Stehe ich im Büro am Drucker und er spuckt mir nicht binnen Sekunden meine Kopie aus, ist das für mich zum Haare raufen. Früher versuchte ich in solchen Momenten, die Sache allein zu lösen oder schob die Kopie so lange auf, bis jemand anderes die Aufgabe erfüllte. Heute frage ich meist sofort um Hilfe. Um Hilfe bitten ist nämlich nicht nur verdammt praktisch, sondern lässt mich auf andere Menschen auch sympathischer wirken. Das behauptet zumindest der Benjamin-Franklin-Effekt. Was hinter diesem Trick steckt, erfährst du in diesem Artikel.

Um Hilfe bitten fällt vielen schwer…

Wir Menschen helfen gerne, denn es gibt uns ein gutes Gefühl. Tatsächlich löst das Helfen sogar Glücksgefühle aus. Und diese wiederum reduzieren Stress und stärkten das Immunsystem, wie Studien belegen konnten. Hinzu kommt, dass wir Helfen in unserer Gesellschaft als Stärke verstehen.

Sich helfen zu lassen, bekommt dagegen oft den Stempel von Schwäche aufgedrückt. Und so scheuen sich viele, um Hilfe zu bitten. Um bei meinem Druckerbeispiel zu bleiben: Auch ich scheute mich früher davor, um Hilfe zu bitten, aus Angst, jemand könnte mich als dumm abstempeln. Heute habe ich keine Zeit mehr für solche überflüssigen Gedanken.

Manche scheuen sich auch aufgrund ihres eigenen Stolzes davor, um Hilfe zu bitten oder sie haben Angst, man könnte sie enttäuschen. Vor allem Perfektionist:innen fragen seltener um Hilfe, weil sie der Annahme erliegen, die Aufgabe selbst viel besser lösen zu können. Nicht zuletzt wollen manche Menschen einfach nicht zur Last fallen oder bei jemandem in der Schuld stehen.

Egal woran genau es scheitert, wichtig ist, dass man dieses Verhalten ablegt. Denn um Hilfe zu bitten, hilft nicht nur dabei, die eigene mentale Gesundheit zu schützen, sondern macht auch sympathischer. Kein Witz! Und der psychologische Trick dahinter hat sogar einen Namen: Benjamin-Franklin-Effekt.

Weiterlesen: Du möchtest wissen, wieso Hilfe annehmen dich vor dem Ausbrennen bewahren kann? Hier erfährst du mehr.

…dabei lässt es uns sympathischer wirken

Andere um Hilfe bitten und ihnen Arbeit aufhalsen, soll sympathischer machen? Ganz recht. Der psychologische Trick geht zurück auf den US-amerikanischen Autoren und Staatsmann Benjamin Franklin.

Der Legende nach soll dieser Trick nämlich mal einen Rivalen von Franklin auf seine Seite gezogen haben. Franklin bat ihn darum, sich ein besonderes Buch aus seiner Bibliothek ausleihen zu dürfen. Geschmeichelt, wie der einstige Rivale war, vergaß er seinen Feindstatus und verlieh das Buch gerne. Später gab Franklin das Buch mit einem Dankesbrief zurück und fortan sollen beide Männer sogar lebenslange Freunde gewesen sein.

Freundinnen messen aus
Hilfe annehmen ist nicht nur praktisch, sondern lässt dich auch sympathischer wirken. Foto: Imago Images/ Addictive Stock

Studien bestätigen den Benjamin-Franklin-Effekt

Diese Geschichte ist zwar nicht mehr als eine Anekdote, die nie belegt wurde, jedoch wirkt der Benjamin-Franklin-Effekt tatsächlich. Das konnten zumindest die beiden Psychologen Jon Jecker und David Landy im Jahr 1969 in einer Studie nachweisen.

Sie teilten Proband:innen in drei Gruppen ein und sagten allen, dass sie Geld gewonnen hätten. Während die erste Gruppe, das Geld zurückgeben sollte, weil das Institut angeblich kein Geld mehr hatte, sprachen die Studienleiter die zweite Gruppe direkt an und baten um die Rückgabe des Geldes. Die letzte Gruppe durfte das Geld behalten.

Anschließend wurden alle Proband:innen danach befragt, wie sie die Studienleiter einschätzen würden. Das Ergebnis? Die Teilnehmer:innen der Studie, die persönlich um die Rückgabe des Geldes gebeten wurden, mochten die Studienleiter am meisten. Am wenigsten mochten die Menschen die Studienleiter, die das Geld behalten durften.

Die Forscher vermuteten, dass der Benjamin-Franklin-Effekt auf kognitiver Dissonanz beruht. Das meint, dass unser Gehirn die beiden mentalen Ereignisse – jemandem einen Gefallen zu tun und jemanden nicht zu mögen – nicht in Einklang miteinander zu bringen sind. Heißt: Tun wir jemandem einen Gefallen, hindert unser Gehirn uns daran, ihn nicht zu mögen – um die Dissonanz zu beseitigen.

Händchen halten
Gemeinsam lassen sich Aufgaben oft nicht nur besser meistern, auch gewinnen wir an Sympathie, wenn wir um Hilfe bitten. Foto: Imago Images/ Addictive Stock

Der Benjamin-Franklin-Effekt zeigt dir, dass um Hilfe zu bitten nützlich ist

Andere Psycholog:innen weisen darauf hin, dass der Benjamin-Franklin-Effekt auch deswegen wirkt, da andere Menschen merken, dass wir ihnen mit der Bitte um einen Gefallen näher kommen wollen. Und aufgrund dieser sogenannten reziproken Zuneigung entstehen unweigerlich positive Gefühle zu der anderen Person.

Merke dir also fürs nächste Mal, wenn du wie ich verzweifelt vorm Drucker stehst, dass es nicht nur praktisch ist, um Hilfe zu bitten. Immerhin bekommst du deine Aufgabe so schneller erledigt. Auch ist es auf menschlicher Ebene ziemlich nützlich, Hilfe anzufragen, denn die Sympathie deines Gegenübers ist dir damit in jedem Fall sicher!

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