Lou Nesbit ist in der deutschen Pornoszene ein Name. Knapp vier Jahre hat sie professionelle und Amateurpornos gedreht. Dann kam ihr Ausstieg ganz plötzlich. Was dazu geführt hat und was sich in der Branche verändert muss, erfährst du hier.

Die deutsche Porno-Industrie

Die Porno-Industrie ist ein gigantischer Markt und wir Deutschen führen ihn an. Knapp 25 % unserer Suchanfragen zielen auf pornografische Inhalte ab. Insgesamt werden 12,6 Millionen Euro Umsatz pro Tag mit pornografischen Inhalten gemacht. Und 43 % aller Internetnutzer konsumieren sie und das mit durchschnittlich 11 Jahren zum ersten Mal.

Porno ist fester Bestandteil unserer Gesellschaft und unter jungen Leuten auch kein Tabuthema mehr. Pornoarbeiter:innen hingegen werden noch immer nicht akzeptiert. Sie sind Trophäen aus Sex-Bucket Lists, aber wehe, es gibt sie in der eigenen Familie. Das war allerdings noch nicht einmal der Grund, warum die deutsche Pornodarstellerin Lou Nesbit ausgestiegen ist. Warum dreht sie nichts? Vielmehr waren es falsche Vorwände und Versprechungen, unseriöse Produzenten und ihr junges Alter. Das ist passiert:

Lou Nesbits Weg in die Porno-Industrie

Schon vor ihrer Karriere war Lou Nesbit fasziniert von Pornos, schaute sie gern und wollte sich als Camgirl probieren. Angefangen hatte sie mit gerade einmal 18 Jahren unter dem Namen Lia Louise. Wie sie jetzt weiß, hat sie vor allem die Bestätigung für ihr Aussehen, ihren Körper und ihre Sexualität angetrieben, diesen Weg einzuschlagen.

Damals wurde sie von Produzent und Darsteller John Thompson und machte ihr Pornos schmackhaft. Eigentlich sollte bei dem ersten offiziellen Dreh nur Sex mit einem Mann stattfinden, stattdessen wurde es ein Gangbang, also Sex mit vielen Männern auf einmal. Besonders im ersten Jahr dreht Lou noch viele weitere Hardcorefilme, oft auch unter Drogen wie Ecstasy oder Kokain.

Vier Jahre hat sie danach weiter gedreht und in der Pornoindustrie gearbeitet. Sogar ihren jetzigen Partner hat sie dort kennen gelernt. Sie war ein Name in der deutschen Pornoindustrie und schien Spaß daran zu haben. Doch dann kommt die Instagramstory, die alles verändert Anfang 2020.

In der Strg_F-Doku spricht Lou Nesbit über ihren Ausstieg.
  • Fact: Lou Nesbit ist mit der Reportage von Strg_F nicht zufrieden, denn es wurde so geschnitten, als sei sie das Opfer der Pornoindustrie. Dabei wollte sie nur auf einzelne Misstände aufmerksam machen.

Lou Nesbit verkündet ihren Ausstieg

In der Instagramstory, die du auch in der Strg_F-Reportage noch einmal schauen kannst, verkündet sie ihren Ausstritt. In einem späteren Interview mit Unplanned erzählt sie, dass sie an dem Tag ein altes Video von sich gesehen habe und dieses so schlimme Flashbacks auslöste, dass sie daraufhin entschied, aus der Pornoindustrie auszusteigen.

Lou Nesbit, die selbst sagt, dass sie mental schon vor ihrer Karriere mit Depressionen zu kämpfen hat, zieht die Reißleine und steigt aus. Und das obwohl sie selbst sagt, dass 75% ihrer Arbeit toll war und sie die Pornobranche nach wie vor liebt. Das sind die Gründe:

  • Fact: Lou schaut inzwischen nur noch Amateurpornos, wie sie im Podcast Jakobsweg erzählt.

Die Akte John Thompson von GGG vs. Lou Nesbit

Besonders der erste Dreh, aber auch weitere Drehs aus ihrem ersten Jahr, hatte Lou Nesbit lange verdrängt. Der Grund: Sie hat dabei Dinge gemacht, die sie selbst geekelt haben. Bei diesem Thema kommt man an dem Produzenten John Thompson (GGG) nicht vorbei. Mit ihm drehte Lou ihren ersten richtigen Porno. Freiwillig, aber fremdgesteuert.

Im Interview mit Jakob von Jakobsweg erklärt sie, dass sie damals sehr naiv und wenig selbstbewusst war. Mit Komplimenten konnte man sie locken, denn Lou wurde in ihrer Jugend viel für ihr Aussehen gemobbt. Das hat John Thompson erkannt und sie zu mehr getrieben, als abgesprochen war. Denn ein Dreh mit nur einem männlichen Darsteller und weiteren Statisten (Stichwort Bukake) wurde spontan zum Gangbang (viele Männer, die aktiv Sex mit einer Frau haben).

Die Strg_F-Doku nahm zu anderen Pornodarstellerinnen Kontakt auf und erfuhr so, dass das wohle eine typische Masche von John Thompson sein soll: Junge Mädchen für einen normalen Dreh einladen und sie durch Komplimente und das Ausnutzen ihres Unwissens in einen Gangbang überreden. Natürlich hat sich John Thompson dazu geäußert, in Form der Ausnahmen von ihren gemeinsamen Drehs, in denen sie (wie es in Pornos üblich ist) vor der Kamera beteuert, dass sie gern Sex hat und sich auf den Dreh freut. Dass dieser Teil bereits zum Job zählt, sollte aber allen Pornozuschauer:innen klar sein.

In der Kommentarspalte unter den „Beweisvideos“ von John Thompson kommentiert Lou Nesbit abschließend, dass sie natürlich nicht gezwungen, aber eben manipuliert wurde. In vielen anderen Drehs hätte sie gelernt, dass es nicht normal ist, dass der Produzent vor dem eigentlich Dreh ein Privattape aufnimmt und auch, dass normerweise vor dem Dreh abgesprochen wird, was gemacht wird.

  • Tipp: Wie junge Frauen in die Porno-Industrie gezogen werden zeigt auch die Netflix Doku Hot Girls Wanted. Auch hier sind Drogen ein großes Thema.

Depressionen, Boderline & Flashbacks

Wie du bereits weißt, war Lou Nesbit schon vor ihrer Karriere depressiv und ist das auch geblieben. Schlimmer noch: Was anfänglich so aussah, als würde es ihr Ego pushen und ihr helfen, verschlimmerte alles. Auch ihr Drogenkonsum, um die Szenen erträglicher zu machen sorgten für extreme Gefühlstiefs.

Im Danke, gut-Podcast erzählt sie, dass sie außerdem unter dem Borderline-Syndrom leidet. Borderliner neigen zu extremen Gefühlsschwankungen von Ekstase bis hin zu Suizidgedanken. Mit 17 wurde dann bei ihr eine bipolare Störung diagnostiziert. Inzwischen ist sie in Behandlung und will alles erlebte verarbeiten.

  • Tipp: Wie du wirklich dein Selbstbewusstsein stärken kannst, erfährst du hier.

Zu jung & zu naiv

In ihren späteren Jahren hat Lou sehr viele Amateurpornos gedreht, besonders oft mit ihrem jetzigen Partner Egon Kowalski (Künstlername). Diese Jahre beschreibt als unglaublich toll, denn hier wusste sie, wie die Industrie funktioniert und was sie als Darstellerin entscheiden kann.

Mit 18 war das nicht so und sie hat sich viel ausnutzen lassen, sich zu Szenen überreden lassen, die sie heute mit Abscheu erfülle und alles aus dieser Zeit verdrängt. Eine weitere spätere Erkenntnis war, dass die Pornos gedreht hatte, die ihrer eigenen sexuellen Neigung völlig widersprachen. Aber diese Neigungen zeigten sich erst mit der Erfahrung und dem Alter.

Porno-Industrie
Warum sie weitergemacht hat? Selbsthass. (Symbolfoto)

Was fordert Lou Nesbit?

Die schlechten Erfahrungen in der Pornobranche, die sie hatte, waren wenige. Alles was sie bereut, geschah mit 18 Jahren. In den Jahren danach hat sie gelernt, was sie wollte und was nicht. Ihrer Meinung nach sollte die Altersgrenze für Pornos viel weiter oben liegen, bei mindestens 21 Jahren, besonders für Hardcore-Drehs.

Insbesondere Menschen, die bereits mit einer psychischen Störung zu kämpfen haben, sollten sich ihrer Meinung nach komplett aus Pornos fernhalten. Sie selbst kennt nach eigener Aussage viele andere Darsteller:innen, die wie sie noch Jahre nach den Drehs psychisch darunter leider, aber nicht darüber sprechen wollen. Sie möchte das Sprachrohr sein.

ABER: Es gibt Darsteller:innen, die diesen Beruf gerne ausüben. Lou Nesbit ist selbst ist davon überzeugt und möchte nicht die Pornoindustrie verbieten oder schlechtreden. Aber es gibt Risiken, auf die sie Aufmerksam machen möchte, über die (noch) viel zu wenig geredet werden.

Dreht Lou Nesbit wirklich keine Pornos mehr?

In ihren Statements klang es immer so als würde Lou gar keine Pornos mehr drehen wollen, in einigen Interviews gab sie dann aber an, dass sie noch vereinzelt Amateuraufnahmen mit ihrem Partner machen würde.

Nach einer kleinen Recherche ist klar: Ja, sie macht immer noch Pornos. Aber eben nur mit Egon Kowalski oder anderen Amateurdarstellern. Sie hat sich also „nur“ aus der professionellen Industrie verabschiedet.

Fazit: Wer sicher in Pornos einsteigen will braucht Grenzen & viel Selbstbewusstsein

Und das macht Lou Nesbit auch noch einmal deutlich: Sie ärgert sich über sich selbst, über ihr fehlendes Selbstbewusstsein, ihre Sehnsucht nach Anerkennung und männlicher Aufmerksamkeit, ihr eigenes selbstzerstörerisches Verhalten. Aber sie will nicht das Opfer sein, sie will mit ihrer Geschichte auf bestehende Probleme hinweisen.

Was würde helfen? Die Porno-Industrie aus der Schmuddelecke rausholen und härtere Gesetz verfassen, um Darsteller:innen zu schützen. Und hier sind besonders die großen Plattformen wie Pornhub, xhamster und Co. gefragt.

  • Dass Pornos nicht nur schlecht sind, und sogar Frauen helfen können, erklärt unsere Autorin ihrem Artikel über Pornos und Selbstliebe.