Bekommt Deutschland nun doch eine Zuckersteuer? Diese Frage wird gerade heuß in der Ampel-Koalitions-Diskussion auseinandergenommen. Vor allem die Grünen-Politiker:in Annalena Baerbock und Robert Habeck sind sich sicher, dass eine Zuckersteuer, die dem britischen Modell nachempfunden ist, die genau richtige Lösung für die übergewichtigen Probleme Deutschlands ist. Ob das stimmt und was genau auf die Bürger:innen mit einer Zuckersteuer zukommen könnte, zeigen wir dir hier.

Zuckersteuer erheben: Möglich ist es

Schon früher gab es in Deutschland eine Zuckersteuer: Bis zum Jahr 1992 wurden auf 100 Kilogramm Zucker 6 DM erhoben. Diese Steuer wurde aber wieder erlassen und die Produktion von Zucker in den meisten verarbeiteten Lebensmitteln schoss in die Höhe. Doch bis heute wäre es kein Problem eine solche Steuer zu erlassen. Noch immer ist sie mit dem Europarecht zu vereinigen. Expert:innen gehen davon aus, dass man sie in Deutschland innerhalb von zwei Jahren etablieren kann.

Die Zuckersteuer: Sie ist nicht wie andere Steuern

Eine Zuckersteuer in Deutschland einzuführen hat mehrere Anreize: Zum einen wird damit Geld in die deutschen Kassen gespült. Auf der anderen Seite ist es eine symbolische Steuer, die die Bürger:innen davon abhalten soll, sich mit süßen und hochkalorischen Lebenmitteln und Getränken vollzustopfen.

Dass Zucker ungesund ist, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Aber trotzdem wird hierzulande jede Menge Süßes gefuttert. Allein im Jahr 2017/2018 lag die tägliche Menge laut dem Bundesministerium für Ernährung bei rund 95 Gramm. Die WHO empfiehlt aber nicht mehr als 50 Gramm. Deswegen fordert foodwatch eine Zuckersteuer.

Zuckersteuer erheben: Das ist dafür nötig

Das Magazin Fokus berichtet, dass das Erheben einer Zuckersteuer gar nicht so einfach ist. Das ginge nur mit einer Ausnahmegenehmigung, die es heute schon für Kaffee, Sekt, Bier und andere „Luxusgüter“ gibt. (Bis vor wenigen Jahren galten Tampons übrigens auch noch als Luxusgut in Deutschland und wurden hoch versteuert.) Deutschland hat bisher auf die. Zuckersteuer verzichtet, schaut sich aber ganz genau an, wie gut oder schlecht die Steuer in Großbritannien angenommen wird. Hier besteht sie bereits seit dem Jahr 2018.

Bisher ist es durchaus positiv ausgefallen. Der Zuckergehalt in Softdrinks ist in Großbritannien bereits zurückgegangen.

…aber notwendig

Laut den Zahlen von Diabetesde.org haben wir in Deutschland bereits ein großes Problem mit Übergewicht und Diabetes. In Deutschland gibt es aktuell circa 8 Millionen Menschen mit Diabetes. Das bedeutetet 12 von 1.000 Personen leiden an dieser Krankheit. Pro Jahr kommen so mehr als 600.000 Neuerkrankungen hinzu. Das Krasse dabei: 95% der Betroffenen haben Typ-2-Diabetes. Diese Art der Diabetes wird vor allem durch schlechte und zu zuckerhaltige Ernährung im Körper gebildet.

Nicht nur Diabetes, auch Übergewicht ist ein wichtiges und schwieriges Thema. In Deutschland sind rund zwei Drittel (67%) der Männer und die Hälfte (53%) der Frauen übergewichtig. Das heißt sie haben einen BMI von mehr als 25 kg pro m2. Ein Viertel der Erwachsenen sind stark übergewichtig. Übergewicht kommt zwar nicht allein von dem Zucker-Intake, doch er spielt eine große Rolle dabei.

Illustration emotionales Essen
Die Zuckersteuer gibt es in Großbritannien schon. Credit: IMAGO / fStop Images

Die Zuckersteuer am Beispiel Großbritannien

Noch wissen wir in Deutschland nicht, wie genau eine Zuckersteuer aussehen könnte und sollte. Wir wissen allerdings, dass die Zuckersteuer in Großbritannien bereits erfolgreich angelaufen ist. Hier werden seit dem Jahr 2018 Aufpreise auf Getränke mit einem hohen Zuckergehalt erhoben. Die Richtlinien sehen wie folgt aus:

  • ≥ 5 Gramm Zucker / 100 Milliliter = 21 Cent Aufpreis
  • ≥ 8 Gramm Zucker / 100 Milliliter = 33 Cent Aufpreis. Das sind pro Kilo 4,12 €.

Diese Regelungen haben in Großbritannien bereits dazu geführt, dass das Sortiment in den Supermärkten angepasst werden konnte. In den Jahren 2015 bis 2018 wurde der Zuckergehalt in Softdrinks von 4,4 Gramm auf 2,9 Gramm gesenkt.

Durch den Preisanstieg haben sich aber nicht nur die Rezepturen der Getränke geändert, sondern auch der Absatz von stark gezuckerten Getränken ist um gut die Hälfte zurückgegangen.

In Deutschland Zuckersteuer: Das würde es bedeuten

In Deutschland hätte eine Zuckersteuer wahrscheinlich ganz ähnliche Auswirkungen auf den Absatz und das Konsumverhalten wie in Großbritannien. Mit einem Aufpreis auf die stark zuckerhaltigen Getränke würde auch ein Aufpreis für die Kund:innen erfolgen. Wer also mehr zahlt, kann noch immer hoch zuckerhaltige Getränke trinken.

Am meisten von dieser Steuer betroffen wären wohl die Übergewichtigen in Deutschland. Gerade Menschen, die viel Zucker zu sich nehmen, werden von den hohen Dosen süchtig und brauchen noch mehr Zucker. Essen kann nämlich Rausch und Fluch gleichzeitig sein.

Zuckersteuer zeigt bereits seine Wirkung

Laut der Verbraucher:innenorganisation ist das vor allem bei Getränken unerlässlich. Denn: Besonders Erfrischungsgetränke und vermeintliche Kinderlebensmittel seien maßlos überzuckert.

Deswegen fordert foodwatch eine Zuckersteuer für Getränke nach dem Vorbild Großbritanniens. Dort haben die Hersteller den Zuckergehalt ihrer Produkte laut der Organisation deutlich heruntergeschraubt. Seit der Einführung der Steuer im Jahre 2015 sei der Gehalt um etwa 35 % zurückgegangen.

Zum Vergleich: Während eine Fanta von Coca-Cola in Deutschland 8 Gramm Zucker pro 100 Milliliter enthält, sind es in Großbritannien nur 4,6 Gramm. Ein Rückgang um fast die Hälfte!

Zuckersteuer: Wie teuer wird Süßes werden?

Sollte die Forderung von foodwatch umgesetzt werden, wird Süßes demnächst ziemlich teuer werden. Seit Einführung der Zuckersteuer müssen britische Hersteller 20 Cent draufzahlen, wenn ihre Getränke mehr als fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter enthalten. Damit nicht genug: Enthalten die Getränke sogar 8 Gramm Zucker, werden 30 Cent fällig.

Übrigens: In einigen Supermärkten in den Niederlanden wird ebenfalls bereits getestet, gesunde Produkte günstiger und ungesunde teurer zu machen.

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