Hochbegabte Menschen haben einen IQ, der über dem Wert von 130 liegt. Um sie ranken sich zahlreiche Vorurteile. Zum Beispiel, dass sie nicht gut mit anderen Menschen können und etwas „schräg“ wirken. Forscher:innen gingen diesem Vorurteil in einer groß angelegten Metastudie auf den Grund. Sie fanden heraus, in welchem Punkt sich Hochbegabte tatsächlich von anderen Menschen unterscheiden. Außer in ihrem IQ versteht sich…

Hochbegabung: Fluch & Segen zugleich

Etwa zwei Prozent aller Menschen sind hochbegabt. Das heißt, dass sie in einem standardisierten Intelligenztest einen IQ von über 130 aufweisen. Zum Vergleich: Die meisten Menschen erreichen im Durchschnitt einen Wert zwischen 85 und 115.

Hochbegabte fallen in der Regel früh auf, da sie schneller lernen als andere. Mitunter überspringen sie in der Kindheit sogar Schulklassen. Allerdings kann es auch zu Gefühlen der Unterforderung und Einsamkeit kommen, da sich hochbegabte Kinder unverstanden fühlen. Im Erwachsenenalter äußert sich Hochbegabung häufig durch Perfektionismus, Hochsensibilität oder ständige Selbstzweifel.

Viele Hochbegabte berichten außerdem, dass sie sich im Leben erst zurechtfinden müssen. So findet man im Netz Aussagen von Hochbegabten, welche die Schattenseiten eines hohen IQs aufzeigen: „Ich hatte eine furchtbare Arbeitseinstellung, weil mir in der Schule vermittelt wurde, dass ich schlauer bin als andere und ich mich nicht so anstrengen muss„, schreibt ein User auf Reddit. Ein anderer verkündet sogar, dass er trotz seiner Hochbegabung durch sämtliche Erstprüfungen an der Uni rasselt, schlicht, weil er nie gelernt hat, zu lernen.

Über die Zeit haben sich so zahlreiche Vorurteile über besonders intelligente Menschen herausgebildet. Sie gelten mitunter als etwas seltsam, eigensinnig und schwierig im Umgang mit anderen. Oft werden sie auch mit psychischen Problemen in Zusammenhang gebracht.

In diesem Punkt unterscheiden sich Hochbegabte von „normalen“ Menschen

Was an diesen Vorurteilen dran ist, wollten die Forscher Uzeyir Ogurlu und Adnan Özbey von der pädagogischen Fakultät der US-amerikanischen Universität von Wisconsin-Stevens-Point genau wissen. Sie legten eine Metastudie an, welche im Fachmagazin „High Ability Studies“ veröffentlicht wurde.

Insgesamt zogen die Forscher 13 bereits veröffentlichte Studien heran, in denen 8.000 Teilnehmer:innen untersucht wurden –unter ihnen Hochbegabte und solche mit „normaler“ Intelligenz. Dabei legten sie ein besonderes Augenmerk auf die Eigenschaften der Hochbegabten, die sie von den nicht hochbegabten Teilnehmer:innen unterscheiden.

Dafür nutzten sie ein renommiertes Persönlichkeitsmodell, welches fünf Dimensionen umfasst: Extraversion, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, Neurotizismus und Offenheit für Erfahrungen. Dieses Big-5-Modell lässt jeden Menschen auf einer Skala diesen Eigenschaften zuordnen.

Nicht sozial unverträglich, einfach offen für Neues

Das Ergebnis der Metastudie verblüffte, da Hochbegabte keineswegs als Außenseiter und zurückgezogene „schräge Vögel“ verortetet werden konnten. Ganz im Gegenteil: Der einzige Unterschied zwischen Hochbegabten und den anderen bestand darin, dass sie besonders offen für jegliche neue Erfahrung sind.

Demnach fällt es Hochbegabten leicht, die eigene Komfortzone zu verlassen und sie wollen neue Perspektiven einnehmen. In der Psychologie geht diese Offenheit für neue Erfahrungen auch einher mit intellektueller Neugier, einem Gefühl für Kunst, Kreativität und einer liberalen politischen Einstellung. Die Forscher fassen zusammen: „Die Ergebnisse dieser Studie entlarven das Missverständnis, dass Begabte eine maladaptive Persönlichkeit oder soziale Schwierigkeiten haben.“

Die Metastudie hat zuletzt nicht nur mit einem großen Vorurteil aufgeräumt, sondern gibt zugleich einen Vorschlag, wie man den eigenen Wissenshorizont erweitern kann. Wer offen für Neues ist, neugierig durchs Leben geht, Fragen stellt und Zusammenhänge besser verstehen möchte, arbeitet an seiner eigenen Intelligenz und wird ganz nebenbei sehr viel weltoffener.

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