Alle wankelmütigen Herzen da draußen aufgepasst: Der 11. Dezember ist der Tag im Jahr, an dem sich die meisten Paare trennen – sagt zumindest die Statistik. Auch Paartherapeut:innen beobachten, dass es in der Vorweihnachtszeit vermehrt zu Brüchen innerhalb Beziehungen kommt. Wieso nehmen Trennungen vor Weihnachten zu?

Statistik zeigt: Mehr Trennungen vor Weihnachten

Da hat man sich monatelang den Kopf über das perfekte Weihnachtsgeschenk für den/die Partner:in zerbrochen und dann ist plötzlich Schluss. So geht es sehr vielen Menschen, wie eine Statistik zeigt: Das britische Unternehmen Information is Beautiful hat Änderungen des Beziehungsstatus von Facebook-User:innen in der Zeit um Weihnachten ausgewertet. Dabei stellte sich heraus, dass die meisten Trennungen vor Weihnachten stattfinden – der Höchstwert liegt am 11. Dezember.

Auch Scheidungsanwältinnen und Paartherapeuten beobachten einen Anstieg von Trennungen in der Vorweihnachtszeit. Dabei ist Weihnachten doch das Fest der Liebe! Wie kann es zwischen Glühwein und Lebkuchenherzen zu so viel Frust in Partnerschaften kommen?

Eine Trennung vor oder an Weihnachten ist eine echte Horrorvorstellung – kommt aber oft vor. Credit: Getty Images/ urbazon

Stress & Erwartungsdruck statt Besinnlichkeit & Liebe

Natürlich hat jedes (gescheiterte) Paar seine ganz individuellen Probleme und Krisen. Dennoch ist es interessant, dass ausgerechnet in der Vorweihnachtszeit die Negativität derart überhandnimmt, dass das, was das Jahr über noch funktioniert hat (oder zumindest geduldet wurde), nun endgültig zerbricht.

Der Hauptgrund liegt auf der Hand: Die vermeintlich besinnliche Weihnachtszeit ist für viele Menschen hauptsächlich eine sehr stressige Zeit, in der Geschenke gekauft, Dinner geplant und die Festtage organisiert werden müssen. Besonders belastend kann das für Menschen sein, die stets versuchen, es allen recht zu machen: „Meist geht es hauptsächlich darum, alle Erwartungen zu erfüllen. Diese sind hoch. Häufig spielt die Angst vor Enttäuschung eine Rolle“, erklärt die Paartherapeutin Vera Matt, wieso es in so vielen Familien an Weihnachten zu Streit kommt – und oft eben auch zur Trennung.

Wie kannst du eine Trennung vor Weihnachten verhindern?

Oft ist es so, dass instabile Beziehungen unter dem Druck der Vorweihnachtszeit zusammenbrechen. In vielen Fällen ist es also vielleicht gar nicht so schlecht, sich einzugestehen, dass diese Partnerschaft nicht die richtige für einen war – denn stressige Zeiten sollte eine gute Beziehung überstehen.

Schade ist es aber, wenn Partner:innen ihren Weihnachtsfrust auf die Beziehung projizieren und aus einer emotionalen Überforderung heraus vorschnelle Entscheidungen treffen. Um dein eigenes Stresslevel unten zu halten und eine Trennung vor Weihnachten zu vermeiden, kannst du Folgendes tun:

Schaffe Zeit für dich

Wir Menschen neigen dazu, uns im Strudel der vermeintlich lebenswichtigen Alltagsaufgaben zu verlieren. Aber am Ende sind Geschenke nur Geschenke und ein Dinner nur ein Dinner. Trau dich, Aufgaben abzugeben und sorge zumindest am Wochenende für einige Stunden Me-Time. Du kannst ein Entspannungsbad nehmen oder endlich mal wieder ein Buch lesen. Meditation hilft dir, dich zu entspannen und dir bewusst zu machen, dass nichts auf der Welt so wichtig ist, wie deine mentale Gesundheit.

Nimm dir Zeit für dich in der Vorweihnachtszeit. Credit: Getty Images/ Anastasiia Krivenok

Beginne früh mit der Organisation

Gewiefte Schenker:innen sammeln bereits das ganze Jahr Ideen, womit sie ihren Liebsten an Weihnachten eine Freude machen können. Im Dezember liegt dann bereits alles parat und während der Rest der Nation am 23.12. panisch die Läden stürmt, können sie sich ganz entspannt zurücklehnen. Auch mit der Festtagsplanung kann frühzeitig begonnen werden, immerhin ist Weihnachten jedes Jahr verlässlich am selben Datum.

Vermeide Streit an Weihnachten

Für manche Paare, die den 11. Dezember noch gerade so überstanden haben, wird es dann nach den Feiertagen eng. Denn Familienstreitereien gehören leider oft zum Fest der Liebe dazu und nicht selten verhärten sich dabei auch die Fronten zwischen den Partner:innen. Vera Matt rät, sich von grenzrechten Onkels und Schwestern auf Paleo-Diät nicht beeindrucken zu lassen.

Denn auch wenn das Bedürfnis groß ist, Opa von der Wichtigkeit der Gendersprache zu überzeugen, ist die Diskussion in den meisten Fällen zum Scheitern verurteilt. Vera Matt rät: „Statt den anderen überzeugen zu wollen, könntest du das Ganze umdrehen und die Ruhe und das Verständnis und die Aufmerksamkeit für den Anderen aktivieren.“ Ernste Gespräche (zum Beispiel mit dem grenzrechten Onkel) dürfen und müssen geführt werden – aber nicht an Weihnachten.

Serien Weihnachten
Streit an Weihnachten kommt in den besten Familien vor. Lass das nicht zu nah an dich & deine Beziehung heran. Credit: IMAGO / Everett Collection

Trennung vor Weihnachten: Manchmal auch die beste Lösung

Nicht nur Organisationsstress, blank liegende Nerven und Streit am Weihnachtstisch sind Gründe für eine Trennung vor oder an Weihnachten. Für viele Menschen ist der Gedanke, die nächsten Tage und Wochen im Kreise der Familie zu verbringen, eine tröstliche Motivation, endlich aus einer unglücklichen oder gar toxischen Beziehung auszusteigen. Auch deshalb wird die Trennungsrate im Dezember so hoch sein. Wer das ganze Jahr schon unglücklich war, sich aber nie zu einem Schlussstrich durchringen konnte, für den dürfte der 11. Dezember ein guter Tag werden.

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