Laut Epidemiologischer Suchtsurvey (ESA) sind 3,1 % der Erwachsenen in Deutschland alkoholabhängig. Die Dunkelziffer dürfte allerdings deutlich höher sein, denn nicht jede:r gesteht sich seine Sucht ein. Zudem gibt es hochfunktionale Alkoholiker:innen, denen man die Sucht nach außen kaum anmerkt. Forscher:innen fanden nun allerdings heraus, dass es nur zwei Fragen braucht, um Alkoholabhängigkeit zu diagnostizieren. Welche das sind, liest du hier.

Was bedeutet es, alkoholabhängig zu sein?

Alkoholabhängigkeit ist eine Suchterkrankung, die in der Umgangssprache auch Alkoholismus oder Alkoholsucht genannt wird. Sie geht mit körperlichen, psychischen und sozialen Folgen einher, wird aber häufig viel zu spät erkannt und lange verheimlicht.

Erste Anzeichen auf eine Alkoholabhängigkeit kann ein starkes Verlangen der Betroffenen nach Alkohol sein. Auch fällt es ihnen schwer, ihren Konsum zu kontrollieren. Wer alkoholabhängig ist, muss im Laufe der Zeit immer mehr trinken, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Denn Alkoholiker:innen entwickeln eine Toleranz. Als weiteres körperliches Anzeichen gelten allgemein Entzugserscheinungen.

Allgemein wird zwischen einer körperlichen und einer psychischen Alkoholsucht unterschieden. Du möchtest wissen, wo der Unterschied liegt? Dann empfehle ich dir das Video von Nathalie Stüben, die auf ihrem YouTube-Kanal Aufklärungsarbeit zum Thema Alkoholismus leistet.

Weiterlesen: Welche weiteren Anzeichen Alkoholismus anzeigen, erfährst du hier.

Alkoholabhängig? Mediziner:innen fällt die Diagnose oft schwer

Laut der Stiftung Gesundheitswissen waren im Jahr 2018 ungefähr 1,7 Prozent der Frauen und 4,8 % der Männer in Deutschland alkoholabhängig. Die Stiftung bezieht sich dabei auf die Zahlen der Epidemiologische Suchtsurvey (ESA), die regelmäßig den Substanzkonsum der Deutschen erfasst.

Das große Problem ist, dass eine Alkoholabhängigkeit nicht nur oft tödlich endet (ca. 75.000 Menschen sterben schätzungsweise jährlich daran), sondern häufig auch viel zu spät diagnostiziert wird.

Erst mit dem Einsetzen negativer körperlicher, mentaler wie auch sozialer Folgen wird die Erkrankung ersichtlich. Oftmals gehen Betroffene gar nicht zum Arzt oder zur Ärztin, weil sie alkoholabhängig sind, sondern weil sie andere körperliche Beschwerden haben – die auf die Sucht zurückzuführen sind.

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1,7 % der deutschen Frauen und 4,8 % der deutschen Männer haben ein Alkoholproblem. Foto: IMAGO / Westend61

Zwei Fragen sollen Antwort geben

Bisher wurde Alkoholsucht durch lange Fragebögen, eine körperliche Untersuchung und durch ein Blutbild erkannt. Diese Methode ist jedoch recht zeitintensiv. Forscher:innen der University of Leicester haben nun einen einfacheren Weg gefunden, um Alkoholabhängigkeit zu diagnostizieren. In einer Metastudie kristallisierten sie zwei einfache Fragen heraus, mit denen sich die Sucht bereits erkennen lässt.

Stellen Ärzt:innen ihren Patient:innen beiläufig diese beiden Fragen, können sie Alkoholabhängigkeit mit einer Trefferquote von 87 % erkennen, so die Forscher:innen. Die beiden Fragen lauten:

  • Wie oft trinken Sie sechs oder mehr alkoholische Getränke bei einer Gelegenheit?
  • Haben Sie jemals morgens zuerst Alkohol getrunken, um sich nervlich zu stabilisieren?

Wird die erste Frage mit regelmäßig beantwortet und die zweite bejaht, sind die Patient:innen mit hoher Wahrscheinlichkeit alkoholabhängig. Jedoch empfehlen die Forscher:innen der Leicester University auch, danach einen längeren Fragenkatalog folgen zu lassen: den CAGE-Test oder den AUDIT-Fragebogen zum Beispiel.

Weiterlesen: Wer mit Sicherheit wissen möchte, ob der eigene Alkoholkonsum überdacht werden sollte, kann auf diese zehn Fragen eines Online-Selbsttests zurückgreifen, der von der AOK herausgegeben wurde.

Der CAGE-Test: 4 Fragen geben Aufschluss über Alkoholabhängigkeit

Der CAGE-Test wird bis heute in der Forschung verwendet, um Alkoholabhängigkeit diagnostizieren zu können. Er beruht auf vier Fragen, die in einer ehrlichen Selbsteinschätzung beantwortet werden. Diese vier Fragen lauten:

  1. Hatten Sie schon das Gefühl, dass Sie Ihren Alkoholkonsum reduzieren sollten?
  2. Hat es Sie auch schon aufgeregt, wenn andere Leute Ihr Trinkverhalten kritisieren?
  3. Hatten Sie wegen Ihres Alkoholkonsums auch schon Gewissensbisse?
  4. Haben Sie morgens nach dem Erwachen auch schon als erstes Alkohol getrunken, um Ihre Nerven zu beruhigen oder den Kater loszuwerden?

Wer jetzt denkt, alles im grünen Bereich, ich habe nur eine Frage mit Ja beantwortet, dem müssen wir sagen: Bereits ein Ja kann eine Abhängigkeit anzeigen. Und zwar mit einer Wahrscheinlichkeit von 62 %. Zwei positive Antworten weisen dagegen schon mit 89 % auf eine Sucht hin. Drei bis vier positive Antworten weisen in der Praxis eine 99 %-ige Sicherheit einer Alkoholsucht auf.

Alkoholsucht ist behandelbar

Wer merkt, dass er eine Tendenz zum Alkoholismus hat, sollte sich um Hilfe bemühen. Neben dem Hausarzt oder der Hausärztin sind auch (Sucht-)Beratungsstellen der richtige Anlaufort. Die oberste Prämisse dabei? Wer gesund werden möchte, muss ehrlich mit sich ins Gericht gehen.

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