„Sehr geehrte Damen und Herren, ich begrüße sie an Bord des Fluges XY von Berlin nach München“. Vielflieger werden mit dieser Begrüßung mehr als vertraut sein. Doch genau mit diesen Worten ist bald Schluss – zumindest bei der größten Fluggesellschaft Deutschlands. Der Grund? Lufthansa möchte mit gutem Beispiel vorangehen und sich künftig genderneutraler Sprache bedienen.

Lufthansa schreibt sich Genderneutralität auf die Fahne

Die Begriffe Damen und Herren bilden längst nicht mehr das Spektrum unserer Gesellschaft ab. Unter anderem werden damit non-binäre Geschlechtsidentitäten ausgeschlossen. Die Lufthansa versucht nun scheinbar mit diesen Entwicklungen Schritt zu halten und verkündet, sich ab sofort genderneutraler Sprache zu bedienen. Was sich jetzt total aufregend liest, bedeutet aber nicht viel mehr, als dass künftig: „Guten Tag“ oder „Herzlich Willkommen an Bord“ aus den Lautsprechern der Maschine tönen wird.

Es wird demnach auf eine direkte Ansprache verzichtet. Die Vorgabe soll für alle Airlines der Lufthansa-Gruppe gelten: Darunter fallen Swiss Austrian Airlines sowie auch Eurowings. Ein Unternehmenssprecher der Airline sagt: „Die Crews sind gehalten, eine Ansprache zu wählen, die alle Passagiere anspricht.“

Welche genderneutrale Ansprache gewählt wird, liegt je im Ermessen der Pilotin oder des Piloten. Der Sprecher der Airline betont aber auch, dass es sich hierbei um einen „Prozess [handele], der einen gewissen Zeitraum einnimmt.“ Außerdem meint er, dass die Bestrebungen um Genderneutralität nicht allein auf den Flugbetrieb beschränkt wären, sondern derzeit den gesamten Konzern beschäftigen.

Flugzeug
Ob an Bord oder im Unternehmen selbst: Lufthansa möchte genderneutral werden. Credit: IMAGO / Addictive Stock

Genderneutralität wird zum Politikum

Wie Spiegel Online berichtet, kam die Ankündigung von Lufthansa nicht bei allen gut an. Vor allem in den sozialen Medien drohten einige damit, die Airline zukünftig zu boykottieren. Lufthansa sah sich gezwungen, ihre Ankündigung zu ergänzen und stellte klar, dass die alte Grußformel keineswegs verboten sei. Wer sich dieser bedienen würde, müsse also keinesfalls mit disziplinarischen Verfahren rechnen.

Trotz dieser im Nachhinein vorsichtig gefahrenen Linie positioniert sich Lufthansa klar. Ein Sprecher der Airline betont: „Vielfalt und Gleichberechtigung sind zentrale Werte für unser Unternehmen und unsere Unternehmenskultur. Diese Haltung wollen wir auch in unserer Sprache zum Ausdruck bringen.“

Es bleibt abzuwarten, wie konsequent die Ankündigung umgesetzt wird. Für den Moment geht Lufthansa einen großen Schritt in die richtige Richtung und fungiert als größte Airline Deutschlands als wichtiges Vorbild für zahlreiche weitere Firmen. Es bleibt zu hoffen, dass die sich eine Scheibe davon abschneiden und den Kritiker:innen der genderneutralen Sprache noch entschiedener entgegentreten.

Ähnliche Artikel: