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Beim Heiratsantrag mögen es Frauen und Männer gerne auf die alte Art. Sind Verlobungen traditionell oder rückschrittlich? (Photo: iStock/nurdanst)

Heiratsantrag: Emanzipation hört bei der Verlobung auf

Beim Heiratsantrag denken Frauen und Männer konservativ. Warum das so ist & was bei der Verlobung beachtet werden sollte, verraten wir hier.

Der gesellschaftliche Wandel macht auch vor der Ehe nicht halt. Während weiterhin die Mehrheit von einer Trauung in einer riesigen Kirche, Reiswerfen, fliegenden Tauben und Blechbüchsen am Oldtimer träumt, beginnen einige das Konzept zu hinterfragen. Heiratsantrag, Verlobung, Hochzeit? Warum denn? Und dann auch noch in einer Kirche? Sorry, aber Religion ist mittlerweile out. 

Während Letztere immer mehr werden, macht der Heiratsantrag einen großen Bogen um gesellschaftlichen Fortschritt. Zumindest, wenn es nach einer aktuellen, repräsentativen Studie von Statista im Auftrag von mydays geht. Vor allem Frauen setzen beim Antrag auf Traditionen. Emanzipation und Feminismus müssen sich hinten anstellen. Wie passt das zusammen?

Wer macht den Heiratsantrag?

Fangen wir positiv an. 2015 hat eine Forsa-Umfrage noch gezeigt, dass null (!) Prozent der Ansicht waren, dass die Frau für den Antrag zuständig ist. Fünf Jahre später und mithilfe einer etwas umformulierten Fragestellung können sich immerhin 36 % der Frauen und 43 % aller Männer vorstellen, dass der Mann mit Ja oder Nein antworten darf. Trotzdem ist es für fast jede vierte Frau, aber nur für jeden zehnten Mann, ein No Go, wenn die Frau den Heiratsantrag macht.

Mädchen Junge Hochzeit
Der Grundstein für unser Denken wird in der Kindheit gesetzt.(Photo: Yury Urban)

Warum Fortschritt bei Romantik aufhört

Warum sind Männer so viel aufgeschlossener, beziehungsweise warum denken auch emanzipierte, eigenständige und zum Teil feministische Frauen so rückständig? Für den Berliner Paartherapeut und Psychologen Robert Coordes ist nicht die Angst vor einem Korb entscheidend. Stattdessen werden unbewusst kulturelle Rollen und Regeln übernommen, die von außen kaum beeinflussbar sind. Da stecken die Mädels in der Schule uns Jungs locker in die Tasche, um später trotzdem auf ihren Beschützer und die große Frage zu warten?

Raus aus der Zwangsjacke

Auch wenn die Männerwelt tatsächlich etwas aufgeschlossener zu sein scheint, die Mehrheit stimmt darin überein, selbst bei der Verlobung aktiv werden zu müssen. Und ich muss sagen, ich fühle mich spontan bestätigt. Auch ich will lieber den Antrag machen. Klar ist das bescheuert, aber es scheint normal zu sein. Von alten Ritualen, wie den Vater der Braut vor dem Heiratsantrag nach einer Erlaubnis zu fragen, haben sich die meisten allerdings bereits verabschiedet. 

Wie die neue Studie bestätigt, sind also auch Fortschritte zu erkennen. Alles zu seiner Zeit und Schritt für Schritt. Ein gesellschaftlicher Wandel dauert eben länger, vor allem wenn die Anlagen so tief verwurzelt sind. 

Geldschein Herzform
Die meisten befragten Männer der aktuellen Studie geben an, für einen Verlobungsring zwischen 101 und 500 Euro auszugeben.(Photo: ROMSVETNIK)

Ist wahre Liebe unbezahlbar?

Definitiv. Trotzdem würde nach der Studie fast jeder vierte Befragte für den Verlobungsantrag gar keinen Ring kaufen. Die Geste zählt. Im Fall einer Absage braucht man sich auch nicht die Mühe zu machen, gesenkten Hauptes zurück zum Juwelier zu dackeln, um die Ringe zurückzugeben. 

Romantischer wird es leider nicht mehr. Denn auch wenn der Heiratsantrag nicht mit einer Absage quittiert wird und auch wenn die Geschmackstauben ihre praktische Veranlagung vielleicht sogar geschickt ausgenutzt haben und sich die zukünftige Braut den Ring anschließend aussuchen darf, das Konservative ist die Studie an sich. 

Sie befragt nämlich nur die Männer. Kaum vorstellbar, dass das überhaupt aufgefallen, oder sogar hinterfragt wurde. Und traurigerweise ist es nicht ganz unberechtigt. Der Mann ist leider immer noch weitestgehend Geldverdiener und Versorger

rote Rosen Ich liebe dich Ringe
Ein paar Blumen und eine Botschaft. Viel mehr braucht es gar nicht.(Photo: baona)

Weniger ist mehr

Dabei sollte es eigentlich egal sein, wer die Frage stellt, wer auf die Knie geht und wer den Ring kauft. Auch wenn die Hälfte aller Männer Schwierigkeiten hat, eine Idee zu finden und die auch umzusetzen, gibt es eine goldene Regel, auf die sich 95 % aller Befragten geeinigt haben. Der Antrag muss in Zweisamkeit stattfinden

Traut euch!

Das Fazit? Für einen schönen Heiratsantrag braucht es nicht viel. Es braucht sogar weniger. Keinen Flashmob, kein Tamtam, kein Orchester, keinen Trommelwirbel. Was bleibt ist eine Frage, die so ganz alleine zu nüchtern für die Tragweite eines neuen Lebensabschnitts wirkt, gefüllt mit kleinen Nickligkeiten über herumliegende Haargummis und vollgeschwitzte Sportklamotten, und doch eine schöne Vorstellung bleibt, egal wer sie stellt. 

Also traut euch, seid mutig! Tragt eure Anträge vor, sprecht aus, was ihr denkt und was ihr wollt. 

Immerhin gibt es noch eine Menge zu klären. Zum Beispiel ob du eine Namensänderung bei der Hochzeit möchtest oder wo die Feier stattfinden soll. Eine Hochzeit im Ausland kann dem großen Tag besonderen Pep geben, vorausgesetzt die richtigen Hochzeitsgäste werden eingeladen


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