Gegen veganen Fleischersatz gibt es noch immer eine Vielzahl an Vorurteilen. Oft müssen sich Veganer:innen rechtfertigen, wenn sie zu pflanzlichen Produkten greifen. Dabei sind viele Klischees totaler Quatsch! Wir haben die 6 größten Mythen über veganen Fleischersatz unter die Lupe genommen.

Die größten Mythen über veganen Fleischersatz

Bei vielen Leuten hat veganer Fleischersatz einen schlechten Ruf. Unnatürliche Zutaten, unökologische Herstellung und schlechte Nährstoffzusammensetzung – so lauten nur einige der Vorurteile. Dabei hat sich nicht nur die Zusammensetzung, sondern auch die Produktionsweise von veganem Fleischersatz in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Denn vegane Ernährung bedeutet nicht nur, auf Fleisch zu verzichten. Ziel ist es auch, eine nachhaltige Lebensweise zu finden, die den ökologischen Fußabdruck möglichst klein hält. Umso abstruser sind die Ansichten mancher Menschen über veganen Fleischersatz. Es ist also höchste Zeit, ein paar grundlegende Missverständnisse aus dem Weg zu räumen.

Tofu auf dem Teller, Essen
Tofu soll im Körper die selben Auswirkungen haben wie das weibliche Hormon Östrogen. Ist da was dran?

1. Mythos: Veganer Fleischersatz schmeckt nicht

Ob Sojagranulat, Lupinenprotein oder Jackfruit: Inzwischen gibt es eine Vielzahl veganer Fleischalternativen, die dem würzigen Geschmack des Originals erstaunlich nahe kommen. Das A und O ist die richtige Zubereitung. Neutral schmeckende Produkte wie Sojaschnetzel müssen immer gut gewürzt oder mariniert werden. Erst dann nehmen sie die Aromen auf, die sie zu einem köstlichen veganen Fleischersatz machen. Auf den Websites von ProVeg oder The Vegan Society findest du eine Vielzahl von Rezepten, wie du deinen Fleischersatz zubereiten kannst, damit er zum Geschmackserlebnis wird – und zwar nicht nur für Veganer:innen!

2. Mythos: Soja macht Männerbrüste

Das Totschlagklischee Nummer zwei besagt: Soja wirkt wie das Hormon Östrogen und bringt vegane Männer regelmäßig dazu, bei Triumph und Hunkemöller in der Umkleidekabine zu verzweifeln. Das ist absoluter Quatsch.

Ja, Soja hat eine ähnliche chemische Struktur wie das weibliche Hormon. Das KANN in manchen wenigen Fällen eine Fettablagerung im Bauch– und Brustbereich begünstigen. Oder eben nicht: In den 10.000 Studien, die es über Soja bereits gibt, gibt es keinen Beleg dafür. Lediglich zwei Fälle sind weltweit bekannt, in denen Männern durch zu viel Soja und Tofu Brüste wuchsen. 

Regenwald, Amazonas
Tatsächlich wird für den Sojaanbau eine Menge des Amazonasgebietes gerodet.

3. Mythos: Für Soja wird der Regenwald abgeholzt

Leider wahr: Für die Produktion von Soja wird im Amazonasgebiet großflächig Wald abgeholzt. In Brasilien, Paraguay und Argentinien überschreiten die Flächen der gerodeten Wald- und Savannenlandschaften jährlich bereits ⅙ der Fläche Deutschlands. Mit dem Veganismus und der Planetary Diet soll dem entgegengewirkt werden, denn:

Komplett falsch: Das hier angebaute Soja landet nicht etwa auf dem Teller veganer Mitstreiter wie Carola Rackete. Mehr als 75 % der weltweiten Sojaproduktion geht für die Fütterung von Mast- und Schlachttieren drauf. Es sind also keineswegs die Veganer, die den Regenwald roden, sondern die, die ihr Rindersteak ein Leben lang mit Sojabohnen füttern.

Frau mit Burger
Wieso braucht man veganes Fleisch überhaupt?

4. Mythos: Veganer Fleischersatz ist unnötig

Bekennende Fleischesser:innen stellen sich oft Frage: „Warum gibt es ‚veganes Hühnchen’ überhaupt?“ Wenn man unbedingt auf Fleisch verzichten will, dann kann man es doch auch einfach weglassen.

Schön wär’s. Auch Veganer:innen haben hin und wieder fleischliche Gelüste. Haha. Jaja. Stimmt aber. Fleischgeschmack ist für die Zunge einfach ein ganz anderes Erlebnis als ein in Sojasoße eingelegtes Tofusteak. Das ist der Grund, warum Firmen wie Beyond Meat und Veganes Hähnchenfilet von Mühlenhof und Co. so großen Absatz verzeichnen.

pommes und katchup
Veganes Essen kann natürlich auch ungesund sein.

5. Mythos: Veganes Fleisch ist ungesund

Veganes Essen soll fettig und ohne Gehalt sein? Das kommt ganz darauf an. Man kann sich gesund vegan ernähren, man kann sich aber auch ungesund vegan ernähren.

Vor allem wird oft Soja kritisiert, da das enthaltene Eiweiß in großen Mengen gefährlich werden kann. Das stimmt zwar, doch gilt es genauso für tierisches Eiweiß. Babys sollten keine Sojamilch konsumieren, da es Darmprobleme hervorrufen kann.

Es gibt natürlich Menschen, die auf Fleischersatz nicht gut reagieren. Jeder sollte also genau darauf achten, was ihm persönlich gut bekommt – so wie es auch bei tierischen Produkten funktioniert. Manche reagieren intolerant auf Kuhmilch, andere bekommen Bauchschmerzen bei veganer Leberwurst. Gesunder Menschenverstand beim Einkaufen hilft.

Verpackung, Supermarkt
Auch fleischfreie Gerichte werden in der Massenproduktion hergestellt.

6. Mythos: Vegane Produkte sind “unnatürlich”

Die meisten veganen Fleisch-Ersatzprodukte bestehen aus verarbeitetem Soja-, Erbsen- oder Lupinenprotein, gemischt mit Stabilisatoren, Salzen, Aromastoffen und was die Lebensmittelgroßindustrie sonst noch so hergibt. Klingt weder lecker, noch natürlich. 

Gesund und vegan zu essen heißt aber nicht, sich mit veganen Ersatzprodukten vollzustopfen, bis es einem aus den Ohren wieder herauskommt. Wer sich statt einer 300g-Aldi-Mortadellapackung eine Tüte veganer Lyoner am Tag reinpfeift, der hat das Konzept leider nicht ganz verstanden. Natürlich sind diese Produkte nicht „natürlich“.

Zu einer veganen Ernährung gehört auch, sich damit auseinanderzusetzen, was der eigene Körper wirklich braucht. Eine gesunde (vegane) Ernährung besteht zu einem großen Teil aus – sorry, aber wahr – Gemüse. Es geht nicht nur darum, dem neuesten Trend-Fleischersatz auf dem Markt hinterherzulaufen, sondern den Körper mit ausreichend Vitaminen, Ballaststoffen, Fetten usw. zu nähren. Sogenannte Brain Foods wie Nüsse, Früchte und Bohnen spielen da eine wichtige Rolle. 

Kochen, gesund
Die Planetary Diet: So können wir den Klimawandel stoppen

Fleischersatz richtig konsumieren

Bei der Debatte um vegane Ernährung geht es oft ums Prinzip. Viele Fleischesser:innen sind schon von der Idee des Veganismus entnervt. Dass das die falsche Haltung ist, sollte aber jedem klar sein. Fleisch-Ersatzprodukte zu konsumieren, kann der Umwelt und dem eigenen Körper erhebliche Vorteile bringen. Falsche Ernährungsmythen halten sich aber hartnäckig in unseren Köpfen.

Nicht jede:r Fleischliebhaber:in wird sich von einer veganen Ernährung überzeugen lassen. Und das ist in Ordnung. Doch bitte, liebe Fleischesser:innen: Lasst die Vorurteile über den Veganismus nicht an euch heran. Selbst denken ist die Devise. Wer mit dem Gedanken spielt, sich vegan zu ernähren, der kann sich auch erst einmal als Flexiganer:in versuchen.

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