Überstunden können ziemlich schnell entstehen. Sicher warst auch du schon die eine oder andere Stunde länger im Büro, bist etwas früher gekommen oder hast eine Wochenendschicht eingeschoben – die Arbeit muss ja schließlich gemacht werden. Doch was, wenn deine Mehrarbeit überhandnimmt? Eines vorweg: Das Ziel von Überstunden ist nicht Tag und Nacht zu arbeiten und in den meisten Fällen werden sie auch vergütet – immer ist das jedoch nicht der Fall.

Wir erklären dir in diesem Artikel, ob Überstunden Pflicht sind, inwieweit du sie verweigern kannst und wann sie vergütet werden.

Wann wird von Überstunden gesprochen?

Geht es um Überstunden, wird immer wieder auch von Mehrarbeit gesprochen. Beides meint aber in etwa das Gleiche. Überstunden liegen vor, wenn ein Arbeitnehmer mehr arbeitet, als er vertraglich müsste. Mehrarbeit dann, wenn die tariflich vorgesehene Arbeitszeit überschritten wurde. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass beides legitim sein kann, wenn es vertraglich geregelt ist. In diesem Fall hast du den Überstunden beim Unterschreiben deines Vertrags zugestimmt. Ein paar Regeln gibt es dennoch. Daher werden im Folgenden die wichtigsten Fragen rund ums Thema Überstunden beantwortet.

Frau Schreibtisch
Es ist es in deinem Vertrag nicht festgehalten, dann musst du nicht regelmäßig Überstunden machen. Credit: IMAGO / Addictive Stock

1. Frage: Sind Überstunden Pflicht?

Wenn du regelmäßig Überstunden machst und der Tag keine Ende nimmt, muss dies in deinem Arbeitsvertrag, in einer Betriebsvereinbarung oder im Tarifvertrag festgehalten sein, denn grundsätzlich muss niemand Überstunden machen. Hierbei ist es wichtig, dass der Absatz über die Überstunden deutlich und unmissverständlich formuliert ist. Damit du also am Ende keine böse Überraschung erlebst, lohnt es sich, den Arbeitsvertrag vor der Unterzeichnung genau zu lesen. Werden Überstunden hier erwähnt, dann wirst du von Zeit zu Zeit mehr arbeiten müssen, zum Beispiel, wenn eine akute Personalnot vorliegt. Aber: Falls du die Überstunden nicht schaffst oder wichtige Termine hast, ist es keine Schande im Job auch mal Nein zu sagen. Suche also in jedem Fall das Gespräch mit deinem Chef oder deiner Chefin, wenn die Mehrarbeit überhand nimmt.

2. Frage: Kannst du die Überstunden verweigern?

Grundsätzlich darf deine Arbeitszeit nach dem Arbeitszeitgesetz acht Stunden nicht überschreiten. Bis zu zehn Stunden sind möglich, wenn der Chef oder die Chefin dafür sorgt, dass die angefallene Mehrarbeit in den nächsten sechs Monaten ausgeglichen werden kann. Das gilt jedoch nicht, wenn du als Teilzeitkraft eingestellt, jugendlich oder schwanger bist. Außerdem gibt es noch eine Besonderheit, denn der Samstag ist ein Werktag. Es ist somit möglich, dass du auch an einem Samstag Überstunden machen musst. Du kannst also die Überstunden nicht verweigern, aber sie in den kommenden Monaten wieder ausgleichen.

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3. Frage: Müssen Überstunden dokumentiert werden?

Du hast einige Überstunden gesammelt? Dann halte diese in einem Stundenzettel fest. Dieser sollte den Zeitraum und das Datum enthalten und regelmäßig abgezeichnet werden. So hast du einen Nachweis für deine Mehrarbeit, den du vorlegen kannst, falls es nötig ist. Um Missverständnisse zu vermeiden, sollte Mehrarbeit immer dokumentiert werden.

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4. Frage: Musst du ständig Überstunden machen?

Nehmen deine Überstunden überhand, denn dokumentiere sie, sofern sie nicht durch eine Stechuhr oder Ähnliches bereits festgehalten werden. Machst du regelmäßig viele Überstunden, spreche mit deinem Chef oder deiner Chefin über das Problem und bitte um eine Lösung. Du kannst mit ihm oder ihr vereinbaren, dass die Überstunden ausgezahlt werden oder es einen Freizeitausgleich gibt.

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5. Frage: Hast du Anspruch auf Bezahlung der Überstunden?

Es kommt darauf an, ob deine Überstunden bereits in deinem Arbeitsvertrag festgehalten sind oder nicht. Ist dies der Fall, steht dort genau, was du dafür erhältst. Sind sie nicht in deinem Vertrag enthalten, musst du dir deine Sorgen machen, denn auch hier wird dein Arbeitgeber zahlen müssen. Der Lohn pro Überstunde berechnet sich dann anteilig gemessen an deinem Monatsgehalt. Du wirst also für die Zeit, die du mehr gearbeitet hast, vergütet.

Außer du erhältst einen Freizeitausgleich, durch den du zusätzliche freie Tage nehmen kannst. Wird deine Arbeitszeit zum Beispiel elektronisch festgehalten, kannst du dir für die Überstunden an anderen Tagen automatisch frei nehmen. Dies musst du jedoch mit deinem Chef oder deiner Chefin vorab abklären – das ist auch der Fall, wenn in deinem Vertrag nichts zu dem Thema Überstunden steht.

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Fazit: Deine Überstunden werden bezahlt oder du erhältst zusätzliche freie Tage

Wie deine Überstunden geregelt sind, ist meist in deinem Arbeitsvertrag festgehalten. Ist dies nicht der Fall, solltest du die Mehrarbeit dokumentieren und bei zu vielen Stunden mit deinem Chef bzw. deiner Chefin darüber sprechen. Anschließend werden dir deine Überstunden ausbezahlt oder du erhältst zusätzliche freie Tage. Dies kann jedoch variieren, je nachdem, was in deinem Vertrag steht. Fakt ist jedoch: Du musst keinesfalls jeden Tag länger arbeiten als ursprünglich vereinbart war und hast ein Recht darauf, dass dir die Stunden angerechnet oder ausbezahlt werden.

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