10 Jahre pornosüchtig
Courtney Daniella Boateng spricht in einem Youtube-Video über ihre Pornosucht. Foto: Facebook/Courtney Daniella Boateng /

„Ich starrte auf den Computerbildschirm und war schockiert über das Video eines Mannes und einer Frau, die Oralsex hatten. Ich war gerade 10 Jahre alt und wusste, dass ich mir das nicht ansehen sollte, aber ich konnte nicht aufhören.“ 

Das sind die Worte von Courtney Daniella Boateng. Die 23-Jährige hat all ihren Mut zusammengenommen und das erste Mal ganz offen über ihre Pornosucht gesprochen – und damit viele schockiert. Denn Courtney wurde schon im Grundschulalter pornosüchtig.

Pornosucht noch vor der Pubertät

Neugierde trieb sie an den Computer, denn auf dem Pausenhof sprachen die Kinder immer wieder über Sex. Courtney wollte wissen, was genau das denn war und googelte zu Hause „Videos über Sex“. Doch statt des erhofften Erklärvideos sah die damals 10-Jährige ihren ersten Porno auf Pornhub.

„Es war so einfach gewesen, den Knopf zu drücken, auf dem stand, dass ich 18 Jahre alt wäre. Mama und Papa hatten die Kindersicherung nicht eingeschaltet, weil sie mir vertrauten und keine Website fragte jemals nach einem Ausweis“, beschreibt Courtney ihren ersten Kontakt mit pornografischen Inhalten in der britischen Zeitung The Sun.

„Das Video schockierte mich. Es war wie nichts, was ich zuvor gesehen hatte, und ich wollte sofort mehr sehen.“ Bald wurde es für das kleine Mädchen zur Routine, nach Sex-Videos zu suchen, wenn ihre Eltern nicht zuhause waren. Zwar suchte sie hauptsächlich nach romantischen Inhalten, doch ausgespielt wurden ihr teils verstörende Bilder.

Im April dieses Jahres lud sie ein Youtube-Video hoch, in dem Courtney von ihrer Pornosucht erzählt.

Mit der Zeit nahm der Porno-Konsum immer mehr zu. Mit 15 schaute sie 2 bis 3 Stunden Schmuddelfilme in der Woche. Pornos wurden für sie der Ausweg für alles – auch für den Stress in der Schule.

Ich fing auch an zu masturbieren. Jeder Orgasmus brachte eine Welle der Erleichterung“, erzählt sie in der Zeitung. „Obwohl es mich kurzfristig von Stress und Angst ablenkte, wünschte ich mir innerhalb von Minuten eine weitere Runde. Ich wurde süchtig nach dem Dopaminrausch.“

Keiner wusste von ihren Problemen

Je mehr Pornos Courtney sah, desto schlechter ging es ihr. Sie bekam psychische Probleme. „Meine Angstzustände gerieten durch den Stress, mich an der Universität zu bewerben, um Politik- und Sozialwissenschaften zu studieren, und übersprudelnde Hormone außer Kontrolle.“ 

Dann kam der Tiefpunkt: Mit 16 waren die psychischen Probleme nicht mehr zu ertragen. „Ich fühlte mich, als würde ich ersticken. Und dann versuchte ich, mir durch eine Überdosis Paracetamol das Leben zu nehmen. Ich schloss mich im Badezimmer ein, wo meine Schwester mich bewusstlos auf dem Boden fand und einen Krankenwagen rief.“

Die Ärzte konnten ihr Leben retten. Doch über den wirklichen Grund sprach Courtney mit niemandem. Zu peinlich war ihr ihre Pornosucht. „Ich wusste aber, dass es ein Faktor war. Ich war besessen davon, Orgasmen dafür benutzen, meine Angst zu lindern. Aber meine Sucht trug auch dazu bei, sie immer schlimmer zu machen.“

Pornos
Nicht nur Männer können pornosüchtig werden. Dass es dieses Klischee überhauot gibt, ärgert Courtney.(Photo: Dmitri Ma/ shutterstock)

Falsches Körpergefühl durch Pornos

Auch eine Beziehung mit 18 Jahren brachte keine Erlösung. „Der Sex entsprach nicht meinen unrealistischen Erwartungen. Er war umständlich, chaotisch und langweilig. Es gab keine Leidenschaft und wenn er nicht die gleiche Befriedigung bieten würde wie Pornos, warum sollte ich bei ihm bleiben?“

Nach fünf Monaten machte sie Schluss und konzentrierte sich wieder auf Pornos. Doch der Konsum befriedigte sie nicht mehr – ganz im Gegenteil. Durch die Sexfilme bekam eine falsche Sichtweise auf ihren Körper

„Ich konnte nicht anders, als mich mit den Mädchen auf dem Bildschirm zu vergleichen. Ich fing an, meinen Körper zu hassen, als ich bemerkte, dass ich mehr Kurven als sie hatte und meine Brüste nicht so eine Form hatten wie ihre.“

Sex, Paar, Bett
Der normale Sex hat nicht viel mit dem in Pornos gemein.(Photo: oleg66/istock.com)

Kalter Entzug brachte langsame Erfolge

Danach ging sie auf kalten Entzug. Keine Pornos, keine Masturbation, kein Sex. Stattdessen machte sie Yoga und Sport, schrieb Tagebuch, traf sich mit Freunden und ging sogar zur Kirche. Von heute auf morgen bezwang sie ihre Pornosucht aber nicht. „Ich habe akzeptiert, dass es einige Zeit dauern wird, bis ich mich besser fühlen werde.“

Im April dieses Jahres legte die 23-jährige Absolventin der renommierten Cambridge University dann eine Online-Beichte auf Youtube ab. „Es war das erste Mal, dass ich wirklich offen über meine Pornosucht sprach und versuchte, meine Angst zu bewältigen.“

Mehr als 880.000 Menschen haben Courtneys Video bereits gesehen. Die Reaktionen waren laut der Britin überwältigend. Viele berichteten von ähnlichen Erfahrungen. Pornos schaut sie heute keine mehr und sie vermisst es auch nicht. Sie konzentriert sich lieber auf ihr eigenes Business. Die Londonerin führt ein Geschäft für Perrücken. Momentan ist sie Single. „Ich warte nur darauf, dass der richtige Mann mir zeigt, was eine gesunde Beziehung ist.“ 

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