Meine Oma hat mir in meiner Kindheit immer erzählt, dass ich Kaugummis nicht runterschlucken darf, weil sonst mein Magen verstopft. Das hat mir eine Heidenangst eingejagt. Auf der anderen Seite hat sie mir aber auch erzählt, dass man nicht am Daumen nuckeln soll, weil der sonst abfällt. Also kam es, wie es kommen muss: Ich schluckte die klebrigen Kaugummis aus Trotz dennoch regelmäßig runter. Doch was passiert eigentlich, wenn man einen Kaugummi runterschluckt? Ein Fall aus Großbritannien zeigt nun, dass zu viel verschluckter Kaugummi tatsächlich tödlich sein kann.

Samantha Jenkins stirbt, weil sie Kaugummi runterschluckte

Maria Morgan bricht zehn Jahre nachdem ihre Tochter Samantha Jenkins starb, ihr Schweigen. Wie das britische Onlinemagazin METRO berichtet, möchte sie andere nun davor warnen, dass ihnen Ähnliches widerfahren könnte. Denn ihre Tochter Samantha fand den Tod nicht auf natürliche Weise.

Am 03. Juni 2011 brach die damals 19-jährige Samantha Jenkins urplötzlich zusammen und wurde im Krankenhaus in ein Koma versetzt, aus dem sie nie wieder aufwachen sollte. Nur wenige Tage später wurde sie nach einem Gehirnscan, der keine Aktivitäten anzeigte, für Tod erklärt. Heute ist klar: Die Todesursache könnte im Zusammenhang mit Kaugummis stehen, die Samantha haufenweise kaute und runterschluckte.

Kurz vor ihrem Zusammenbruch soll die junge Britin aus Südwales über Magenschmerzen geklagt haben. Sie vermutete, etwas zu viel Sonne abbekommen zu haben und etwas dehydriert zu sein. In der Autopsie, die vorgenommen wurde, um eine Vergiftung auszuschließen, wurden vier Klumpen gefunden, die sich als Kaugummi entpuppten. Im Zimmer der Verstorbenen fanden die Angehörigen kurz darauf in jeder Schublade und Tasche Kaugummiverpackungen. Nach Angaben Maria Morgans soll ihre Tochter am Tag bis zu zwei Packungen Kaugummi gekaut haben.

Das Gutachten des Rechtsmediziners gibt nach Jahren Antworten

Nach Jahren der Trauer und ungelösten Fragen kam im Jahr 2015 das Gutachten des Gerichtsmediziners raus, welches der Familie endlich Antworten brachte. Hier heißt es, dass bei Samantha eine zerebrale Hypoxie (Sauerstoffmangel) vorlag, die durch Krämpfe und Elektrolytmangel verursacht wurde. Vor allem die Elektrolytverarmung verhinderte, dass lebenswichtige Funktionen weiter aufrechterhalten wurden. Der Gerichtsmediziner vermutete, dass der Kaugummi an diesem Mangel beteiligt sein musste. Weiter wurden niedrige Kalzium-, Magnesium-, Natrium- und ein niedriger Kaliumspiegel entdeckt, die ebenfalls mit dem verschluckten Kaugummi im Zusammenhang stehen könnten.

Samanthas Mutter lässt die Ereignisse in METRO Revue passieren: „Ich kann mich nur daran erinnern, dass ich am Freitag mit einer Tochter ins Krankenhaus gegangen bin und am Montag mit ihrer Brille herausgekommen bin. Das ist alles, was ich hatte“. Bis heute lassen sie die Trauer und zahlreiche Warums nicht los: „Auch zehn Jahre später gibt es so viele Warums für mich. Aber das größte Warum ist, ob ich meine Tochter durch Kaugummi verloren habe?“

Wie bedenklich ist es, Kaugummi runterzuschlucken?

Beim Lesen dieser Nachricht stellt sich mir unweigerlich die Frage: Wie gefährlich ist es wirklich, wenn man einen Kaugummi runterschluckt?

Wer bereits einmal in einen getreten oder sich aus Versehen draufgesetzt hat, wird wissen, dass Kaugummi klebt. Nicht aber im Körper. Denn Mund, Speiseröhre und Magen sind mit einem Feuchtigkeitsfilm überzogen, sodass der Kaugummi einfach durchrutschen kann. Angekommen im Magen wird es komplizierter.

Dafür muss man zunächst wissen, woraus Kaugummi eigentlich besteht –und das ist ganz schön ekelig. Neben Zucker, Zuckerzusatzstoffen und Aromen sind nämlich auch Weichmacher, Füllstoffe und vor allem Polymere enthalten. Kaugummi besteht also zu einem Großteil aus unverdaulichen Kunststoffen, die Erdölprodukte sind. (Es sei denn, man setzt auf Bio-Kaugummis, die derzeit voll im Trend liegen.)

Schluckt man einen Kaugummi nun runter, werden im Magen lediglich der Zucker und die Aromen gelöst und gelangen über die Blutbahn in den Organismus. Da die restliche Masse für den Körper wertlos ist, wird sie vom Körper ausgeschieden. Angst vor einem Klumpen im Magen muss man also keine haben, wenn man einen Kaugummi runterschluckt. Dennoch sollte das eher die Ausnahme als die Regel sein. Besser, man spuckt den Kaugummi in ein Stück Papier und entsorgt ihn in der schwarzen Restmüll-Tonne.

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