In der Nacht zu Mittwoch hat ein Großbrand fast das komplette Flüchtlingscamp Moria auf der griechischen Insel Lesbos zerstört. Die Flammen haben sich ihren Weg durch das Lager gefressen. Dicke Rauchwolken steigen nach oben. Menschen rennen, tragen ihre Habseligkeiten auf dem Arm und versuchen sich in Sicherheit zu bringen.

Morias Menschen: Merkel appelliert an die EU

Noch immer wandern viele der Flüchtlinge, die ehemals im Camp wohnten, über die Straßen von Lesbos. Keiner weiß, wo sie die nächsten Wochen und Monate leben sollen. 400 Schutzbedürftige wurden bereits aufs Festland gebracht und dort notdürftig in Hotels und Ähnlichem untergebracht. Aber das reicht bei weitem nicht. Tausende haben kein Zuhause. Und niemand will sie haben.

Angela Merkel und der französische Premier Macron haben es bis jetzt noch nicht geschafft, die anderen EU-Länder davon zu überzeugen, ein wenig Solidarität zu zeigen. Deutschland ist derzeit wieder einmal Vorreiter bei der Flüchtlingshilfe.

Das Feuer hat das Flüchtlingscamp Moria zerstört

Es sind schreckliche Bilder, die um die Welt gehen. Zu sehen sind verkohlte Containerwohnungen und abgebrannte Zelte. Es sind die Überreste eines Camps, über das auch in der Vergangenheit immer wieder gestritten wurde. Denn Moria ist das größte Flüchtlingslager Europas. Obwohl es nur eine Kapazität von gerade mal 2.800 Plätzen hat, wurden dort zuletzt fast 13.000 Flüchtlinge untergebracht.

Immer wieder haben internationale Hilfsorganisationen wie die Seebrücke oder Politiker wie Erik Marquardt auf die unmenschlichen Bedingungen im Camp hingewiesen. Sie haben von der Politik verlangt, die Lager zu evakuieren. Geschehen? Ist bislang nichts.

Und das, obwohl mehrere deutsche Städte und Gemeinden sich bereit erklärt hatten, zusätzliche Flüchtlinge aufzunehmen. Bundesinnenminister Horst Seehofer hatte jedoch keine Anstalten gemacht, etwas an der Lage zu verändern. Er lehnte einen Alleingang der Länder ab und pochte stattdessen auf die Zuständigkeit vom Bund. Zahlreiche Organisationen und Prominente hatten ihn mehrmals darum gebeten, das Camp zu evakuieren. Immer wieder wurde davor gewarnt, dass das Coronavirus das Lager zu einer Todesfalle macht. Nun kam es zum Brand im Camp Moria.

Wie kam es zu dem Brand?

Die Brandursache ist noch unklar. Laut der griechischen Nachrichtenagentur ANA handelt es sich jedoch um Brandstiftung vonseiten der Campbewohner. Medienberichten zufolge sollen die Flüchtlinge die Feuerwehr auch an der Löschung des Brandes gehindert haben.

In der Nacht zu Donnerstag sind weitere, kleinere Feuer ausgebrochen. Die Flammen haben damit auch Teile des Camps erfasst, die zuvor verschont blieben.

Doch auch schon vor den Bränden gab es im Camp Moria Unruhen, weil das Coronavirus ausgebrochen ist und das Lager somit unter Quarantäne gestellt wurde.

Brand Moria
Nach dem Brand werden mehr als 12.000 Migranten evakuiert und von der Polizei bewacht.(Photo: Panagiotis Balaskas via www.imago-images.de)

Flüchtlinge lebten wie im Gefängnis

Im Camp Moria herrschen katastrophale Bedingungen. Nicht umsonst wird es als „Schande Europas“, als „Gefängnis“ oder „menschenverachtend“ bezeichnet. Eine, die auf die verheerende Sitution aufmerksam macht, ist Ramona Lenz von der Hilfsorganisation medico international: Man kann Menschen nicht jahrelang im Dreck leben lassen, ihnen Rechte vorenthalten, sie schließlich ungeschützt einer Pandemie aussetzen und dann überrascht sein, wenn sie gegen ihre Lebensbedingungen aufbegehren.“

Und weiter: „Nach diesem verheerenden Brand darf Europa nicht länger die Augen verschließen und muss Moria und die anderen Lager auf den griechischen Inseln endlich evakuieren.“

Doch was passiert nun mit den Menschen?

Das Feuer im Camp Moria ist mittlerweile unter Kontrolle. Doch was aus den Bewohnern wird, ist noch unklar. So erklärte Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis im griechischen Fernsehen, dass Griechenland noch nicht genau wisse, wo die Menschen nun untergebracht werden sollen. Tausende Menschen seien obdachlos.

Bislang wurden lediglich 165 unbegleitete Minderjährige zur griechischen Hafenstadt Thessaloniki gebracht. Weitere 240 Minderjährige sollen am Donnerstag nachkommen.

Und die anderen Menschen? Die sollen zunächst auf Schiffen und in Zelten unterkommen. Feststeht, dass das aber keine langfristige Lösung sein kann.

Nur: Warum handelt Deutschland nicht?

CDU Politiker wollten bislang einen Alleingang Deutschlands verhindern und nicht das Signal an die europäischen Nachbarstaaten senden, dass wir alleine alle Flüchtlinge aufnehmen. Stattdessen wurde ein gemeinsames europäisches Handeln gefordert. Doch Länder wie die Niederlande und Österreich haben bereits mitgeteilt, dass sie keine Flüchtlinge aus dem Camp aufnehmen wollen.

Und auch in Deutschland ist man meilenweit von einer Einigung entfernt. Denn viele Politiker, Städte und Gemeinden sowie Hilfsorganisationen wollen die Flüchtlinge aufnehmen und ihr Leid so beenden. Sie erklären, dass Deutschland genug Aufnahmekapazitäten hat, und haben eine Petition ins Leben gerufen, die in den sozialen Medien unter dem Hashtag #WirhabenPlatz geteilt wird.

Camp Moria Brand
In zahlreichen deutschen Städten gingen Menschen auf die Straße, um zu zeigen, dass Deutschland genug Platz hat.(Photo: Sachelle Babbar via www.imago-images.de)

Andere hingegen stimmen dagegen. Zum Beispiel der CDU-Bundestagsabgeordnete Marian Wendt. Seine Begründung: „Wer Feuer legt und Löschmannschaften angreift, kann nicht nach Deutschland geholt werden“.

Klar ist bislang nur, dass Deutschland Griechenland unterstützen wird. Wie genau diese Hilfe aussehen wird, ist allerdings noch nicht bekannt. Doch während in Deutschland noch über die Möglichkeiten der Hilfe diskutiert wird, handelt ein anderes Land sofort. Und zwar Norwegen. Das Land hat nämlich bekannt gegeben, 50 Personen aus dem Lager zu sich zu holen.

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