Laut Epidemiologischer Suchtsurvey (ESA) sind 3,1 % der Erwachsenen in Deutschland alkoholabhängig. Die Dunkelziffer dürfte allerdings deutlich höher sein, denn nicht jeder gesteht sich seine Sucht ein. Zudem gibt es hochfunktionale Alkoholiker:innen, denen man die Sucht nach außen kaum anmerkt. Forscher:innen fanden nun allerdings heraus, dass es nur zwei Fragen braucht, um Alkoholabhängigkeit zu erkennen…

Was bedeutet es, alkoholabhängig zu sein?

Alkoholabhängigkeit ist eine Suchterkrankung, die in der Umgangssprache auch Alkoholismus oder Alkoholsucht genannt wird. Sie geht mit körperlichen, psychischen und sozialen Folgen einher, wird aber häufig viel zu spät erkannt und lange verheimlicht.

Erste Anzeichen auf eine Alkoholabhängigkeit kann ein starkes Verlangen der Betroffenen nach Alkohol sein. Auch fällt es ihnen schwer, ihren Konsum zu kontrollieren. Wer alkoholabhängig ist, muss im Laufe der Zeit immer mehr trinken, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Denn Alkoholiker:innen entwickeln eine Toleranz. Als weiteres Anzeichen gelten allgemein Entzugserscheinungen.

Weiterlesen: Welche weiteren Anzeichen Alkoholismus anzeigen, erfährst du hier.

Alkoholabhängig? Ärzt:innen fällt die Diagnose oft schwer

Laut der Stiftung Gesundheitswissen waren im Jahr 2018 ungefähr 1,7 Prozent der Frauen und 4,8 % der Männer in Deutschland alkoholabhängig. Die Stiftung bezieht sich dabei auf die Zahlen der Epidemiologische Suchtsurvey (ESA), die regelmäßig den Substanzkonsum der Deutschen erfasst.

Das große Problem ist, dass eine Alkoholabhängigkeit nicht nur oft tödlich endet (ca. 75.000 Menschen sterben schätzungsweise jährlich daran), sondern häufig viel zu spät diagnostiziert wird. Erst mit dem Einsetzen negativer körperlicher, mentaler wie auch sozialer Folgen wird die Erkrankung ersichtlich. Oftmals gehen Betroffene gar nicht zum Arzt, weil sie alkoholabhängig sind, sondern weil sie andere körperliche Beschwerden haben – die auf die Sucht zurückzuführen sind.

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1,7 % der deutschen Frauen und 4,8 % der deutschen Männer haben ein Alkoholproblem. Credit: IMAGO / Westend61

Zwei Fragen sollen Antwort geben

Bisher wurde Alkoholsucht durch lange Fragebögen, eine körperliche Untersuchung und durch ein Blutbild erkannt. Diese Methode ist jedoch recht zeitintensiv. Forscher:innen der University of Leicester haben nun einen einfacheren Weg gefunden, um Alkoholabhängigkeit zu diagnostizieren. In einer Metastudie kristallisierten sie zwei einfache Fragen heraus, mit denen sich die Sucht bereits erkennen lässt.

Stellen Ärzt:innen ihren Patient:innen beiläufig diese beiden Fragen, können sie Alkoholabhängigkeit mit einer Trefferquote von 87 % erkennen, so die Forscher:innen. Die beiden Fragen lauten:

  • Wie oft trinken Sie sechs oder mehr alkoholische Getränke bei einer Gelegenheit?
  • Haben Sie jemals morgens zuerst Alkohol getrunken, um sich nervlich zu stabilisieren?

Wird die erste Frage mit regelmäßig beantwortet und die zweite bejaht, sind die Patient:innen mit hoher Wahrscheinlichkeit alkoholabhängig. Jedoch empfehlen die Forscher:innen der Leicester University auch, danach einen längeren Fragenkatalog folgen zu lassen: den CAGE-Test oder den AUDIT-Fragebogen zum Beispiel.

Alkoholsucht ist behandelbar

Wer merkt, dass er eine Tendenz zum Alkoholismus hat, sollte sich um Hilfe bemühen. Neben dem Hausarzt oder der Hausärztin sind auch (Sucht-)Beratungsstellen der richtige Anlaufort. Die oberste Prämisse dabei? Wer gesund werden möchte, muss ehrlich mit sich ins Gericht gehen.

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