Immer mehr Menschen wollen aus Afghanistan fliehen. Der Westen sieht vor, die Flüchtenden erstmal in den Nachbarländern unterzubringen. Doch einige Länder haben damit ein großes Problem. Bei den Tagesthemen äußert sich eine Frau aus Usbekistan sehr deutlich: Sie möchte keine Flüchtlinge in ihrer Nachbarschaft. Handelt es sich hierbei um Fremdenfeindlichkeit oder ist doch etwas anderes verantwortlich für diese erschreckenden Worte?

Der Plan des Westens sorgt für Missgunst

Die Lage in Afghanistan bleibt trotz eines Evakuierungsplans des Westens weiterhin kritisch. Immer mehr Afghanen fliehen vor den Taliban und möchten das Land schnellstmöglich verlassen. Es ist jedoch noch lange nicht klar, wie viele Menschen tatsächlich aus Afghanistan ausreisen können oder dürfen. Um so viele Menschen wie möglich zu evakuieren, sollen die Flüchtenden zunächst in den Nachbarländern Afghanistans Zuflucht finden.

Einige sind in den vergangenen Jahren schon in die Nachbarländer Pakistan, Tadschikistan und in den Iran geflohen. Doch die im Nordwesten von Afghanistan liegenden Länder Turkmenistan und Usbekistan haben bislang noch keine Flüchtenden aus Afghanistan aufgenommen.

Camp Moria Flüchtlinge
Viele Menschen wollen dringend aus Afghanistan fliehen, weil sie sonst verfolgt und im schlimmsten Fall sogar getötet werden. Credit: www.imago-images.de / imago images/ZUMA Wire

Andere Länder machen es vor

Viele Nachbarländer Afghanistans gehen mit gutem Beispiel voran und nehmen zahlreiche afghanische Flüchtlinge auf. Und auch in den vergangenen Jahren haben diese Länder schon viele Flüchtlinge aus Afghanistan aufgenommen. So hat Pakistan bereits ca. 1,5 Millionen Menschen einen Fluchtort geboten. Auch der Iran hat mit etwa 800.000 aufgenommenen Flüchtlingen vielen Menschen einen Gefallen getan. Und das nördlich von Afghanistan liegende Tadschikistan hat fast 11.000 Flüchtigen neue Hoffnung gegeben. Doch was ist mit Turkmenistan und Usbekistan?

Usbekistan möchte keine Flüchtlinge aufnehmen

Während andere afghanische Nachbarländer also in den vergangenen Jahren zusammen fast 2,3 Millionen afghanische Flüchtlinge aufgenommen haben, gibt es in Usbekistan keinen einzigen. Das Land unterstützt zwar die derzeitigen Evakuierungen des Westens und lässt beispielsweise Flugzeuge der Bundeswehr auf ihrem Boden zwischenlanden, jedoch müssen die Flüchtenden anschließend schnell wieder ausgeflogen werden. Nach Usbekistan dürfen nur solche Menschen kommen, die entweder ein Visum haben oder Geld mit ins Land bringen, indem sie beispielsweise in Usbekistan arbeiten.

„Ne, wir wollen die nicht. Es ist friedlich und gut hier ohne Flüchtlinge. Die sollen dableiben, wo sie sind“, äußert sich eine Bürgerin Usbekistans über die aktuelle Lage. Diese erschreckenden Worte sowie weitere Interviews mit der Bevölkerung Usbekistans machen eines deutlich: Usbekistan und auch weitere Nachbarländer wollen keine Flüchtlinge aufnehmen und stellen sich somit direkt gegen den Plan des Westens.

Doch handelt es sich hierbei wirklich um einfache Fremdenfeindlichkeit? Ein weiterer Anwohner begründet seine Ablehnung gegenüber der Aufnahme von Afghanen folgendermaßen: „Ich glaube nicht, dass wir die Infrastruktur haben, viele aufzunehmen.“ Tatsächlich sieht das die Mehrheit der Bevölkerung Usbekistans so.Viele befürchten, dass mehr Menschen innerhalb des Landes vor allem zu vielen sozialen Problemen, mehr Arbeitslosigkeit und auch einer höheren Kriminalität führen könnten.

Fremdenfeindlichkeit oder Angst vor Instabilität?

Der genaue Grund, weshalb die usbekische Frau keine Flüchtlinge in ihrem Land möchte, ist zwar nicht bekannt, jedoch trägt die Aufnahme neuer Flüchtlinge nicht unbedingt zur Stabilität des jeweiligen Landes bei. Es ist aber anzunehmen, dass sich die Mehrheit des Usbekistans einfach vor einer zukünftigen instabilen Lage fürchtet.

Fremdenfeindlich ist es somit schon, jedoch ist das eher ein allgemeines Problem. Die Aufnahme von Flüchtenden und die damit verbundene Fremdenfeindlichkeit sind also nicht nur innerhalb Deutschlands ein großes und teilweise recht umstrittenes Thema, sondern eben auch im Ausland.

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