Ich habe ein besonderes Verhältnis zur Farbe Pink. Denn ich habe sie jahrelang, wo es nur ging, gemieden. Besser gesagt: Ich habe sie boykottiert. Mir gefiel nicht, welche Bedeutung der Farbe zugewiesen wurde: zu kitschig, zu girly, zu schwach. Und so wollte ich mit Sicherheit nicht wirken.

Schon gar nicht wollte ich Männern einen Anlass geben, mich aufgrund der Farbe abzustempeln. Doch mein Verhältnis zur Farbe hat sich geändert. Mittlerweile bin ich dabei, mir die Farbe wiederzuerobern und trage sie mit Stolz. Wie mir der Film Natürlich Blond mit Reese Witherspoon in der Hauptrolle dabei geholfen hat, liest du in diesem Artikel…

Die Farbe Pink ist eine Frauenfarbe – wenn man in Schubladen denkt

Es ist gar nicht so lange her, da mussten wir bei wmn darüber nachdenken, wie unser finales Design der Website aussehen soll. Mitten in der Diskussion um Farb- und Formgebung stellte sich ein Mann hinter uns, unterbrach unser Gespräch und fragte, ob er seine Meinung als Designer dazugeben dürfte. Wenngleich wir von seiner plumpen Unterbrechung irritiert waren, waren wir zu diesem Zeitpunkt dankbar für jeden Input. Also hörten wir uns an, was er zu erzählen hatte.

„Ich würde euch auf jeden Fall empfehlen, die Farben Pink und Rosa für euer Design zu nutzen. Das sind einfach Frauenfarben und ihr seid ein Online-Frauenmagazin.“ So oder so ähnlich klang sein Input, der uns zunächst zweifeln ließ: Meint der das wirklich ernst? Wir suchten die Blicke der anderen und mussten beinahe ein Lachen unterdrücken. Wie ihr sehen könnt, hat die Farbe Pink letztlich nicht das Rennen gemacht. Wir entschieden uns für eine Mischung aus Anthrazit und Aubergine.

Pink und Rosa als „Mädchenfarben“?

Das Klischee, welches besagter Designer bediente, ist jedem bekannt: Rosa ist eine Mädchenfarbe. Blau ist eine Jungenfarbe. Von vielen wird das Klischee sogar stetig manifestiert: Sie kleiden ihre Neugeborenen je in die passende Farbe zum Geschlecht – nicht, dass noch Verwirrung aufkommt!

Allerdings fiel diese Farbcodierung nicht immer so aus. Im 18. Jahrhundert galt rosa noch als das kleine Rot für Jungs. Rot das ist die Farbe des Bluts, des Kampfs, der Aggressivität. Eindeutig mussten Jungen in dieser Farbe herumlaufen. Mädchen zog man stattdessen hellblaue Kleidung an, die symbolisch für Reinheit und Unschuld stand.

Rosa
Rosa und Pink, das sind Farben für Mädchen in den Köpfen vieler. Credit: IMAGO / Addictive Stock

Pink als Symbol für Schwäche: Danke, Barbie

Heute ist die Farbe Pink stark sexualisiert und ein konstruiertes Symbol für Weiblichkeit. Im selben Atemzug wird der Farbe Schwäche, Passivität und Künstlichkeit angedichtet. Im Patriarchat ist es natürlich völlig logisch, dass eine vermeintlich schwache Farbe dem vermeintlich schwachen Geschlecht zugeordnet wird.

Doch wie konnte sich dieses Bild durchsetzen? Liegt es daran, dass wir Frauen von klein auf mit pinkem Spielzeug großgezogen werden? Googelt man den Begriff „Spielzeug für Mädchen“ und guckt sich die Bilder im Suchergebnis an, strahlt es einem Pink entgegen.

Wiederholt man die Suche für Jungen, muss man erschreckend feststellen, dass sich hier vor allem dunkle Farben finden. Mal ganz davon abgesehen, dass hier deutlich technischere Spielzeuge zu sehen sind, während bei den Mädchen Kochstellen und Kosmetikkoffer hoch im Kurs sind.

Aber auch die Barbie-Puppe findet sich hier, die uns Mädchen nicht nur ein unrealistisches Körperbild lehrte, sondern die natürlich in einem pinken Puppenhaus lebt, ein pinkes Cabrio fährt und meist in Pink gekleidet ist. Barbie verleiht der Farbe Pink damit etwas Divenhaftes, Exzentrisches und gleichzeitig etwas Schwaches.

Denn würde Barbie Millicent Roberts, so ihr richtiger Name, der Autoschlüssel runterfallen, wäre sie mit ihren Meterbeinen und mit ihrem überdimensionierten Busen nicht mal in der Lage, ihn selbst aufzuheben.

Barbie
Barbie ist eine pinke Plastikpuppe, die vor allem Mädchen zum Spielen in die Hand gedrückt wird. Credit: IMAGO / Eibner

Pink ist eine politische Farbe

Auch im Real Life wurde der Farbe Pink über Jahre unrecht getan. Nehmen wir als Beispiel Paris Hilton, die nicht nur sich gerne in Rosa kleidet, sondern auch ihrem Hund pinkfarbene Halsbänder kauft und mit einem Rosa Bentley durch die Gegend fährt.

Paris Hilton ist eine Marke, die man unweigerlich mit der Farbe Rosa assoziiert, aber eben auch mit Dummheit. Wenngleich Paris Hilton keineswegs dumm ist. In zahlreichen Interviews konnte sie sich von diesem Image bereits reinwaschen und betonte, dass es einfach eine verdammt lukrative Rolle war, die Dumme zu spielen.

Dass die Farbe Pink und Dummheit auch hierzulande miteinander in Verbindung gebracht werden, beweist die Rolle der Cindy aus Marzahn. Sie stand stets mit einem pinken Gltzer-Jogginganzug auf der Bühne und legte ihr Stand-up Programm hin. Damit zeigt die Farbe Pink auch Klassenunterschiede an. Kurzum: Pink ist politisch.

Paris Hilton
Paris Hilton hat die Farbe Rosa mit Reichtum, aber eben auch mit gespielter Dummheit besetzt. Credit: imago images / Matrix

Wie „Natürlich Blond“ mir die Farbe Pink schmackhaft machte

Jahrelang empfand ich die Farbe Pink aus oben genannten Gründen als zu girly, zu schwach, zu süß und einfach zu blöd. Nie im Leben wäre ich auf die Idee gekommen, etwas in Rosa oder Pink anzuziehen. Höchstens etwas Lachsfarbenes schaffte es in meine Garderobe. Doch mein Empfinden für die Farbe Pink sollte sich ändern – und zwar als ich zum ersten Mal den Film Natürlich Blond aus dem Jahr 2001 im Fernsehen sah.

Reese Witherspoon spielt in diesem Film eine blonde Schönheitskönigin namens Elle Woods, die stets in Pink gekleidet ist und auch ihren Hund Brutus, ähnlich wie Paris Hilton, pinke Accessoires verleiht. Doch damit ist die Story nicht auserzählt. Denn Elle wird bald schon von ihrem Freund verlassen, der nach Harvard gehen möchte und Elle als Hindernis für seine angestrebte politische Karriere versteht.

Zunächst noch von dem Willen angetrieben, ihren Ex zurückzuerobern, versucht nun auch Elle nach Harvard an die juristische Fakultät zu kommen. Zur Überraschung vieler ihrer Kommilitonen wird sie tatsächlich angenommen und muss sich zunächst gegen zahlreiche Vorurteile durchsetzen.

Bald schon gerät der Rückeroberungsversuch ihres Ex-Freunds jedoch völlig in den Hintergrund. Stattdessen entdeckt Elle, dass sie tatsächlich eine gute Anwältin abgibt und schafft es sogar ins Anwaltsteam ihres Professors. Zuletzt wird ein wichtiger Fall vor Gericht sogar von ihr gewonnen – und das trotz pinkem Kostüm, rosa Lipgloss und perfekt sitzender Frisur.

Natürlich Blond
Elle Woods beweist, dass Verstand und Intelligenz keine Frage der Garderobe sind. Credit: IMAGO/ United Archives

„Also fuck it! Ich sollte wieder mehr Pink tragen.“

Wenn der Film auch etwas klamaukig daherkommt, hat er, ich kann es nicht anders sagen, in mir ein Feuer entfacht. Nach dem Abspann saß ich empowert auf der Couch und dachte so bei mir:

„Ich muss gar nicht so aussehen, wie die Leute es von mir erwarten. Ich kann mich schminken, frisieren und so pink kleiden, wie ich möchte. Was die anderen darüber denken, kann mir getrost egal sein. Erst recht, was Männer darüber denken! Und überhaupt: Pink und blonde Haare sehen klasse zusammen aus. Also fuck it! Ich sollte wieder mehr Pink tragen.“

Die WELT findet für mein Gefühl in diesem Moment mit der Headline „Elle Woods, die ewige Heldin des Lipgloss Feminismus“ die richtigen Worte. Ich bin mir sicher, dass dieser Film, egal wie einfach die Story sein mag, ein empowerndes Meisterwerk ist. Und auch Reese Witherspoon meint in einem Interview, dass Elle Woods die Rolle ihres Lebens gewesen sei.

Der Film macht deutlich, dass wir es selbst in der Hand haben, wie wir die Farbe Pink auslegen. Ich trage die Farbe heute gerne, habe Blusen, Pullis und ein Portemonnaie in der Farbe.

Für mich ist Pink längst keine per se weibliche Farbe mehr. Vielmehr steht sie in meinen Augen für Stärke, Lebensfreude und Durchsetzungsvermögen. Und wer auch immer sich in diese Gefühle hüllen mag, soll es tun! Lasst uns die Farbe Pink gemeinsam zurückerobern.

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