Eine Astrologin oder einen Astrologen zu treffen passiert nicht alle Tage und lässt wohl niemanden kalt. Welche Rolle die Astrologie heute spielt und wo sich Astrolog:innen sehen, haben wir versucht herauszufinden als sich die Mitglieder des Deutschen Astrologen-Verbandes zum diesjährigen DAV-Kongress trafen.

wmn war mit dabei, als sich die Mitglieder des DAV trafen. Im Anschluss an den Kongress haben wir mit dem 1. Vorsitzenden, Klemens Ludwig, über die Herausforderungen gesprochen, vor der Astrolog:innen heute stehen. Das Interview siehst Du im Video.

Astrologie im Wandel: Es wird anspruchsvoller für die Astrologie

Wandel und Umdenken sind mit der Corona-Pandemie ein allseits präsentes Thema. Veränderungen erlebten auch die Mitglieder des Deutschen Astrologen-Verbandes, die ihren alljährlichen Kongress 2021 das erste Mal online abhalten mussten und sich nach den Vorträgen mit der Hilfe einer Meeting-Software in virtuellen Lounges trafen.

Der Kongress stand unter dem Motto „Am Anfang war das Wort – Intelligenz, Bildung und Denken im Licht der Astrologie“. Laien müssen wissen, dass diese Schlagworte mit den Tierkreiszeichen Zwillinge und Schütze in Verbindung gebracht werden, den ihnen zugeordneten Häusern (3 und 9) und Planeten (Merkur und Jupiter).

Die Referent:innen ließen sich von dem Zitat aus dem Johannes-Evangelium inspirieren und die international bekannte Astrologin Silke Schäfer machte gleich im ersten Vortrag des Kongresses deutlich: „Es wird anspruchsvoller für die Astrologie.“

Vor welchen Herausforderungen steht die Astrologie und wo steht sie in 25 Jahren? Diese und mehr Fragen beantwortete Klemens Ludwig, 1. Vorsitzender des Deutschen Astrologenverbandes, BILDderFRAU.de im Video-Interview:

Zwei Highlights beim DAV-Kongress

Der Beitrag der niederländischen Astrologin Karen Hamaker-Zondag regte zum Nachdenken an, da er neben dem astrologischen Aspekt einen großen Schwerpunkt auf die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen und die Erkenntnisse der Neurowissenschaften legte.

Die Astrologin schlug die Brücke zwischen dem dritten Haus (Wissensaufnahme) und den neurologischen Veränderungen, die wir durch die Nutzung der Social-Media-Kanäle erleben: Denn dadurch wird in erster Linie unser Kurzzeitgedächtnis angesprochen. Die Gehirnareale unseres Langzeitgedächtnisses sind weniger aktiv.

Dass wir mehr und mehr Technologien nutzen, die für einen schnellen Austausch konzipiert sind, zeigt sich auch in anderen Lebensbereichen. Aus astrologischer Sicht im 5. Haus (Vergnügen) und Haus 10 (Erfolg). Das gilt es bei der Deutung von Horoskopen zu berücksichtigen.

Karen Hamaker-Zondag und Christian König beim Kongress des Deutschen Astrologen-Verbandes 2021
Karen Hamaker-Zondag und Christian König beim Kongress des Deutschen Astrologen-Verbandes 2021 Credit: Karen Hamaker-Zondag und Christian König via DAV [M]

Der Tag klang mit den „Nachtgedanken“ von Christian König aus. Der Diplom-Psychologe und Astrologe mit Schwerpunkt Fixsternastrologie und Visual Astrology nahm die Kongressteilnehmer:innen in seinem Vortrag „Das Herz des Universums“ mit auf eine kosmische Reise hin zu Sternen, die zur Supernova werden und „sich ins All verschenken“.

Inmitten kosmischer Schönheit und Unendlichkeit existieren wir und König stellte die Frage, die sich Menschen seit Anbeginn stellen: „Warum sind wir hier?“

Ohne den Anspruch darauf eine Antwort finden zu müssen, stellte er fest: „Wir sind das Universum, das sich für einen Moment als Mensch ausdrückt.“ Nach seinem Vortrag herrschte Schweigen. Seine Worte hatten viele im Herzen berührt hatte und hinterließen ein Gefühl der Demut und Dankbarkeit.

Die Astrologie neu gedacht

Im Außen weht der Astrologie meist ein kalter, kosmischer Wind entgegen. „Da glaube ich nicht dran“ ist ein Kommentar, den Astrolog:innen bestimmt öfter hören. Viele von ihnen verstehen das gut, sind sie doch selbst zur Astrologie gekommen, um sie zu entkräften – ihrer Faszination dann aber doch erlegen.

Religionswissenschaftler Prof. Dr. Kocku von Stuckrad gab in seinem Vortrag zu bedenken, ob man mit der Frage nach dem Glauben nicht die falsche Frage stellt. Wäre nicht viel sinnvoller zu überprüfen, ob die Astrologie für den Menschen plausible Erklärungsmuster bietet? Natürlich sei Deutungswissen kein empirisches Wissen – und dennoch ist es nicht beliebig, denn es folgt festen Regeln.

Torsten Wernecke und Prof. Dr. Kocku von Sturckrad sprachen beim Kongress des Deutschen Astrologen-Verbandes 2021.
Prof. Dr. Kocku von Stuckrad (oben) und Torsten Wernecke hielten einen Vortrag beim DAV-Kongress 2021. Credit: Prof. Dr. Kocku von Stuckrad, Torsten Wernecke via DAV [M]

Dass diese Regeln funktionieren, bewies Wirtschafts-Astrologe und Software-Entwickler Torsten Wernecke, der mit seiner „AstroCity“ ein neues Konzept der Deutung entwickelte, die astrologisch Interessierten einen leichten Zugang zu einem sehr komplexen Thema ermöglichen.

In der „AstroCity“ ist das Horoskop wie eine Stadt aufgebaut, wie er am Beispiel des Geburtshoroskopes von Donald Trump demonstrierte.

Hier ist die Pflege der Stadtmauer (Aszendent/ AC) Chefsache (Sonne im Zeichen Löwe). Außerdem „lümmelt Mars am AC herum“ und da der Planet mit jungen Männern/ Soldaten gedeutet werden kann, ist die Stadtmauer gut bewacht. Der erste Eindruck (Aszendent), der entsteht: Mit Trump(-City) lege ich mich lieber nicht an.

Fazit vom DAV-Kongress: Astrologie zwischen Wandel und Verantwortung

Menschen, die sich der Astrologie öffnen, haben im Leben meist noch nicht alle Antworten auf ihre Fragen erhalten und erhoffen sich Hilfe von Astrolog:innen. Was bei einer Deutung besprochen wird, ist sehr privat. Worte können in dieser Begegnung lebensverändernd sein. Die Vorträge der Referent:innen beim DAV-Kongress zeigen, dass sich die Astrolog:innen dieser Verantwortung bewusst sind.

Das bewies auch Astrologe und Buchautor Bernhard Firgau, der in seinem Vortrag „Wahrnehmungsgrenzen und Aussagegrenzen in der Astrologie“ seine Kolleg:innen daran erinnerte, welche Informationen einer Radix zu entnehmen sind und welche nicht.

Der Kongress hat gezeigt, dass die Sternendeuter:innen sich ihrer Aufgabe mit großem Engagement widmen. Sie gehen in den Austausch (und sind sich bei Weitem nicht in jedem Punkt einig, wie hitzige Diskussionen bewiesen), reflektieren, hinterfragen und reformieren die Astrologie ganz sicher auch weiterhin.

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