Sexspielzeug für Paare sind ein echter Hype, der in den letzten Jahren immer mehr Akzeptanz und Normalität erfahren hat. Doch meistens sind mit den Paaren nur Mann und Frau gemeint. Queere Pärchen-Konstellationen wie beispielsweise Mann-Mann werden komplett vergessen. Dabei ist es 2020! Hallo, da muss es doch schon etwas geben? 

Gibt es auch, nämlich bei Amorelie. Hier wurde im Sommer die erste rein-queere Sexspielzeug-Kollektion für queere Pärchen auf den Markt gebracht. Wir haben mit dem Designer Jon über seine Kollektion und den Sextoy-Markt gesprochen.

Sexspielzeug für Paare queer
Fünf neue Spielzeuge soll für mehr Spaß im Bett von queeren Pärchen sorgen.(Photo: Amorelie, Collage:wmn)

Amorelie Constellations: Die erste Sexspielzeug-Kollektion für queere Paare

Doch bevor wir uns auf Jon stürzen, möchten wir euch kurz die neue Kollektion vorstellen, damit ihr einen Eindruck von seiner Arbeit habt. Unter dem Motto Wir sehen alle in die gleichen Sterne!“, umfasst die Kollektion derzeit 5 verschiedene Sextoys für Pärchen mit zwei Vaginas und Penissen.

Ganz recht, Amorelie verzichtet gezielt auf die Bezeichnungen Mann und Frau, weil es viele Menschen gibt, die sich und ihre sexuelle Identität anders definieren. Mit dabei ist zum Beispiel ein Doppeldildo für zwei Vaginas, ein Doppel-Masturbator für zwei Penisse und noch viel mehr.

Alle Pärchen-Sextoys sehen aus wie aus einer anderen Welt und sollen das Motto aufgreifen. Der Glasdildo Octans etwa leuchtet sogar im Dunkeln. Psst, in unserem wmn-Adventskalender wird einer davon hinter einem Türchen versteckt sein. 

Alle Constellations Sexspielzeuge für queere Paare findest du hier genauer beschrieben.

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Das sind die Designer hinter der Amorelie Constellation Kollektion: Jon & Johanna.(Photo: Bruno Schlenker)

6 Fragen an Jon, den Sextoy-Designer von Constellations

Zusammen mit seinem Kreativteam von Amorelie hat Jon die neue Kollektion gestaltet und entwickelt. Wir sind natürlich unheimlich neugierig, wie man sich so eine Arbeit vorstellen kann und wie der Sexspielzeugmarkt für LGBTQIA* eigentlich aussieht.

wmn: Hallo Jon, du bist einer der kreativen Köpfe hinter der neuen Constellations Sexspielzeug-Kollektion für queere Paare von Amorelie. Bevor wir darüber sprechen, würde ich aber gern wissen, wie du eigentlich Sextoy-Designer geworden bist?

Jon Derman Harris: Ich habe Produktdesign studiert und während dieser Zeit ein Praktikum bei einem amerikanischen Unternehmen für Sexspielzeug absolviert. Sextoys waren also schon lange auf meinem Radar und als ich nach Deutschland zog, war Amorelie dann natürlich meine erste Wahl – ich wollte mit den Besten in der Industrie arbeiten.

wmn: Wie sieht ein typischer Design-Prozess für ein neues Sexspielzeug aus? Ich habe gehört, eure Kollegen helfen euch beim Testen neuer Modelle. Ist das die normale Vorgehensweise oder gibt es auch externe Testpanels?

Jon Derman Harris: Wir testen unsere Sextoys tatsächlich auch selbst! Das Feedback hilft uns, neue Konzepte schnell von einer vagen Idee zu einem funktionierenden Prototypen weiterzuentwickeln. Und wir haben natürlich auch das Glück, eine große Test-Community zu haben, die uns bei der Produktentwicklung unterstützt. Sollten eure Leser Interesse daran haben, selber Tester*innen zu werden, dann können sie uns gerne eine Email schreiben: tester@amorelie.com.

wmn: Oha, hab ich mir notiert. Als Produktdesigner versucht man ja stetig zu verbessern und innovative Ideen zu finden. Aber hast du manchmal nicht Angst, dass es irgendwann nichts Neues mehr auf dem Sexspielzeug-Markt geben wird?

Jon Derman Harris: Es gibt immer noch so viel zu tun und zu entdecken! Unser Team schäumt förmlich über mit Produktideen für eine sex-positive, nicht-binäre, nachhaltige und heiße Zukunft. Wenn das eines Tages alles in der Welt angekommen ist, dann können wir guten Gewissens weiterziehen.

wmn: Wo wir gerade von dieser schönen neuen Welt sprechen: Ich habe das Gefühl, der Sextoy-Markt war in der Vergangenheit fast ausschließlich auf Frauen ausgerichtet. Dann kam Amorelie und Pärchen sind in den Mittelpunkt gerückt. Sexspielzeug für Männer oder „Menschen mit Penis“, wie ihr es in der neuen Kampagne treffender nennt, waren sehr lange ein Tabu. Wie hat sich deiner Meinung nach die Akzeptanz für Sextoys in den letzten 10 Jahren verändert und was heißt das für LGBTQIA*-Paare?

Jon Derman Harris: Es ist wunderbar, dass so viele Menschen heutzutage offen darüber sprechen können, dass sie Sextoys benutzen und genießen. Jede*r verdient sexuelle Freiheit und ein erfüllendes Sexleben. Wir sind nur durch die harte Arbeit vieler Generationen von Queer-, Trans- und genderneutralen Aktivist*innen an diesem Punkt angekommen, und dafür bin ich unheimlich dankbar.

Wir haben Constellations geschaffen, um queere Paare in den Mittelpunkt zu rücken, und haben erstmals Produkte entworfen, die explizit auf sie zugeschnitten sind. Stay tuned – es kommen in Zukunft sicher noch weitere freche und inklusive Toys von uns …

wmn: Es ist wirklich toll, dass wir an diesem Punkt der Akzeptanz und Inklusion in der Gesellschaft und auch den Medien angekommen sind. Aber es gibt noch viel zu tun. Was können wir als Gemeinschaft deiner Meinung nach noch tun, um diese Entwicklung und die LGBTQIA*-Community zu unterstützen?

Jon Derman Harris: Fragt die Leute, mit welchem Pronomen sie angesprochen werden wollen. Lest Audre Lorde, hört Alok Vaid-Menon und schaut euch auf Netflix Queer Eye an! Und bitte: Fragt Trans*-Menschen nicht nach ihren Genitalien oder ihrer medizinischen Historie …

wmn: Auf jeden Fall! Denkst du, dass Sexspielzeug uns beim Wandel zu einer noch sex-positiveren, inklusiveren Zukunft unterstützen kann? Und denkst du, dass Sextoys politisch sein können?

Jon Derman Harris: Auf jeden Fall! Constellations war unser Weg, um die queere Community zu feiern, indem wir über die Grenzen von binären Geschlechterdarstellungen hinausgegangen sind. Wir beschreiben genau, wie und wo euch das Toy stimulieren soll, aber wir schreiben euch nicht vor, welche Geschlechter diese Toys benutzen sollen. Die Gender-Identität der Menschen zu respektieren ist überhaupt nicht schwer – aber es macht einen riesigen Unterschied.

Das ist ein prima Schlusswort! Vielen Dank Jon für deine Zeit.