Die meisten Deutschen lieben ihren Sommerurlaub und lassen ihn durch nichts trüben. Es sei denn es geht um den Straßenverkehr. Wenn uns jemand komisch schneidet oder uns die Vorfahrt nimmt, dann sind wir Deutschen sehr schnell dabei die Beleidigungspackung herauszukramen und an jeden Menschen in unserer Umgebung eine zu verteilen. Das ist aber eine ziemlich bescheuerte Idee, denn Bekleidungen im Straßenverkehr können richtig teuer werden und dir den Urlaub noch mehr versauen. Wir zeigen dir, was dir in Deutschland und im deutschsprachigen Ausland auf keinen Fall über die Lippen kommen sollte.

Deutschland: Der Fluchkatalog ist ewig lang

Seitdem wir den Führer:innenschein gemacht haben, wissen wir theoretisch ganz genau, dass man auf der Straße nicht allzu viel fluchen sollte. Nicht nur Polizist:innen sehen es nicht gerne, wenn man sie anranzt. Auch die normalen Fahrenden auf der Straße sind nicht besonders begeistert davon, wenn man sie beleidigt. Zurecht. Deshalb gibt es auf normale Beleidigungen und Flüche im Straßenverkehr eine Strafe in Höhe von 20 bis 30 Tagessätzen. Zum Glück gibt es aber keine zusätzlichen Punkte in Flensburg für ein solches Vergehen

Was ist ein Tagessatz? Dein individueller Tagessatz berechnet sich aus deinem monatlichen Einkommen. Verdienst du netto 1.500 €, dann beläuft sich dein Tagessatz auf 50 €, denn 1.500 : 30 = 50.

In unserem Podcast sprechen wir über ein ganz anderes Problem im Sommerurlaub: Das Bräunen und die Sucht danach.

Welche Beleidigungen werden in Deutschland bestraft?

Da die Menschen sehr kreativ werden können, wenn es um Beleidigungen geht, müssen die Beamten immer individuell entscheiden, welche Beleidigung wie viel Geld kosten sollte. Der ADAC hat aber freundlicherweise eine kleine Liste mit den Top-Flüchen aufgestellt, die man im Straßenverkehr nicht nutzen sollte. Hier die Flüche und ihre Kosten:

  • Schlampe, 1.900 €
  • Blödes Schwein, 475 €
  • Dumme Kuh, 300 €
  • Wichser, 1.000 €
  • Am liebsten würde ich jetzt Arschloch zu dir sagen, 1.600 €
  • Mit der Hand vor dem Gesicht hin und herwischen, 1.000 €
  • Mittelfinger zeigen, 4.000 €

Welche Beleidigungen werden in Österreich bestraft?

Dieses Jahr machen noch immer viele Deutsche Urlaub im direkten Nachbarausland – und zwar mit dem Auto. Da ist vorprogrammiert, dass wir hin und wieder aneinandergeraten im Straßenverkehr. In Österreich sind ebenfalls viele Flüche verboten. Hier nennt man sie Ehrenbeleidigung. Es ist gesetzlich verboten zu beschimpfen, zu drohen, zu verspotten oder zu misshandeln

Es ist verboten, eine andere Person öffentlich oder vor mehreren Leuten (mindestens drei von der Täterin/von dem Täter und vom Opfer verschiedenen Personen). Da es eine Gesetzesbruch ist, gibt es hier auch viel härtere Strafen als bei uns in Deutschland: In Österreich wird sogar eine Freiheitsstrafe von 3 Monaten oder bis zu 180 Tagessätze in geldlicher Form ausgesetzt.

Allerdings sind die Österreicher:innen kulanter, wenn es um „Gegenbeleidigungen“ geht. Antwortest du also nur auf einen Fluch, dann wird dir wahrscheinlich verziehen.

Welche Beleidigungen im Straßenverkehr werden in der Schweiz bestraft?

Die Schweiz zählt zwar teilweise zum deutschsprachigen Ausland, doch die Beleidigungen klingen hier so anders, dass wahrscheinlich niemand aus Deutschland sie verstehen würde. Dennoch: Auch in der Schweiz gibt es einen Beleidigungskatalog, der nicht zu verachten ist. In Artikel 177 des Schweizer Strafgesetzbuches ist klargestellt, was als Beschimpfung gilt: „Wer jemanden in anderer Weise durch Wort, Schrift, Bild, Gebärde oder Tätlichkeiten in seiner Ehre angreift, wird, auf Antrag, mit Geldstrafe bis zu 90 Tagessätzen bestraft.“

Hier einige schweizer Beleidigungen und ihre Strafen aus der Vergangenheit:

  • Seckel, 7 Tagessätze à 30 Franken
  • Bajasse und Schoofseckle, 900 Franken
  • Den nackten Hintern zeigen, 5 Tagessätze à 200 Franken
  • Nazi-Schweine, 5 Tagessätze à 120 Franken
  • Drecksack, 300 Franken

Was darf ich im Urlaub und was nicht?

Es ist im Prinzip egal, wie viel Strafe uns drohen könnte, wenn wir jemand anderen beleidigen. Eigentlich sollten wir uns zunächst fragen, ob wir es mit unserem Gewissen vereinbaren können, jemand anderen so bloßzustellen. In den meisten Fällen ist die Antwort „Nein“. Und damit hat sich das Ganze auch schon erledigt. Hört auf, euch auch noch im Urlaub zu beleidigen, oder um es mit Felix Lobrechts Worten zu sagen: „Seid lieb zueinander.“