Es ist gar nicht so lange her, da führte ich selbst eine unglückliche Beziehung. Nach außen wirkten wir wie das perfekte Paar, immerhin füllte ich wöchentlich mein Instagram-Profil mit süßen Pärchenbildern. Hinter den Kulissen lebten wir zusammen, doch jeder führte sein eigenes Leben. Sex wurde zum absoluten Highlight, lief aber weitestgehend routiniert ab. Wir hatten uns schlicht auseinandergelebt. Eingestehen wollte sich das zunächst keiner von uns beiden – ich noch weniger als er. Heute bin ich froh, dass er sich schlussendlich von mir trennte. Und dennoch bewegt mich bis heute die Frage: Warum konnte ich mich nicht trennen? In diesem Artikel zeige ich dir, warum der Schritt so schwerfällt und warum er dennoch so wichtig ist…

Wein & Weiber ist der Podcast zum wmn-Magazin. In dieser Folge sprechen Mona und Lisa über monogame Beziehungen und wie sie halten.

Warum kann ich mich nicht trennen? Gefangen im Unglück

Laut einer repräsentativen Umfrage von statista aus dem Jahr 2019 befinden sich etwa 60 % der Deutschen in einer festen Beziehung. Viele von denen, die noch als Singles unterwegs sind, wünschen sich ebenfalls in einer festen Beziehung zu sein. Hoch lebe die Monogamie!

Das verwundert nicht, da uns seit jeher medial oder durch unsere Eltern eingetrichtert wurde, dass Beziehungen ein wahrer Segen sind. Sie bieten (finanzielle) Sicherheit, Geborgenheit, Liebe und im besten Fall Seelenverwandtschaft.

Wenn wir ehrlich sind, wissen wir aber auch, dass nicht jede Beziehung das Gelbe vom Ei ist. 60 % der Deutschen mögen vielleicht vergeben sein. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie auch glücklich vergeben sind. Seitensprünge, Ungereimtheiten in Sachen gemeinsame Zukunft (Stichwort Kinderwunsch) oder mangelnde Gefühle für den oder die andere:n lassen so manche Beziehung zum emotionalen Minenfeld werden. Mal ganz abgesehen davon, dass viele dieser Vergebenen sich in konfusen On-Off-Beziehungsmodellen befinden.

Wenngleich es eine Vielzahl unglücklicher Beziehungen gibt, halten viele doch an ihnen fest. Wie auch ich in meiner letzten unglücklichen Beziehung, wissen sie unterbewusst zwar, dass daran festzuhalten eher schadet als nützt. Eine Trennung bleibt für sie dennoch ausgeschlossen – wenn sie auch ständig die Frage umwebt: Warum kann ich mich nicht trennen? Gründe dafür gibt es tatsächlich einige. Viele von ihnen sollte man jedoch noch einmal genau abwägen…

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Eine Beziehung gehört für viele in den Lebensplan. Doch was, wenn sie absolut unglücklich macht? Credit: IMAGO / Addictive Stock

Warum kann man kaputte Beziehungen nicht einfach ziehen lassen?

Auch wenn Umfragen nahelegen, dass Frauen häufiger Schluss machen als Männer, sind sie es auch, die sich schwerer damit tun, eine Beziehung ziehen zu lassen. Doch warum kann man sich nicht trennen? Die Gründe dafür liegen häufig in der Vergangenheit begraben. Dass wir uns nicht trennen können, ist oft keine Frage fehlender Intelligenz oder Durchsetzungsstärke, sondern verfolgt in Wahrheit einen tieferen Sinn…

Grund 1: Wir müssen uns nicht mit uns selbst auseinandersetzen

Solange man in einer Beziehung verweilt, vor allem in einer unglücklichen, kann man alle Probleme auf den anderen schieben. Schnell verfängt man sich in dem Irrglauben, der Partner oder die Partnerin wäre verantwortlich für das eigene Glück. Natürlich ist die Angst vor einer Trennung dann unterbewusst sehr groß. Geht man den Schritt und trennt sich, ist man immerhin plötzlich allein für sein Glück verantwortlich. Zwei Dinge die man jedoch verstehen muss:

  1. Auch in einer Beziehung ist man sein eigener Glückes Schmied. Der Partner oder die Partnerin sollte nicht einzig über die Gefühlslage entscheiden.
  2. Wer in einer dermaßen unglücklichen Beziehung ist, dass keine Chance auf Besserung besteht, fährt mit einer Trennung besser. Manchmal ist das die einzige Möglichkeit, voranzukommen und zu neuem Glück zu finden.
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Eine Beziehung allein sollte nie über dein Glück bestimmen. Credit: Foto: Pexels/ Krishna Studio

Grund 2: Angst vor Liebeskummer & Verlust

Eine Trennung kann wehtun und kostet Zeit, um darüber hinwegzukommen. Vielleicht hat man auch schon die ein oder andere Trennung hinter sich und fürchtet das Gefühl aus dieser Erfahrung daher umso mehr. Statt sich mit dem Gedanken an eine Trennung zu ängstigen, wälzt man sich lieber weiter in Hoffnung und Sehnsucht an bessere Zeiten. Dass wir uns nicht trennen können, kann demnach auch als Schutzmechanismus unseres Körpers verstanden werden.

Solch unangenehme Gefühle sollten jedoch unserem zukünftigen Glück nicht im Weg stehen. Wer wissen möchte, wie man Trennungen am besten durchsteht, findet hier unsere besten Trennungs- Do’s und Dont’s.

Grund 3: Angst vor Einsamkeit

Der dritte und letzte Grund, warum man sich nicht trennen kann, liegt in der Angst vor der Einsamkeit. Auch mich lähmte diese Angst in meiner ehemaligen Beziehung. Erst recht, da ich im Laufe der Beziehung zahlreiche andere Sozialkontakte und eigene Hobbys auf der Strecke ließ. Ein Anfänger:innenfehler.

Schon klar: Niemand ist gern allein. Und eine Trennung bedeutet in der Regel, dass man einen Menschen aus seinem Leben verabschiedet, der sonst immer da war. Wer jedoch in einer dermaßen unglücklichen Beziehung ist, dass es keinen anderen Ausweg gibt, sollte sich nicht deswegen aufhalten lassen.

Mein Tipp: Beginne vermehrt Zeit mit Freunden, Bekannten und deiner Familie zu verbringen. Zu sehen, dass du nicht allein bist, nimmt dir deine Angst vor einer möglichen Trennung. Und wer weiß, vielleicht tut dir die Abwechslung auch so gut, dass plötzlich alle Gedanken an eine Trennung wie verflogen sind? So oder so: Sei mutig, DEIN Glück zu finden!

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Loslassen oder Dranbleiben? Oft braucht es für diese Entscheidung eine gesunde Portion Selbstreflektion. Credit: imago images/Westend61

Hilfe suchen bei der Frage: Warum kann ich mich nicht trennen?!

So logisch sich die obigen Gründe auch lesen: Vielen ist gar nicht bewusst, was sie davon abhält, sich zu trennen. Auch ich habe erst Jahre später verstanden, dass mich die Angst vor dem Ungewissen und dem Alleinsein in meiner ehemalig unglücklichen Beziehung gehalten hat.

Die Selbsterkenntnis setzt häufig erst dann ein, wenn das Unglücklichsein durch psychosomatische Beschwerden wie Depressionen, Panik- oder Angststörungen ergänzt wird. Also wenn selbst der Körper unterschwellig mitteilt, dass es Zeit für eine Veränderung ist.

Wer an diesem Punkt ist, aber auch, wer es erst gar nicht soweit kommen lassen möchte, tut gut daran, sich therapeutisch unterstützen zu lassen. Hier kann man der Frage genau auf den Grund gehen, warum man sich nicht aus einer unglücklichen Beziehung lösen kann. Oder aber man erkennt, dass alles gar nicht so schlimm ist und dass die Beziehung unter Umständen sogar noch zu retten ist! Wichtig ist einzig und allein zu verstehen, dass man mit seinen (Beziehungs-)Problemen nie allein dasteht. Um sie zu lösen, muss man sich ihnen allerdings mutig und offenen Auges stellen!

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