In den Tagesthemen ging es gestern Abend unter anderem um das Verbot von Plastiktüten, welches seit Beginn des Jahres in Kraft ist. Hierfür kam auch die Primark-Chefin Christiane Wiggers-Voellm zu Wort, welche betonte, dass Nachhaltigkeit auch für den Fast Fashion Riesen immer wichtiger würde. Der Sprecher des Beitrags sah das allerdings kritisch…

Primark möchte nachhaltiger werden – angeblich

Gestern Abend, am 03.01.2022, ging es in den Tagesthemen unter anderem um das Verbot von Plastiktüten im Einzelhandel. Dieses ist mit dem Beginn des Jahres in Kraft getreten. Supermärkte wie Edeka, REWE & Co., aber auch Moderiesen wie Primark, H&M & Co. müssen sich künftig um Alternativen bemühen – wenngleich die meisten Shops und so auch Primark diese Umstellung bereits lange vor dem Jahreswechsel vollzogen haben.

Das Problem sind vor allem im Hinblick auf den Fast Fashion-Riesen Primark aber weniger die nachhaltigen Tüten, sondern das, was in diesen Tüten enthalten ist. Shirts für vier Euro, Jeans für zehn Euro und Handtaschen für acht Euro. Wie kann das nachhaltig sein? Kritiker:innen sind sich sicher: gar nicht.

Im Interview mit den Tagesthemen kommt die Geschäftsführerin für Deutschland und Österreich der Marke Primark, Christiane Wiggers-Voellm, zu Wort: „Unsere Kunden erwarten Fashion von uns. Die erwarten günstige Preise von uns. Das ist das, wofür Primark steht. Aber sie erwarten auch Nachhaltigkeit von uns. Das ist mittlerweile ein Bestandteil der Fashion-Branche und es ist für uns als Unternehmen unglaublich wichtig.“

Wie wichtig ist Primark Nachhaltigkeit wirklich?

Der Sprecher des Tagesthemen-Beitrags zweifelt diese Aussage aus dem Off an. Er kommentiert: „Solange das neue Shirt in der Tüte kaum mehr kostet als die Tüte selbst, ist Nachhaltigkeit hier wohl auch ein Marketingfaktor. Am Ende ist eben nicht nur die Tüte entscheidend, sondern auch das, was drin liegt.“

Mit dieser kritischen Bemerkung greift er Stimmen auf, die seit Jahren nicht nur die schlechten Arbeitsbedingungen in der Produktion, sondern auch die Auswirkungen auf die Umwelt durch die Produktionsbedingungen von Primark bemängeln.

Seit Kurzem tritt die Marke diesem Image aber entschieden entgegen. Der Fast Fashion-Riese gab kürzlich unter anderem dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) bekannt, dass man mit Primark Cares künftig umweltfreundlicher agieren möchte.

In erster Linie erschwinglich, in zweiter nachhaltig

Christine Wiggers-Voellm betonte allerdings, dass die Marke in erster Linie erschwinglich und erst in zweiter nachhaltig sein soll. Damit wolle man der ursprünglichen Mission treu bleiben. „Als Primark vor 50 Jahren gegründet wurde, hatten wir die Vision, Mode für alle erschwinglich zu machen“, meint Wiggers-Voellm gegenüber RND.

Diese ursprüngliche Mission möchte man parallel mit der neuen Nachhaltigkeit fahren. Wiggers-Voellm ist sich sicher: „Wir glauben, dass es nicht teurer sein darf und auch nicht teurer sein muss, nachhaltig zu produzieren.“ Primark wird also auch zukünftig massenhaft und günstig produzieren. Nur eben etwas nachhaltiger.

Die Marke nimmt sich beispielsweise vor, auf Pailletten und aufwendige Drucke zu verzichten, um die Recycelbarkeit von Waren zu ermöglichen. Kritiker:innen sind sich unterdessen sicher, dass diese Taktik nicht aufgehen wird und die Marke dafür an anderer Stelle sparen muss, zum Beispiel an den Löhnen der Fabrikarbeiter:innen. Mehr dazu, wie Primark plant, nachhaltig zu werden, liest du hier.

Zuletzt zeigen die Aussagen der Marke Primark eines sehr deutlich: Ja, man hat verstanden, dass Nachhaltigkeit sehr wichtig ist – vor allem den Kund:innen. Die günstigen Preise werden jedoch auch zukünftig den Ton in Sachen Markenstrategie angeben. Die Tüte aus Papier an der Kasse wird somit zum Feigenblatt. Das kann jedoch nicht verdecken, dass Primark eindeutig größere und schnellere Schritte gen Nachhaltigkeit gehen müsste…

Ähnliche Artikel: