Disclaimer: Ich schreibe in dieser Kolumne über heterosexuelle, monogame Beziehungen von drei Frauen und meine Sicht auf die Frage „Ist er der Richtige?“ Selbstverständlich sind auch alle anderen Geschlechter, Orientierungen und Beziehungskonstellationen angesprochen.

Ab wann ist man eigentlich in dem Alter, indem der neue Partner relevant wird? Einer, den man nicht mehr als „Lebensabschnittsgefährten“ bezeichnet, wie meine Freundinnen und ich es immer getan haben. Ab wann ist der neue Mensch im Leben potenzielles Heiratsmaterial (sofern man heiraten will, was bei mir zutrifft)? Ab wann fragt man zu Recht: Ist er der Richtige?

Lässt man mal den ganzen Quatsch von der Liebe auf den ersten Blick beiseite, muss es doch im Laufe einer Beziehung einen Zeitpunkt geben, an dem sich der große Unterschied herauskristallisiert. Der große Unterschied zu vorhergegangenen Beziehungen und zu anderen Menschen, die man gedatet hat, in die man verliebt gewesen ist – und dann nicht mehr.

Wie wird aus Fremden Liebende? Credit: Pexels/ cottonbro

(Noch) keine Hochzeit & ein Todesfall

Ich habe mir die Frage „Ist er der Richtige?“ das erste Mal bei meinem jetzigen Freund gestellt. Bei allen Beziehungen davor war mir trotz großer Verliebtheit immer klar, dass diese eines Tages unter der Rubrik „Jugendliebe“ ad acta gelegt sein werden. Als mein Partner vor über sieben Jahren in mein Leben trat (oder besser torkelte), war er nichts weiter als ein betrunkener Flirt auf einer Party. Ganz nett, ziemlich unterhaltsam, fürchterlicher Modegeschmack – kein Heiratsmaterial.

Und dann, einige Wochen und belanglose Dates später, starb meine Großmutter. Das war der schlimmste Verlust, den ich bisher hatte ertragen müssen. Den Moment, als meine Eltern bei meiner Arbeit auftauchten und ich sofort wusste warum, werde ich nie vergessen. Auch nicht, wie sich mich am Abend vor meiner Wohnung absetzten und ich nicht anders konnte, als ausgerechnet diesen Typen, den ich kaum kannte, zu bitten, vorbeizukommen. Unter all den Menschen, die mich hätten auffangen können – meine beste Freundin, meine Eltern, meine Mitbewohnerin – wollte ich ausgerechnet ihn sehen.

So saßen wir also die ganze Nacht auf meinem Bett, ich habe geweint und er hat mir langweilige Geschichten über seinen letzten Familienurlaub erzählt, als er auf Mallorca ein gebrochenes Bein hatte. Irgendwann gegen zwei Uhr nachts habe ich aufgehört zu weinen. Um vier habe ich das erste Mal gelacht. Und um fünf wusste ich: Er ist der Richtige.

Meine Kollegin wird bald heiraten. Woher wusste sie, dass er der Richtige ist? (Symbolfoto) Credit: Pexels/ Emma Bauso

Ist er der Richtige? She said Yes!

Gut, nun habe ich also den Zeitpunkt herausgefunden, an dem ich festgestellt habe, dass mein schlecht angezogenes Date sehr wohl Heiratsmaterial ist. Einen Ring habe ich zwar bis dato nicht bekommen (Wink mit dem Zaunpfahl an der Stelle), meine liebe Kollegin Arabella allerdings schon. Und deshalb habe ich sie einfach mal gefragt, woher sie wusste, dass ihr Zukünftiger der richtige Mann fürs Leben ist.

Tatsächlich hat sie ihren Freundinnen schon nach dem ersten Date geschrieben, dass sie diesen Mann irgendwann heiraten würde. Also doch ein kleiner Liebe-auf-den-ersten-Blick-Moment. Aber richtig bewusst, so erzählte sie mir, wurde es ihr erst Monate später: „Ich saß auf der Couch und er reparierte meinen Schrank und ich bemerkte in mir drin eine unglaubliche Ruhe. So als hätte gerade jemand ein Schalter angemacht und plötzlich fühlte ich mich Zuhause. Und dieses Gefühl ist seit diesem Moment für immer geblieben.“

Es braucht also keinen lebensverändernden Moment wie den Verlust eines geliebten Menschen, um zu erkennen, dass er der Richtige ist. Manchmal reicht es auch schon, den neuen Partner in einer ganz banalen Situation um sich zu haben und zu merken „Hey – ich fühl mich wohl mit ihm.“ So ist es auch bei einer weiteren wmn-Redakteurin gewesen, nämlich bei Lisa.

Redakteurin Lisa hat ihren Mr. Right vor fünf Jahren getroffen (Symbolfoto). Credit: Pexels/ Flo Maderebner

„Wenn ich dämlich tanze, tanzt er mit mir“

Sie ist seit etwa fünf Jahren mit ihrem Freund zusammen und weiß ganz genau, dass er der Richtige ist. Sie betont – was ich ebenfalls wichtig zu erwähnen finde –, dass das nicht bedeutet, dass sie zu 100 % für immer zusammen sein werden. Denn was die Zukunft bringt, kann keiner sagen. Aber sie wünscht es sich und so geht es mir auch. Nun, wann konnte Lisa also die Frage „Ist er der Richtige“ mit „Ja!“ beantworten?

Bei ihr gab es nicht den einen Schlüsselmoment wie bei Arabella und mir, sondern ganz viele kleine: „Wenn ich schief singe und er mich anlächelt, wenn ich dämlich tanze und er mit tanzt, wenn ich etwas wirklich Dummes sage und er nicht mit den Augen rollt, sondern mir ruhig das richtige Wissen an die Hand gibt.“ Ich denke, wir entscheiden uns dann für den Richtigen, wenn wir denjenigen wählen, der uns im Alltag ein gutes Gefühl gibt. Darin ist Lisas Freund übrigens besonders gut:

„Ich war getrieben von der Sorge, dass er mich eines Tages verlassen könnte“, erzählte sie mir. „Statt diese Sorge zu überhören, umarmte er mich von hinten, drehte mich in seine Richtung und sagte: ‚Lisa, du kannst dir über alles Sorgen machen, aber eines ist sicher: Ich bin da. Immer.'“

Wenn du weißt, dass du es weißt

Es sind nicht die romantischen Liebesbekundungen, die heldenhaften Schrankreparationen oder die Trauerbewältigungseinsätze, die uns zeigen, dass wir den Richtigen gefunden haben. Es sind all die kleinen Momente, die zwischen den großen Gesten passieren, die uns beweisen, dass wir vertrauen können. Dass es nicht bei der Geste bleibt und nicht bei dem einen Schrank oder dem einen Trauerfall. Sondern dass wir auch in Zukunft auf diesen Menschen setzen können und wollen. Wenn du dieses Gefühl hast, dann hast du den Richtigen gefunden …

… Was übrigens nicht heißt, dass du den einen Richtigen gefunden hast. Dann hätten wir alle nämlich ein riesiges Problem, wenn unsere Göttergatten eines Tages doch keine Lust mehr haben, unsere Schränke zu reparieren oder mit uns zu tanzen. Auf einen Topf passen immer mehrere Deckel und die wichtigste Konstante in unserem Leben sind wir selbst. Das soll bei all der Romantik, die das Thema dieser Kolumne mit sich bringt, nicht vergessen werden.

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