Passiv aggressives Verhalten belastet zwischenmenschliche Beziehungen & steigert Konflikte. Lies hier, was dahinter steckt & was du dagegen tun kannst.

„Wenn du meinst…“ Passiv aggressives Verhalten zeichnet sich dadurch aus, dass eine Person ihren Missmut nicht auf direktem, sondern auf indirektem Weg zum Ausdruck bringt. Diskussionen werden umgangen und Lösungen aufgeschoben. Das belastet Beziehungen enorm und lässt vor allem Personen, die diesem Verhalten ausgesetzt sind, nahezu verzweifeln. Doch damit ist nun Schluss. Wir verraten dir, was dieses Verhalten ausmacht und wie man damit angemessen umgehen kann.

Passiv aggressives Verhalten: Wer hats erfunden?

Bereits im Zweiten Weltkrieg beobachtete der amerikanische Arzt und Psychiater Colonel Menninger, der mit seinem Bruder und Vater die auf Verhaltensstörungen spezialisierte Menninger Foundation gründete, dass Soldaten sich gegen die Bevormundung ihrer Befehlshaber zur Wehr setzten. Allerdings nicht mit aktiven Widerworten, sondern in einer Reaktion der Unreife, wie Menninger es nannte: Sie zeigten passiv-aggressives Verhalten.

Die Soldaten taten unter anderem so, als hätten sie Befehle nicht verstanden oder als hätten sie diese gar vergessen. Weiter machten sie sarkastische Bemerkungen, lästerten hinter dem Rücken der Befehlshabenden und verweigerten sogar Fronteinsätze. Mag dieses Verhalten im Kriegskontext noch nachvollziehbar sein, findet es sich allerdings auch heute noch in zwischenmenschlichen Beziehungen und belastet diese enorm. Das Problem liegt auf der Hand: Statt Konflikte in einer offenen und ehrlichen Diskussion zu lösen, schwelen diese immer weiter an und entladen sich irgendwann.

Übrigens: Bis heute diskutiert die Forschung darüber, ob passiv aggressives Verhalten als Persönlichkeitsstörung anerkannt werden sollte. So strich das DSM-5 die Klassifizierung beispielsweise aus ihrem Katalog, wohingegen die WHO (Weltgesundheitsorganisation) die passiv aggressive Persönlichkeitsstörung weiterhin in der ICD-Klassifikation (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) beibehalten hat.

Frau Mauer
Passive Aggressivität zeigt sich vor allem in sprachlichen Floskeln, die Widersprüche suggerieren. Foto: IMAGO / Westend61

Die Sprache des passiv aggressiven Verhaltens

Passiv aggressives Verhalten lässt sich anschaulich an der Sprache aufzeigen – wenn Menschen, die sich diesem Verhalten bedienen, auch alles daran setzen, Diskussionen und Auseinandersetzungen zu vermeiden. Meist handelt es sich dabei um sehr eloquente Menschen, die ihrem Gegenüber unterschwellig ein schlechtes Gewissen machen wollen. Folgende Floskeln sind bei passiv aggressivem Verhalten besonders beliebt:

  • „Ist auch egal jetzt.“
  • „Das habe ich doch gar nicht so gemeint, jetzt hab dich nicht so.“
  • „Das würdest du sowieso nicht verstehen.“
  • „Gar nicht schlecht gemacht, für deine Verhältnisse.“
  • „Wir machen es jetzt einfach so, wie du willst.“

Zwischen Gesagtem und Gemeinten liegen bei diesen Beispielen Welten. Denn es ist keineswegs egal und es war auf jeden Fall so gemeint. Passive Aggressivität sendet demnach widersprüchliche Signale aus und soll Unsicherheiten schüren. Und warum das alles? Um eigene Bedürfnisse durchsetzen. Immerhin wird so das schlechte Gewissen der Menschen angesprochen, die sich möglichst unterwerfen sollen.

Das Perfide: Menschen, die sich passiv aggressivem Verhalten bedienen, glauben absolut im Recht zu sein. Dieses Verhalten geht oft einher mit einer negativen Grundeinstellung und dem Gedanken, man würde ungerecht behandelt oder übermäßig gefordert. Allerdings gehen Betroffene nicht so weit, ihre Ziele und Wünsche auf direktem Weg durchzusetzen. Lieber wollen sie durch passiven Widerstand an ihr Ziel kommen.

Woher rührt dieses passiv-aggressive Verhalten?

Erklärungen, woher dieses Verhaltensmuster rührt, gibt es viele. Scott Wetzler, Psychiater und Leiter der psychologischen Abteilung des Albert Einstein College für Medizin in New York zufolge sind passiv aggressive Charaktere wahre „Meister des Vermeidens“, die sich so verhalten würden, weil sie einen geringen Selbstwert aufweisen und selbst Angst vor Abhängigkeit oder Streit hätten.

Zumeist haben Betroffene nie gelernt, mit Aggressionen umzugehen, weil diese zum Beispiel in der Kindheit nicht ernst genommen wurden. Statt Gefühle im Erwachsenenalter offen zu kommunizieren, werden diese einfach runtergeschluckt. Andere Theorien verweisen darauf, dass passiv aggressives Verhalten viel eher ein Bedürfnis nach Harmonie ausdrückt. Streit und negative Gefühle wollen demnach unterdrückt werden, bahnen sich ihren Weg allerdings in Form der passiv aggressiven Kommentare nach draußen.

Übrigens: Diese Verhaltensweise wird häufig narzisstischen Persönlichkeiten zugeordnet. Was hinter dem Narzissmus steckt und wie die Beziehung mit einem Narzissten funktionieren kann, liest du hier.

Paar Streit
Männer und Frauen bedienen sich unterschiedlicher passiver Aggressivität. Männer würden demnach deutlich plumper abblocken. Foto: IMAGO / Westend61

Gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern?

Scott Wetzler meint, dass sich Männer und Frauen grundsätzlich einem verschiedenen passiv aggressiven Verhalten bedienen würden. In seinem Buch Warum Männer mauern sucht er dahingehend vor allem nach Lösungen. Zum Beispiel wie Frauen mit Männern, die sich diesem Verhalten bedienen, glücklich werden können. Er meint: „Männer sind passiv-aggressiv auf eine besonders destruktive, plumpe Art, mit der sie Liebes- und Arbeitsverhältnisse und die Weltordnung durcheinanderbringen oder zerstören. Sie quälen sich selbst und andere.

Weiter würden passiv aggressive Männer keine Versprechen einhalten und die Schuld gerne auf ihre Frauen schieben. Letztlich würde sich ihr Frust in einem Wutanfall entladen, bevor sie sich wieder in Schweigen hüllen. Hier zeigt sich besonders, wie belastend eine Beziehung sein kann, wenn nicht richtig gestritten wird und offene Kommunikation fehlschlägt. Stattdessen herrscht ein ständiges Klima der Unsicherheit.

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