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Die Lebensmittelpyramide hat dich all die Jahre angelogen

Wer sich über gesunde Ernährung informiert, stößt schnell auf ein bekanntes Schaubild. Dieses ist aber nicht mehr aktuell. Warum die Lebensmittelpyramide veraltet ist und was jetzt gilt.

lebensmittelpyramide
Die Lebensmittelpyramide ist nicht so aussagekräftig wie man meinen würde. Foto: Gettyimages / Anastasia Usenko

Wer sich im Internet darüber informieren will, wie man sich gesund ernährt, wird schnell auf ein bekanntes Schaubild treffen: die Lebensmittelpyramide. Sie ist eine Ernährungsempfehlung, in der verschiedene Lebensmittelgruppen und ihr Mengenverhältnis abgebildet sind. Doch das Modell wird auch kritisiert, so gilt die Lebensmittelpyramide als veraltet. Wir zeigen dir, wie aussagekräftig sie wirklich ist.

Ist die Lebensmittelpyramide veraltet? So lange gibt es sie schon

Die erste Lebensmittelpyramide wurde 1974 von der schwedischen Kochbuchautorin Anna Britt Agnsäter erfunden. Ursprünglich ging es dabei gar nicht in erster Linie um gesunde Ernährung, sondern vor allem um bezahlbare Lebensmittel. Denn nach zahlreichen Straßendemonstrationen aufgrund hoher Lebensmittelpreise gründete die Regierung ein Komitee, das die Zusammenstellungen ausgewogener Mahlzeiten zu erschwinglichen Preisen ermitteln sollte.

Heraus kam die erste Lebensmittelpyramide unter dem Motto „Eine gute, gesunde Ernährung zu einem erschwinglichen Preis“. Die Basis bildeten Getreide, Milchprodukte, Nudeln und Kartoffeln. In der Mitte war Obst und Gemüse und an der Spitze Fleisch, Fisch und Eier.

Das Modell verbreitete sich schnell auch in anderen Industrienationen. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) nutzt das Schaubild, hat es auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse aber abgewandelt und aktualisiert.

Pyramide ist nicht gleich Pyramide

Zunächst muss man wissen, dass es nicht DIE eine Lebensmittelpyramide gibt. So unterscheiden sich die Ernährungsempfehlungen einerseits von Land zu Land. Auf der anderen Seite hat inzwischen fast jeder Food-Trend seine eigene Lebensmittelpyramide zur Orientierung erstellt.

Wenn wir in diesem Artikel von der Lebensmittelpyramide sprechen, ist das aktuell vorherrschende Modell, die dreidimensionale Lebensmittelpyramide der DGE, gemeint.

So sieht die aktuelle Ernährungsempfehlung aus

Seit 2005 nutzt die DGE die dreidimensionale Lebensmittelpyramide in Verbindung mit dem Ernährungskreis, um allgemeine Ernährungsempfehlungen auszusprechen. Im Gegensatz zur Vorgängerversion, der zweidimensionalen Ernährungspyramide, die seit 1992 genutzt wurde, lösten Obst und Gemüse die kohlenhydrathaltigen Lebensmittel als größte Gruppe ab.

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Die Verteilung sieht nun folgendermaßen aus: 30 Prozent Kohlenhydrat-Lieferanten, 26 Prozent Gemüse, 17 Prozent Obst, 18 Prozent Milchprodukte, 7 Prozent trierische Proteine (Fleisch, Fisch, Eier etc.), 2 Prozent Öle und Fette.

Das sind die Kritikpunkte

Seit 2005 wurde das dreidimensionale Modell der DGE nicht mehr überarbeitet. Kritiker:innen sehen die Lebensmittelpyramide deshalb als veraltet an. Das sind ihre Kritikpunkte:

Die meisten Menschen essen zu viel Fleisch. Das kann Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Foto: IMAGO / YAY Images

Zu viel Fleisch

Auch wenn verarbeitetes Fleisch und Wurstwaren an der Spitze stehen, also nur selten konsumiert werden sollten, sehen Ernährungsexpert:innen ihr Vorkommen in den Empfehlungen der DGE als zu präsent an. Denn vor allem verarbeitetes Fleisch enthält hohe Mengen an Natrium, das bei übermäßigem Verzehr zu Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen kann. Zudem wird ein hoher Fleischkonsum mit Darmkrebs, erhöhten Cholesterinwerten und Übergewicht in Verbindung gebracht.

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Zu wenig gesunde Fette

Nur 2 Prozent machen im Ernährungsschaubild der DGE Öle und Fette aus. Dabei sind insbesondere pflanzliche Fette lebensnotwendig. Expert:innen empfehlen daher, diese von den tierischen Fetten zu separieren.

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Zu viele Kohlenhydrate

Auch wenn die Empfehlung stets „Vollkorn“ lautet, werden die kohlenhydrathaltigen Produkte im selben Segment dargestellt. Dabei sei es, laut Kritiker:innen, wissenschaftlich belegt, dass auch Vollkorn dem Körper schaden könne.

Obstteller mit exotischen Früchten
Obst enthält neben dem Fruchtzucker auch Vitamine und Ballaststoffe. Foto: imago/Photocase /

Zu viel Obst

Auch der Anteil an Obst wird von vielen Ernährunsgexpert:innen als zu hoch eingestuft. Denn Obst enthält große Mengen an Fruchtzucker, was gesundheitsschädliche Blutzuckerschwankungen begünstigen kann. Zudem könne man Obst nicht mit Gemüse auf eine Stufe stellen.

Lebensmittelpyramide veraltet: Das sind die Alternativen

Inzwischen haben verschiedene Forschungsgruppen neue Modelle entwickelt und als Alternative vorgestellt. Das sind 2 davon:

So sieht die Lebensmittelpyramide nach Dr. Feil aus Credit: Forschungsgruppe Dr. Feil – dr-feil.com

Die Dr. Feil Strategie

Der Biologe, Sportwissenschaftler und Autor Dr. Wolfgang Feil hat gemeinsam mit seiner Forschungsgruppe mehr als 1000 Studien ausgewertet und auf dieser Basis eine eigene Ernährungspyramide erstellt. Das Ergebnis: die Dr. Feil Strategie. Darin werden u. a. nicht nur der Anteil, sondern auch die Qualität der Proteine berücksichtigt. Außerdem wird mehr Wert auf gesunde Fettsäuren gelegt. Zudem geht die Empfehlung zu saisonalen und regionalen Produkten, hat also auch eine ökologische Komponente.

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Die belgische Ernährungspyramide

Das Flämische Institut für gesundes Leben („Gezond Leven“) hat eine trichterförmige Version entwickelt. Außerdem beinhaltet das Schaubild einen roten Kreis mit Lebensmitteln, die so selten wie möglich konsumiert werden sollten. Das Schaubild ist vor allem didaktisch sinnvoll, da die ungünstigen Lebensmittel nicht mehr oben, an der Spitze stehen, sondern ganz ausgelagert wurden.