Stonewalling ist ein häufig auftretendes Problem in Beziehungen und kann auf Dauer so viel Schaden anrichten, dass die Beziehung scheitert. Aber soweit muss es nicht kommen.

Was bedeutet Stonewalling?

Wenn jemand Stonewalling betreibt, dann „mauert“ er im übertragenden Sinne. Wahrscheinlich kennst du das Phänomen aus Streitereien in Beziehungen. Mitten im hitzigen Schlagabtausch macht einer der beiden Parteien plötzlich dicht, zieht sich zurück, sagt keinen Ton mehr. Manche nehmen sogar Reißaus und sind stundenlang nicht erreichbar. Fühlst du dich gerade ertappt, weil du selbst zu Stonewalling neigst? Oder wird dir ganz schlecht, weil du dieses Verhalten nur zu gut von deinem Partner bzw. deiner Partnerin kennst und es dich schier wahnsinnig macht? Dann bleib dran.

Was kannst du tun, wenn du zu Stonewalling neigst?

Wahrscheinlich ist dir schon längst klar, dass es nicht gerade die feine Art ist, sich einer Diskussion einfach zu entziehen oder den anderen mit seinen Emotionen allein zu lassen. Tatsächlich führt Stonewalling auch nur dazu, dass ihr denselben Streit immer und immer wieder führen müsst, weil du jede Chance auf eine Aussprache zunichte machst.

Mach dir aber auch klar, dass du nicht schuld bist an diesem Reflex, dich in einer emotionalen Stresssituation zurückzuziehen. Dein Körper trifft diese Entscheidung mehr, als dass du sie aktiv beeinflussen kannst. Was du aber beeinflussen kannst, ist dein Umgang mit diesem Reflex.

Versuche, beim nächsten Streit an diesen Tipp zu denken: Atme drei Mal kurz durch und sage bestimmt aber freundlich (nicht bevormundend!), dass du einen Moment für dich brauchst. Geh eine Runde um den Block oder bitte deinen bzw. deine Partner:in eine Weile den Raum zu verlassen. Wenn du dich beruhigt hast, könnt ihr weiterreden. Das muss nicht am selben Tag sein, aber bitte auch nicht erst in einer Woche.

Wichtig ist, dass du das Gespräch nicht grundsätzlich ablehnst. Egal, wie sehr dich das Thema nervt oder wie unbegreiflich für dich das Problem deines Gegenübers scheint. Dein:e Freund:in hat alles Recht der Welt, Dinge anzusprechen, die sie oder ihn stören und es ist eure gemeinsame Aufgabe, eine Lösung zu finden. Vergrabe dich also nicht hinter einer Mauer aus Ignoranz, sondern mach dir bewusst, dass du ihn oder sie auf kurz oder lang verlieren wirst, wenn du seine oder ihre Probleme nicht ernst nimmst.

Wenn du gerade nicht über das Problem streiten kannst, bitte dein Gegenüber, dir etwas Zeit zu gaben, statt dich zurückzuziehen. Canva/ Maridav

Was kannst du tun, wenn dein:e Partner:in zu Stonewalling neigt?

Vielleicht hört man es etwas am Ton dieses Artikels heraus, aber mein eigener Freund neigt extrem zu Stonewalling. Bei so ziemlich jedem Streit finde ich mich nach kurzer Zeit vor dem Bett stehend wieder, er hat die Decke über den Kopf gezogen und sagt kein Wort mehr. Ein bisschen erinnert die Situation dann an ein Kind, das Verstecken spielt: „Du kannst mich nicht sehen, ich kann dich nicht hören!“

Es ist ein schrecklich unbefriedigendes Gefühl, wenn ein Streit auf diese Art endet. Und wie oben schon geschrieben steht, endet er auch nicht wirklich. Er wird nur um eine Woche verschoben. Für mich als diejenige, die „gestonewalled“ wird, bedeutet das extremen Stress, denn ich fühle mich unverstanden, nicht wertgeschätzt und irgendwie auch weniger geliebt.

Dass solche negativen Gefühle auf Dauer ein Paar entfremden können, liegt auf der Hand. Deshalb ist die beste Lösung, das bestätigt auch meine eigene Erfahrung, in einer ruhigen Minute das Gespräch zu suchen. Es bringt nichts, weiter auf den in die Decke eingerollten Schmoller einzureden. Im Gegenteil, das macht alles nur schlimmer. Finde Wege zu akzeptieren, dass ihr das Problem heute nicht mehr lösen werdet und dass der Streit nichts über das Funktionieren eurer Beziehung im Allgemeinen aussagt. Meditation hat sich in meinem Fall als sehr hilfreich in solchen Momenten erwiesen.

Aber: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Es ist wichtig, dass du den Auslöser des Streites in einer ruhigen Minute noch einmal auf den Tisch bringst. Erkläre deiner oder deinem Partner:in, dass es sehr verletzend für dich ist, wie das Thema das letzte Mal beendet wurde. Sei konstruktiv, vermeide vorwurfsvolle Töne und werde nicht laut. Geh die Sache „pädagogisch“ an, wo wir wieder bei dem Bild des Kindes wären, das sich vor dir versteckt. Mache auf jeden Fall deutlich, dass du ein solches Streitverhalten nicht akzeptierst.

Seit ich aufgehört habe, meinem Stonewalling-Freund wie ein HB-Männchen hinterherzulaufen, obwohl er schon längst dichtgemacht hat und das Thema ihm und mir zuliebe auf eine entspannte Situation verschiebe, können wir viel besser über das sprechen, was manchmal eben besprochen werden muss.

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Meditation hilft dir, wenn dich eine Konfliktsituation überfordert. Foto: Getty Images/ Vicens Prats / EyeEm Credit: Foto: Getty Images/ Vicens Prats / EyeEm /

Stonewalling als Beziehungskiller

Wenn Dr. John Gottman vom Gottman-Institut sagt, Stonewalling führe auf Dauer zum Liebes-Aus, ist das eine harte, aber vermutlich realistische Prognose. Denn wenn Probleme in Beziehungen nie geklärt werden können, werden sie sich so lange ansammeln, bis es einem von beiden endgültig reicht. Wenn dir etwas an deiner Beziehung liegt und du – ob aktiv oder passiv – von Stonewalling betroffen bist, solltest du nicht nur alle Konfliktthemen, sondern auch das Thema Stonewalling selbst auf den Tisch bringen.

Natürlich kann Stonewalling auch in Freundschaften vorkommen. Wie du von Vornerein falsche Freunde erkennst, siehst du im Video:

Mehr Beziehungs-Tipps gibt es hier: Das kannst du tun bei Bindungsangst. Und wenn du in zwei Menschen gleichzeitig verliebt bist, helfen wir dir hier weiter.