Ob Steak-Liebhaber:in oder Flexitarier:in: Bei vielen Leuten fand in den letzten Jahren ein Umdenken statt. Wenn schon Fleisch auf den Teller kommt, dann soll es auch qualitativ hochwertig sein. Doch auf welche Siegel & Co. solltes man achten, wenn man Fleisch kaufen will?

Warum so viele Menschen billiges Fleisch kaufen

Dass Putenbrust im Sonderangebot für 1,99€ nicht gerade hochwertiges Fleisch und hohes Tierwohlstandards verspricht, dürfte inzwischen jedem klar sein. Trotzdem greifen viele Kund:innen zu. Sonst gäbe es solche Angebote vermutlich gar nicht.

Eines der Argumente von Käufer:innen: Fleisch wird seit Generationen gegessen, warum sollte es also schlecht sein? Dabei übersehen viele, dass Fleisch früher ein Luxusgut war und, wenn überhaupt, nur sonntags auf den Tisch kam. Fleisch war keine Massenware. Wenn ein Tier geschlachtet wurde, so wurde am Ende auch fast jedes Stück Fleisch verzehrt – Organe mit eingeschlossen. Heute isst man meistens nur noch den guten Teil des Tieres, zum Beispiel das Bruststück.

Chicken Wing
Du liebst Chicken Wings? Klar, lecker sind sie. Aber weißt du auch woher sie kommen und warum du sie so günstig kaufen kannst?

Wie sich der Fleischkonsum auf Umwelt und Gesundheit auswirkt

Inzwischen hat eine Vielzahl von Studien festgestellt, dass sich ein hoher Fleischkonsum negativ auf die Gesundheit auswirkt. Vor allem rotes Fleisch steht im Verdacht, die Entstehung von Darmkrebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes zu begünstigen.

Natürlich enthält Fleisch auch wichtige Nährstoffe: Es ist reich an Eiweiß, Eisen, Zink und Selen, enthält Vitamin A und B-Vi­tamine. Doch es kommt auf die Menge an.

Dass wir noch immer zu viel Fleisch essen, bestätigt der Klimawandel: Nutztiere stoßen Unmengen von klimaschädlichem Methan aus, die Produktion von Fleisch verbraucht enorm viel Energie und verursacht umweltschädigende Treibhausgase.

Fleischtheke
Finger weg von eingeschweißtem, günstigen Fleisch.

Zu welchem Fleisch wir besser nicht greifen sollten

Wer nicht auf den Geschmack von Fleisch verzichten möchte, sollte in jedem Fall auf Bio-Fleisch setzen – auch wenn es zum Teil das Dreifache kostet. Das ist es wert. Worauf wir besser verzichten sollten: 

  1. Eingeschweißtes Fleisch: Dieses Fleisch ist meist nicht ausreichend abgehangen und daher sehr wässrig, was den Fleischpreis nach oben, die Qualität allerdings nach unten drückt.
  2. Billiges Discounter-Fleisch: Bauern, die auf das Wohl der Tiere und eine hochwertige Verarbeitung setzen, wollen für ihre Arbeit dementsprechend vergütet werden. Supermärkte, die auf Billigpreise setzten, beziehen ihr Fleisch von Bauern, die es schnell und billig liefern. Oft werden die Tiere auf grausame Weise bis zu ihrem Tod gehalten.
  3. Fleisch von weit her: Argentinische Rinderhüfte schmeckt vielleicht gut, aber auch nur so lange, bis die Welt in Flammen steht. Die CO2-Bilanz von weit gereistem Fleisch ist mehr als problematisch für die Umwelt.

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Farm
Bio-Siegel und aus der Region? Der Griff zur teuren Ware lohnt.

Welches Fleisch wir stattdessen kaufen sollten

Wer heute noch Fleisch essen möchte, sollte diese Entscheidung bewusst treffen. Das heißt, man sollte wissen, welches Tier man verspeist, woher es kommt und wie es gehalten wurde. Wer den Startschuss dafür braucht, sollte sich auf YouTube einfach ein paar Tierhaltungs- und Schlachtvideos zu Gemüte führen. Vielleicht ist der folgende Teil dann ganz überflüssig:

  1. Das grüne EU-Bio-Siegel: Achte beim Kauf auf dieses Siegel, wenn du Fleisch kaufen möchtest, das den ökologischen Mindeststandards entspricht. Die Tiere haben in der Regel mehr Platz und Auslauf. Zudem werden sie und ihr Futter nicht mit Medikamenten vollgepumpt. Dennoch ist auch mit diesem Siegel die industrielle Haltung nicht ausgeschlossen und auch Fleisch von weit her kann das Bio Siegel tragen. Das Siegel allein beim Kauf zu beachten, reicht somit nicht aus. 
  2. Aus der Region: Achte daher in Kombination darauf, regionales Fleisch zu kaufen. Das ist zwar oft aufwendiger, jedoch auch nachhaltiger. Wie es geht? Am besten direkt beim Metzger fragen, woher das Fleisch kommt. Aber auch auf dem Markt oder in Bio-Läden findet sich dieser Heilige Gral des Fleisches. 
  3. Bioland, Demeter, Naturland: Diese Anbauverbände versprechen eine noch bessere Haltung, als es das Bio Siegel schon tut. Die Tiere haben jede Menge Platz in ihrer artgerechten Haltung und werden mich hochwertigem Futter genährt. 

Fazit: Wer Fleisch kaufen will, sollte zu Bio und regional greifen

Der letzte Fleisch-Skandal ist nicht lange her: Tönnies. Gerade in solchen Momenten sollte jeder einzelne seinen Fleischkonsum und vor allem sein Kaufverhalten hinterfragen. Wer nicht auf Fleisch verzichten möchte, sollte zumindest auf die Bio-Siegel und eine regionale Herkunft setzen. In den meisten Fällen hatten die Tiere dann ein glückliches Leben, bis sie bei uns in der Pfanne landen.

Menge und Häufigkeit des Fleischverzehrs sind ebenfalls wichtige Faktoren. Wer seinen Konsum einschränken will, kann ausprobieren, Flexiganer:in zu werden. Außerdem gibt es viele andere Möglichkeiten, seinen ökologischen Fußabdruck klein zu halten, zum Beispiel beim Kleiderkauf oder bei der Wahl der Bank.

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