In der Coronakrise sind Studierende irgendwo zwischen Schülern und Arbeitnehmern einzuordnen. Sie können von zu Hause aus lernen, digital an Vorlesungen teilnehmen und online Prüfungen ablegen. Und dennoch stehen sie vor enormen Herausforderungen. Was auf den ersten Blick besonders coronakonform wirkt, ist auf den zweiten eine hohe Kunst des Organisierens. Denn das Studentenleben hat sich grundlegend verändert.

Wir erklären dir, welche Probleme durch die Corona-Pandemie entstanden sind und welche Lösungen es dafür gibt.

Studentenleben: Abseits von Bars, Bibliotheken & Clubs

Auf der einen Seite lässt sich das Studentendasein gut in die Corona-Vorgaben einfügen. Auch sind viele Studierende begeistert von der Vielzahl an digitalen Angeboten. Somit kann an Online-Vorlesungen ganz bequem von zu Hause aus teilgenommen werden und auch verlängerte Abgabefristen für Hausarbeiten und Co. haben ihre Vorteile.

Dennoch wird den Studierenden eine Menge abverlangt. Statt mit Kommilitonen zu lernen und Professoren in der Vorlesung um Rat zu fragen, sind seit der Pandemie viele auf sich alleine gestellt. Hinzu kommt, dass Corona einige grundlegende Probleme mit sich bringt:

1. Die finanzielle Situation

Ein Großteil der Studierenden finanziert ihr Studium durch Nebenjobs – dazu zählen besonders Jobs in der Gastronomie. Und genau diese Verdienstmöglichkeiten fallen im Corona-Lockdown weg. Sodass das Geld für Miete und Lebensunterhalt schnell knapp werden kann.

Innerhalb einer Befragung von 28.000 Studierenden in ganz Deutschland konnte herausgefunden werden, welchen Einfluss die Pandemie auf die Finanzen der Studierenden hat. Das Ergebnis: nicht überraschend. So lebt jeder vierte Studierende wieder bei seinen Eltern. 2019 waren es lediglich 21,4 Prozent. Also ein Anstieg von mehr als 100.000 Studierenden.

Geld sparen weihnachtsgeld
Studentenleben: Wenn der Nebenjob wegbricht, kann das Geld knapp werden. Credit: Yulia Grigoryeva/ istock / Yulia Grigoryeva/ istock

Ein Grund hierfür ist, dass die Miete selbst in Corona drastisch ansteigt. 2019 zahlten Studierende in Deutschland durchschnittlich 12,55 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter Wohnfläche. Bis zum Sommersemester 2020 erhöhte sich dieser Wert um etwa 8 Prozent auf 13,54 Euro.

Außerdem werden weniger Studierende von ihren Eltern unterstützt, sodass sie sich höher verschulden. Denn die Studie fand heraus, dass Hochschüler:innen, die ein Darlehen oder Kredit laufen hatten, 2020 monatlich 12,8 Prozent mehr benötigten als noch 2019 (492 Euro auf 555 Euro).

Weiterhin fiel auf, dass Studierende monatlich 13,16 Prozent mehr aus ihren Ersparnissen bezogen (471 Euro auf 533 Euro). Das aktuelle Studentenleben und die finanzielle Situation sind damit für viele Studierende eine starke Belastung.

Es wird auch bei dir langsam finanziell knapp? Dann kommen hier hilfreiche Tipps.

So sicherst du dich finanziell wieder ab

Wenn du deinen Nebenjob in der Gastronomie verloren hast, dann halte nach Online-Jobs Ausschau. Du wirst merken, dass mittlerweile eine Vielzahl an Jobs direkt als Online-Job ausgeschrieben werden.

Das gilt besonders für Kreativbranchen, alles rund um Sprachen sowie wirtschaftlich oder politische orientierte Jobs. Der Vorteil: Ein Online-Job bricht so schnell nicht weg und erhöht die Chance, dass du dir keine Sorgen mehr um deine finanzielle Situation machen musst.

Eine weitere Möglichkeit ist, dein Umfeld im Auge zu behalten. Deine Nachbarin versucht das Arbeiten im Homeoffice, die Kinderbetreuung und die Versorgung ihres Familienhundes unter einen Hut zu bringen? Dann biete deine Hilfe an. Durch die Coronakrise fallen zwar einige Jobs weg, aber es entstehen auch neue.

Gleiches gilt für die vielen Testzentren, die immer wieder nach Aushilfen suchen oder die unzähligen Paketzusteller, die aufgrund des Online-Shoppings ordentlich zu tun haben.

Unser Tipp: Suchst du einen längerfristigen Hob? Dann bieten sich LinkedIn und Xing an. Du brauchst noch ein neues Bewerbungsfoto? Dann findest du hier Tipps, die dafür sorgen, dass deine Bewerbung die Personaler überzeugen wird.

2. Die psychische Belastung

Jeden Tag in den eigenen vier Wänden zu lernen, kaum Kommilitonen zu sehen (oder überhaupt zu kennen) und kein typisches Studentenleben zu haben, kann frustrierend sein.

Hinzu kommt bei vielen das Leben in der WG, in denen die Mitbewohner häufig unterschiedliche Klausurenphasen haben oder alle gleichzeitig Videokonferenzen. Beides erfordert immer wieder Absprachen und Rücksichtnahme. Kurz: Es kommen viele Faktoren zusammen, die belastend sind.

Porno-Industrie
Das Zuhause bleiben hat seinen Preis. Credit: istock, Yelizaveta Tomashevska /

Demzufolge ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa), dass psychologische Hilfsangebote in der Pandemie verstärkt in Anspruch genommen werden.

Grund für die Beratungen sind Depressionen und Ängste. Sowie die veränderten Arbeits- und Lernbedingungen und damit der Wegfall von äußeren Strukturen im Alltag. Was sonst hilft oder auch für Ausgleich sorgt, ist nur eingeschränkt möglich. Von dem klassischen Studentenleben ist nicht mehr viel übrig.

Hinzu kommt die Unsicherheit darüber, wie es in den kommenden Semestern weitergeht wird und die damit einhergehende fehlende Planbarkeit. Insbesondere dann, wenn ein Uniabschluss in Corona bevorsteht.

Im RBB erklärt Marianne Tatschner, die die psychologische Beratungsstelle an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) betreut, außerdem:

Der deutlichste Effekt, den ich feststellen kann ist, dass sich bereits vorhandene Probleme verstärken, insbesondere Ängste und depressive Zustände.

Marianne Tatschner

Probleme, mit denen vorher noch umgegangen werden konnte, können die Studierenden nun überfordern.

So bleibst du mental stark

Dir wird alles zu viel? Dann scheue dich nicht davor, mit anderen darüber zu sprechen. Häufig hilft es zu hören, dass es anderen Studierenden genauso geht und sie mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben.

Wenn du jedoch merkst, dass du es nicht schaffst, deinen Alltag zu meistern, dann wende dich an die psychologischen Beratungsstellen deiner Uni oder einen Psychologen in deiner Umgebung. Inzwischen gibt es auch viele Online-Angebote, wenn du länger auf einen Termin warten musst.

Bis dahin empfehlen wir dir, Pausen einzulegen, in denen du sportlichen Aktivitäten wie Joggen (Joggen kann jeder lernen) oder Yoga nachgehst oder dich einem kreativen Hobby widmest. Das schafft einen Ausgleich abseits des Unialltags und bringt dich auf andere Gedanken.

3. Die Perspektivlosigkeit

Du wirst nie wieder so viel Zeit haben wie in deinem Studium. Es ermöglicht es dir, dich persönlich weiterzuentwickeln, neue Orte zu sehen oder praktische Berufserfahrung zu sammeln, ohne dass du dich für diesen Job später auch entscheiden musst.

Zu Studieren heißt somit auch Zeit zu haben, um herauszufinden was man eigentlich genau machen will – und wo. Viele Studierende entscheiden sich daher auch für einen längeren Auslandsaufenthalt oder die eine oder andere Backpacking-Reise. Um Auslandserfahrung zu sammeln und herauszufinden, ob es einem woanders nicht doch besser gefällt.

Doch in der Corona-Pandemie leiden viele Studierende an Perspektivlosigkeit. Nicht alles ist so umsetzbar, wie sie es sich vorgestellt haben. Praktika werden abgesagt oder finden online statt. Reisen sind nicht möglich oder nur eingeschränkt. Und zukünftige Arbeitgeber bauen Stellen ab, haben keine Stellen frei oder zahlen weniger.

Student:in, Arbeiten, Motivationschreiben, Studium
Nicht nur das Studium, auch Praktika oder Auslandsaufenthalte sind nur begrenzt möglich. Credit: dusanpetkovic/Gettyimages / dusanpetkovic/Gettyimages

Wie du wieder Struktur in dein Leben bekommst

Finde Lösungen und Alternativen. Statt deine Ziele aufzugeben, überlege, was du auch in der Corona-Pandemie dafür tun kannst. Wenn dein Praktikum nur online stattfindet, dann nutze es dennoch, um das digitale Netzwerken zu lernen. Das wird dir später zu Gute kommen. Außerdem haben viele Unis tolle Online-Kurse zum Weiterbilden wie auf Coursera.

Wenn du einen guten Abschluss machen willst, dann sage dir, dass es jetzt die beste Zeit ist, um ordentlich zu lernen. Schließlich findet ohnehin nichts statt, was dich ablenken könnte. So kannst du die Zeit für dich sinnvoll nutzen.

Und wenn dich das Fernweh packt, dann bringe in Erfahrung, welche Länder auch während Corona bereist werden können und was dafür notwendig ist. Alternativ kannst du auch damit beginnen, die Sprache des Landes innerhalb eines Online-Kurses zu lernen. So erfährst du eine Menge über die Gegend und wirst es später leichter haben.

Außerdem: Diese Dinge hätten wir gerne vor dem Studium gewusst.

Studentenleben in Corona – halte durch!

Sicher lebst du gerade nicht das Studentenleben, das du dir vorgestellt hast. Doch das bedeutet nicht, dass du nicht trotzdem eine Menge aus deiner aktuellen Situation rausholen kannst.

Denn: Noch nie war es so einfach, sich digital zu vernetzen, von überall aus zu arbeiten und sich voll und ganz auf die Uni zu konzentrieren. Dabei solltest du im Hinterkopf behalten, dass du ein Studentenleben, wie du es dir vorstellst, auch sehr wahrscheinlich irgendwann wieder haben wirst.

Und dann: Hast du bereits Bomben-Noten, eine gutes Netzwerk und genügend Gründe, um auch keine Studentenparty auszulassen.

Um die Zeit bis dahin durchzuhalten, kann es hilfreich sein, die Kunst des Meditierens zu lernen. Meditieren sorgt dafür, emotional herunterzufahren, uns sich auf bestimmte Themen zu fokussieren. Außerdem erklären wir dir hier, wie du deine Produktivität steigern kannst.