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Wann ist der Narzisst am Ende? So erkennst du negativen Narzissmus

Wann ist der Narzisst am Ende? Finde hier die Antwort und lerne den Unterschied zwischen positivem und negativem Narzissmus kennen.

Frau Soiegel
Wann ist der Narzisst am Ende? LIes hier, was man unter negativem Narzissmus versteht. Foto: Sasha Kim Pexels via canva.com

Der Begriff des Narzissmus begegnet mir in letzter Zeit fast täglich. Und zwar nicht nur, weil ich Psychologieartikel schreibe, sondern auch privat. Ich stolpere in den sozialen Netzwerken über ihn und erst kürzlich belauschte ich in der Bahn ein Telefonat, in dem eine Frau den Mann auf der anderen Leitung als absoluten Narzissten beschimpfte. Aber was bedeutet es eigentlich, narzisstisch zu sein und wie „schlimm“ ist das? Und vor allem: Wie weit kann das gehen, also wann ist der Narzisst am Ende? Antworten auf all diese Fragen liefert dir dieser Artikel.

Was ist positiver Narzissmus?

Narzissmus ist eine übertriebene Form der Selbstliebe. Allerdings muss man klar zwischen dem positiven und dem negativen krankhaften Narzissmus unterscheiden, der auch als narzisstische Persönlichkeitsstörung bezeichnet wird.

Positiv ist Narzissmus so lange, wie Menschen schlicht eine grundpositive Einstellung zu sich haben. Sie weisen ein stabiles Selbstwertgefühl aus, ruhen völlig in sich, sind offen und harmonisch. Sie lieben sich in übertriebenem Maße, sind aber dennoch dazu fähig, echte Teamplayer:innen zu sein.

Was ist negativer Narzissmus?

Demgegenüber steht der negative Narzissmus, der seinen Höhepunkt in einer ausgewachsenen narzisstischen Persönlichkeitsstörung, kurz NPS, findet. Menschen mit dieser psychosomatischen Erkrankung sind keineswegs harmonisch und Teamplay ist für sie ein absolutes Fremdwort. Es wird angenommen, dass etwa ein Prozent der Bevölkerung an einer NPS erkrankt sind – wobei Männer 75 % ausmachen.  

Sie empfinden sich selbst als absolut großartig und erwarten dementsprechend, dass man sie bewundert. Haben Menschen mit einer NPS etwas erreicht, war dieser Erfolg auch noch so klein, müssen sie das lauthals betonen. Im selben Zug wollen sie aufgrund ihrer angeblichen Großartigkeit bevorzugt behandelt werden.

Insgeheim sind echte Narzisst:innen ständig neidisch auf erfolgreichere Menschen. Statt an Selbstwertgefühl einzubüßen, kompensieren sie dieses Gefühl jedoch mit dem Gedanken, selbst die Größten zu sein. Sie kehren den Gedanken um und denken letzten Endes sogar, dass alle anderen Menschen sie beneiden müssten.

Narzissmus äußert sich häufig durch mangelnde Reflexion, ausbleibende Entschuldigungen, fehlender Empathie und oberflächlichen Freundschaften. Weitere Anzeichen, dass du es mit einem:r Narzisst:in zu tun hast, findest du hier.

Es verwundert wenig, dass dieses Denken und Handeln nicht unentdeckt bleibt und zu Konflikten führt, sowohl im privaten als auch im beruflichen Kontext. Im Falle des Mythos, der dem Phänomen seinen Namen gab, führte die übertriebene Selbstliebe sogar zum Tod. So soll sich der junge Narziss in sein eigenes Spiegelbild in einem See verliebt haben und darin ertrunken sein.

Weiterlesen: Du möchtest wissen, wo der Unterschied zwischen Selbstliebe und Selbstverliebtheit liegt? Hier entlang.

Frau Spiegel
Der Legende nach, soll der junge Narziss sich vor seinem eigenen Spiegelbild erschrocken haben, weil es aufgrund eines herabfallenden Blattes entstellt war. Foto: IMAGO / Addictive Stock

Wann ist der Narzisst am Ende?

Narzisst:innen wählen ihre Kontakte weise. Sie geben sich nur mit Menschen ab, die sie als würdig erweisen – und die ihnen selbst nützen können. Sie manipulieren und nutzen andere Menschen für ihre Zwecke aus. Und sie setzen alles daran, stets die eigenen Bedürfnisse erfüllt und Ziele erreicht zu sehen.

In einer Welt wie der unseren narzisstisch veranlagt zu sein, mag auf den ersten Blick ziemlich praktisch wirken. Passend dazu fällt mir der Satz ein: Wenn jeder an sich selbst denkt, ist an alle gedacht. Egoistisch zu agieren und die Ellenbogen auszupacken, bringt einen mit Sicherheit weiter – mitunter sogar in Führungspositionen. Es macht mit absoluter Sicherheit aber auch sehr einsam.

Kommt es so weit, dass einem anderen Menschen völlig egal sind, kann in der Regel nur eine Therapie helfen. Allerdings lassen sich viele Narzisst:innen auf keine Therapie ein. Nach ihrem Verständnis sind sie die größten und brauchen keine Hilfe. Wenn man sich fragt: „Wann ist der Narzisst am Ende?“, dann ist die Antwort eindeutig: Ab dem Moment, in dem eine Therapie verweigert wird.

Psychosomatische Erkrankungen können heutzutage sehr gut behandelt werden. Sich einer Therapie zu verweigern, bedeutet jedoch, sich auf weitere kranke Beziehungen einzulassen, nie anzukommen und mitunter am Ende völlig allein dazustehen. Viele Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung kommen daher nicht aufgrund ihrer Selbstverliebtheit in Behandlung, sondern aufgrund anderer Erkrankungen wie beispielsweise einer Depression.

Frau Hände
Der Narzisst oder die Narzisstin möchte überall die Finger im Spiel haben und am längeren Hebel sitzen. Keine guten Voraussetzungen für eine Therapie. Foto: Georgianna Nielson Getty Images

Narzissmus in der Therapie: Häufig ein Problem

Menschen, die narzisstisch veranlagt sind, wollen sich häufig nicht eingestehen, dass sie ein Problem haben. Sie wollen nicht an sich zweifeln. Diese Grundeinstellung erschwert eine Therapie enorm. Hinzu kommt, dass Betroffene oft das Gefühl haben, ihnen stünde eine besondere Behandlung zu.

Nicht zuletzt idealisieren und bewundern sie ihren Therapeuten oder ihre Therapeutin häufig auf der einen Seite. Auf der anderen beneiden sie ihre Therapeut:innen und werten sie ab. Auch versuchen sie häufig, sie zu manipulieren.

Wenngleich dies große Herausforderungen sind, vor denen Therapeut:innen und Betroffene in einer Therapie gleichermaßen stehen, so muss man dennoch verstehen: Ohne Therapie geht es nicht. Ohne Therapie ist der Narzisst oder die Narzisstin am Ende. Solltest du selbst zu einem destruktiven, narzisstischen Verhalten neigen, hole dir also im besten Fall professionelle Hilfe.

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