Die Wissenschaft ist sich uneins darüber, ob Kaffee gegen Entzündungen im Körper behilflich sein kann, oder ob Kaffee Entzündungen sogar auslösen oder verschlimmern kann. Wir stellen zwei wissenschaftliche Studien vor, die gute Wirksamkeit von Kaffee auf der einen Seite bestätigen und auf der anderen Seite die Nebenwirkungen von Kaffee in den Raum stellen.

Studie: Kaffee fördert Entzündungen

Die erste Studie, die den Kaffee als Entzündungstreiber darstellt, stammt auf Griechenland. Hier haben Wissenschaftler:innen herausgefunden, dass bereits zwei Tassen Kaffee pro Tag die Menge von Entzündungsmarkern im Blut erhöhen. Diese Erkenntnis erklärt den Wissenschaftler:innen auch, warum Kaffee so oft mit Herzkrankheiten in Verbindung gebracht wird.

Herzkreislauferkrankungen durch 200 Milliliter Kaffee?

In der Studie der Harokopio-Universität in Athen, die nachher in der Fachzeitschrift „American Journal of Clinical Nutrition“ veröffentlicht wurde, wurden insgesamt 3.000 Menschen zu ihren Kaffeegewohnheiten gefragt. Die Wissenschaftler:innen nahmen ihnen dann Blutproben ab und untersuchten sie darauf, wie hoch die Entzündungswahrscheinlichkeit der Probannd:innen war. Anhand von sogenannten Entzündungsmediatoren können sie herausfinden, ob im Körper bereits ein Verdacht auf eine Herz-Kreislauf-Erkrankung vorliegt.

Bei Testpersonen, die einen täglichen Kaffeekonsum von mehr als 200 Mililiter hatten, bemerkten die Forschenden erhöhte Werte. Auch das Alter, das Geschlecht, das Gewicht und die Rauch- und Essgewohnheiten spielten dabei aber große Rollen.

Kaffeebohnen Röstung
Auch bei magenschonendem Kaffee ist die richtige Röstung essenziell. Foto: pixelshot via Canva.com

Studie: Kaffee wirkt entzündungshemmend

Kaffee soll im Kampf gegen Infektionen und Entzündungen helfen. Das hat eine Studie aus Brasilien herausgefunden. Wir wissen schon seit langem, dass Koffein teilweise sehr gute Auswirkungen auf unsere Gesundheit und unser Immunsystem haben soll. Bisher war aber noch nicht bekannt, dass man mit Kaffee aktiv gegen Entzündungen vorgehen kann.

Die Universidade Federal de Pernambuco hat zu Kaffee und seiner Wirkung auf den menschlichen Organismus geforscht. Vor allem ging es den Studienleiter:innen darum, was Kaffee mit Salmonelleninfektionen macht. Die Studie wurde im Fachmagazin Phytotherapy Research vorgestellt.

Koffein soll verschiedene entzündungshemmende Eigenschaften haben. Die Forscher:innen aus Brasilien untersuchten vor allem die körpereigenen Fresszellen, die ein wichtiger Teil unseres Immunsystems sind.

Koffein unterstützt die Fresszellen des Körpers

Fresszellen, auch Makrophagen genannt, sind im Körper dafür zuständig, Krankheitserreger, Bakterien und anderes Ungeliebtes aus dem Körper zu verbannen. Sie „fressen“ die Krankheitserreger zwar nicht wirklich auf, doch sie nehmen sie in sich auf. Makrophagen haben eine bestimmte Proteinstruktur, mit der sie die Oberfläche der Krankheitserreger erkennen können. Sie passen sich dieser Oberfläche an und nehmen die Krankheitserreger in sich auf.

So schützen die Fresszellen unser Immunsystem. Der Vorgang nennt sich Phagozythose. Koffein soll den Forschenden zufolge diesen Prozess verbessern und unterstützen.

Die Studie wurde an Mäusen vollführt. Die Nager waren abwechselnd Koffein und Entzündungserregern ausgesetzt. So bekamen ihre Fresszellen Koffein und Salmonellen „zu fressen“.

Das Ergebnis war erstaunlich. Wenn die Mäuse eine intravenöse Ladung Koffein erhalten hatten, dann hatten sie eine höhere Lebensfähigkeit. Während die Kontrollgruppen nur eine Pufferlösung oder Entzündungshemmer bekommen hatten, waren die Mäuse, die Koffein erhalten hatten, viel besser dran. Das Koffein hatte Auswirkungen auf Entzündungen in den folgenden Körperteilen:

  • Bauchhöhle
  • Blutbahn
  • Leber
  • Milz

Übrigens: Was bei Mäusen entzündungshemmend wirkt, kann nicht zwangsläufig auch auf den Menschen angewandt werden. Der Organismus von Mäusen und Menschen unterscheidet sich maßgeblich. Mäuse werden vor allem aus dem Grund als Versuchstiere gebraucht, da sie sehr wenig Platz zum Leben benötigen, da sie sich sehr schnell vermehren und nur eine recht kurze Lebensdauer haben.

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Koffein hilft deinen Fresszellen. Foto: Gettyimages / Alexander Spatari

Kaffee und Entzündungen? Er kann beides.

Die Wissenschaftler:innen der Studie aus Brasilien einigten sich zum Ende der Studie darauf, dass Koffein zwar bei Entzündungen helfen kann, aber keineswegs eine Behandlung mit „echten“ Medikamenten ersetzen sollte. „Wir können schlussfolgern, dass Koffein sowohl entzündungshemmende als auch anti-infektiöse Eigenschaften hat, die bei der Behandlung von bakteriellen Infektionen zusammen mit Antibiotika nützlich sein können“, so die Studienleiter:innen.

Die Forschenden der Studie aus Griechenland bemerkten vor allem, dass Kaffee das Blut einer Person zu verändern vermochte. Er konnte Entzündungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verschlimmern.

Inwiefern Kaffee gegen Entzündungen hilft oder sie sogar begünstigt, kann für jeden Organismus unterschiedlich sein.

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