Panthermedia

11. Jägerschnitzel

Beim Jägerschnitzel denken viele an ein schönes Stück Fleisch, gepaart mit frischen Champignons. Allerdings ist dieses Gericht aus der DDR etwas vollkommen anderes. Denn hierbei handelt es sich um Jagdwurstscheiben, die wie ein Schnitzel in Mehl, Ei und Paniermehl gewendet und dann gebraten wurden. Dazu gab es meistens Nudeln und Letscho.

Lecsó ist übrigens ein ungarisches dickes Gemüseragout oder -eintopf, das traditionell gelbe Spitzpaprika, Tomaten, Zwiebeln, Salz und gemahlenen süßen und/ oder scharfen Paprika als Grundrezept enthält. Heutzutage findet man dieses Gericht auch noch in traditionell-deutschen Restaurants.

Jägerschnitzel
Jägerschnitzel ist ein Gericht aus der DDR, welches auch noch heute viel gegessen wird. Foto: IMAGO Images / imagebroker

12. Rote Grütze

Unter Roter Grütze versteht man heute oft eine angedickte Masse von roten Früchten, die man zum Pudding reicht, oder einfach nur so schlemmen kann. In der DDR war die rote Grütze ein beliebtes Dessert, denn es brauchte wenige Zutaten und war schnell gemacht.
Laut der Website DDR-Rezepte hat man für das Gericht nur einen halben Liter roten Fruchtsaft, 50 g Zucker, Salz, 50 g Stärkemehl, Mandeln und Früchte selber machen. Alternativ konnte man es aber auch aus einer Tüte machen – diese gibt es in manchen Supermärkten übrigens heute noch.

Rote Grütze konnte man aus einer Tüte machen. Foto: IMAGO / Bernd Friedel

Das Leben in der DDR: Ganz anders als heute

Bevor man diesen Artikel liest, sollte man sich auf jeden Fall bewusst sein, dass man die Essensauswahl und der Erwerb nicht mit der heutigen Zeit vergleichbar ist. Denn, die DDR wurde nach sowjetischem Vorbild zu einem sozialistischen Staat erklärt. Einfach erklärt bedeutet das, dass der größte Teil des Privateigentums in staatlichen Besitz übergegangen ist. Darunter sind vor allem Geschäfte und Unternehmen gefallen, aber auch Miethäuser.

Auch auf das Essen hat das natürlich auch Auswirkungen gehabt. Es gab bei weitem nicht dieselbe Auswahl an Lebensmitteln wie heute. Selbst wenn es vereinzelt gab, heißt das nicht, dass sich die breite Masse diese leisten konnte. Hier kann man sich gut das Beispiel der Bananen anschauen. Bananen gab es kaum in der DDR, weil diese nicht in den Osten geliefert worden sind, laut Badischer Zeitung.

Horst Zimmermann hat für den MDR einen Erfahrungsbericht geschrieben. Im ersten Absatz schreibt er: „Die Konsum-Läden oder Privatläden verkauften Waren gegen Geld in Verbindung mit Lebensmittelkarten oder Bezugsscheinen. Etwa 1949 entstanden die ersten Läden der staatlichen Handelsorganisation, die Waren ohne Marken zu überhöhten Preisen verkauften. Ich erinnere mich an den Preis für eine Bockwurst: 5 Mark bei Monatslöhnen von 200 bis 300 Mark!“

Wenn du ein bisschen mehr über die DDR erfahren willst, kannst du das mit diesem Podcast von der Zeit machen.

Es hat sich viel geändert

Viele Gerichte aus der DDR sind sehr lecker und werden auch heute noch serviert. Wir sind jetzt privilegiert genug, uns auszusuchen, was wir essen möchten und was nicht. Deswegen kann man sagen, dass vor allem Vegetarier:innen und Veganer:innen natürlich nicht zu einiger der oben genannten Gerichte greifen würden, was auch vollkommen okay ist.

Zum Glück gibt es für viele dieser Gerichte allerdings schon vegane oder vegetarische Alternativen. Im Endeffekt ist es allerdings so, dass jede:r einen eigenen Geschmack hat und den ausleben kann und auch sollte – auch wenn es um Gerichte aus der DDR geht, die heute vielleicht nicht mehr so oft gegessen werden.