Rassistische Produktnamen
Rassistische Produktnamen gibt es immer noch, doch viele Firmen geloben Besserung. Weiter so! (Photo: imago images/ STAR-MEDIA/ Ralph Peters/ STPP)

Rassistische Produktnamen – viele Firmen bessern sich

Viele Produkte haben noch rassistische Namen. Manche Firmen sehen ein, dass sie etwas ändern müssen. Andere sträuben sich vehement.

Rassistische Produktnamen gibt es noch immer. Aber sie werden immer weniger. Es ist schön zu sehen, wie die meisten großen Firmenchefs nach und nach ein Bewusstsein für rassistische Stereotype entwickeln. Auch wenn es oft Gegenwehr im Netz gibt, ziehen sie die Umbenennung und selbst die Umgestaltung der Logos durch. 

Denn leider gibt es selbst in der heutigen Zeit, nach den Black Lives Matter-Protesten und anderen antirassistischen Aktionen noch immer Menschen, die die neuen Namen partout nicht anerkennen wollen.

Rassistische Produktnamen gab es früher noch viel mehr

Als ich zur Schule ging, waren andere "schwul" oder auch "behindert", wenn sie uns ihr Pausenbrot nicht abgeben wollten. Außerdem gab es N*Wort-Kuss-Brötchen. Nein, politisch korrekt waren wir nicht. 

Heute weiß ich, was ich da gesagt und getan habe. Homophobes ableistisches und rassistisches Gedankengut war vor 10 Jahren noch recht normal an deutschen Schulen. 

Ich will mir im Nachhinein keine Schuld dafür geben, denn ich wusste es nicht besser. Ähnliches gilt für die Firmen, die ich hier vorstellen will. Viele von ihnen haben erkannt, dass andere Zeiten angebrochen sind und handeln dementsprechend. 

Sarotti
Das Sarotti-Logo hat sich vom Sarotti-Mohr zum Sarotti-Magier gewandelt.(Photo: imago/Ralph Peters/Sarotti)

1. Der Sarotti-Mohr

Die Firma Sarotti hatte seit dem Jahr 1918 den sogenannten Sarotti-Mohr als Maskottchen und Firmenlogo. Wie rassistisch dieses Logo ist, wird klar, wenn man es sich ganz genau anschaut. Die Schwarzen wurden in der Kolonialzeit vor allem als Sklaven gehalten. Der Sarotti-Mohr verknüpft die sogenannte Exotik, die damals mit den Schwarzen in Verbindung gebracht wurde mit einer Darstellung der Sklavenarbeit. Das Maskottchen trägt ein Tablett und dient offensichtlich jemandem.

Das Wort "Mohr" ist übrigens auch ein rassistisches Stereotyp. Es bezieht sich auf die Darstellung nordafrikanischer Menschen, der Mauren. Das Wort wurde dennoch später für alle Schwarzen verwendet.

Heute gibt es den Sarotti-Mohr nicht mehr. Seine dunkle Hautfarbe wurde in eine goldene geändert. Er wird jetzt der Magier mit den goldenen Sternen genannt, statt der Botschafter des guten Geschmacks.

Othello & Wikinger Kekse
Die Othello und die Wikinger-Kekse sind Kult im Osten von Deutschland. Sie sind aber dennoch bedenklich.(Photo: Wikanda)

2. Othello-Kekse & Wikinger-Kekse

Alle, die in Ostdeutschland geboten und zur Schule gegangen sind, kennen die Othellos und die Winker ganz genau. Doch wisst ihr auch, wer Othello war?

Othello war William Shakespeare's Mohr von Venedig. Ganz abgehesen davon, dass in dem Stück einige Vorurteile von Schwarzen vorkommen, ist der Othello-Keks schlicht ein dunkler Keks, der nach einem Schwarzen benannt wurde. Muss das sein?

Wikinger Kekse sind ähnlich problematisch wie die Othello-Kekse. Heute verbinden die meisten Menschen die Wikinger mit zwei Dingen: Entweder sie sind süße kleine Zeichentrickfiguren, die nach einer Idee von nasereibenden kleinen Jungen ein Abenteuer erleben. Oder aber sie sind barbarische lanhaarige Prolls, die sich gegenseitig abschlachten.

Die Wikinger Kekse nehmen ersteres Klischee auf und verbreiten es weiter. Dass wir uns thematisch mit den Wikingern als interessantes Volk auseinandersetzen könnten, ist somit ausgeschlossen.

Uncle Bens & Zigeunersoße
Uncle Bens und Zigeunersoße werden bald anders gebrandet.(Photo: imago images / STAR-MEDIA)

3. Uncle Ben's

Uncle Ben's-Reis bedeutete für mich immer eine ganze Mahlzeit für Faule, denn der Reis ist in Minuten fertig und man braucht oft nicht mal mehr einen Kochtopf. Dass der Name mit dem Logo des Schwarzen Mannes auf dem Cover rassistisch ist, wurde mir erst später klar.

Die Bezeichnung "Uncle" in Verbindung mit dem Kopf des Schwarzen ist besonders schwierig, weil es an die Zeit der Skalverei erinnert. Ab jetzt wird Uncle Ben's bald Ben's Original heißen. Ohne Schwarzen Mann daneben.

4. Zigeunersauce

Zigeunersoße ist genauso wie das Zigeunerschnitzel ein absolutes Unding. Das wissen Knorr und alle anderen Marken, die ihre Soßen unter diesem Namen verkauft haben inzwischen.

Der Begriff "Zigeuner" ist im Deutschen nicht grundsätzlich als Beleidigung deklariert, denn noch immer bezeichnet er hier in erster Linie eine Bevölkerungsgruppe. Diese wird heute aber "Sinti und Roma" genannt. 

Das Wort Zigeuner wird heute auch als Beleidigung im deutschen Sprachgebrauch angesehen. Warum sollte man also eine Sauce so benennen? Ein guter und richtiger Schritt ist es, die Saucen in Paprikasauce oder Ähnliches umzubenennen. 

Wir haben noch mehr Rassismus in Deutschland gefunden

Nicht nur Donald Trump knallt die Rassismuskeule raus. Wenn du schon einmal etwas von Colorism gehört hast, dann weißt du, dass Rassismus noch immer ganz schön real ist.

Unsere Redakteurin Njema berichtet in ihrem Artikel von Rassismus, der ihr bei Reisen auf dem Lande in Deutschland begegnet. Viele wissen nicht, dass BIPoC die Großstadt nicht verlassen wollen, weil sie Angst haben, angefeindet zu werden.

Wo ist künstliche Intelligenz rassistisch? Kann sie das überhaupt? Eigentlich sollten doch gerade Computer zwischen Farben und Herkunft unterscheiden. Oder doch nicht?


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