Vielleicht kennst du das Gefühl der völligen Überforderung, wenn du im Drogeriemarkt deines Vertrauens vor dem Regal für Gesichtspflege stehst. Masken, Gele, Seren, Peelings, Reinigungsschäume – und das von zig Marken. Dabei braucht die Haut eigentlich gar nicht viel, um gesund und strahlend auszusehen. Neben einer regelmäßigen Reinigung bewirkt eine wöchentliche Maske mit Tonerde wahre Wunder! Doch was ist Tonerde eigentlich, was macht sie mit der Haut und wie wird sie richtig angewendet? In diesem Artikel erfährst du mehr.

Wunderwaffe Tonerde – Was ist das eigentlich?

Tonerde gibt es in jedem Drogeriemarkt und in zahlreichen Onlineshops zu kaufen. Angepriesen wird das Produkt als natürliche Pflege für Haut und Haare. Es dient also sowohl der Hautreinigung als auch der Haarwäsche. Vor allem die klärende, entzündungshemmende und regenerierende Wirkung der Tonerde wird dabei hervorgehoben. Sie pflegt die Haut natürlich, ohne sie auszutrocknen und vor allem, ohne sie mit künstlichen Inhaltsstoffen zu belasten. Doch woher kommt das Naturprodukt?

Wie entstand das natürliche Produkt?

Natürliche Tonerde entstand durch die Erosion von Gletschern in der letzten Eiszeit. Wasser, Wind und andere Natureinflüsse ließen ein Gesteinsmehl entstehen, welches voll von wertvollen Mineralien wie Eisen, Kupfer, Zink, Selen, Magnesium und Kieselsäure ist. Es handelt sich bei Tonerde also um einen sehr alten Rohstoff – und der wird nicht erst seit Kurzem von der Beautyindustrie vermarktet. Schon vor Jahrtausenden wurde die wertvolle Erde zu Gesundheits- und Schönheitszwecken genutzt.

Trockener Boden
Tonerde ist ein natürliches Produkt, welches durch Umwelteinflüsse zutage tritt., Credit: Getty Images via canva.com/ Olga_Anourina

Schon damals erkannte man die Qualität des natürlichen Produkts, welches sich vor allem durch seine großporigen Pulverteilchen auszeichnet. Damit weist Tonerde eine große Oberfläche auf, die besonders gut Fette, Bakterien und Säuren aufsaugen kann sowie entgiftend wirkt.

In ihrer Wirkung ist die Tonerde der Aktivkohle sehr ähnlich. Damals wurde Tonerde sogar gegen Vergiftungen eingesetzt, zur äußerlichen wie auch zur innerlichen Anwendung. Sie sollte außerdem Wunden, Asthma, Schwindsucht, Durchfall, Menstruationsbeschwerden, Fieber und sogar Pestgeschwüre heilen. Wenn nichts mehr half, galt die natürliche Erde oft als letzte Rettung.

Gesiegelte Erde: Woher kommt der Name?

Tonerde wird auch gesiegelte Erde (terra sigillata) genannt. In der griechisch-römischen Antike wurde die Erde nämlich abgebaut, gereinigt, gepresst, konfektioniert und auf Schiffe verladen. Und weil jede Charge dabei einzeln gesiegelt wurde, setzte sich der Name durch. Im Mittelalter kam die bekannteste Erde übrigens aus Armenien, sodass auch der Name Armenische Erde (terra armena) geläufig war.

Fun Fact: Schon damals versuchte man, Produkte zu strecken, um mehr Profit aus ihnen zu strecken. Armenische Tonerde wurde besonders gern mit weißem Hundekot gestreckt. Igitt.

Was macht die natürliche Erde mit der Haut? 

Bedingt durch die erhöhte Nachfrage nach natürlichen Produkten erlebt die Tonerde heute einen erneuten Hype. Denn sie ist frei von Chemie und kommt ohne Tierversuche aus. Ganz im Sinne des Clean Beauty-Trends. Manche Produkte setzten höchstens auf feuchtigkeitsspendende Inhaltsstoffe, um ein Austrocknen der Haut zu vermeiden. Doch warum sollte man Tonerde herkömmlichen Masken aus der Drogerie vorziehen?

Frau Tonerde
Vor allem bei Hautunreinheiten ist Tonerde ein wahrer Segen. Credit: ffgimages via canca.com/ Rachel Claire

Ganz einfach, weil die Natur immer noch die wirksamsten Produkte hervorbringt. Die heilende Erde bindet Talg, saugt Flüssigkeiten und Bakterien auf und versorgt Wunden – Pickeln wird also gleich mehrfach der Kampf angesagt. Genau deswegen schwören vor allem Betroffene von Hautkrankheiten auf die Wundererde. Besonders Akne, Psoriasis, Neurodermotis und Roszea können damit behandelt werden.

Doch auch wer nur mit leichten Unreinheiten zu kämpfen hat, profitiert von der reinigenden und antibakteriellen Wirkung. Vor allem weil die Erde die Durchblutung erhöht und so die Wundheilung von Pickelchen beschleunigt. Die kühlende Wirkung der Tonerde ist zudem auch für empfindliche Haut eine Wohltat.

Wer trockene Haut hat und Masken eher meidet, aus Angst, die Haut noch mehr auszutrocknen, ist mit Tonerde ebenfalls gut beraten. Denn die heilende Erde erhöht die Hautfeuchtigkeit sogar – auch wenn sich das beim Trocknen der Maske zunächst ganz anders anfühlen mag. Kurzum: Tonerde-Masken sind für alle Hauttypen geeignet und lassen die Haut mit einem glatten und ebenmäßigen Finish zurück.

Sind Tonerde und Heilerde dasselbe?

Nein. Heilerde besteht aus Löss. Dieses lockere und körnige Sediment ist besonders fein und weist einen staubähnlichen Charakter auf. Damit sind sich Heil- und Tonerde sehr ähnlich, jedoch gibt es große optische Unterschiede und auch in der Zusammensetzung wird deutlich, dass beide nicht im selben Atemzug genannt werden können.

Tonerde unterscheidet sich allein aufgrund seiner Farbe von Heilerde. Letztere ist nämlich immer gelblich-braun, aufgrund der enthaltenden Eisenoxide und Eisenhydroxide. Tonerde kann dagegen grün, weiß, rot oder rosa sein. Das hängt davon ab, welche Mineraloxide enthalten sind. Dementsprechend ist auch jede Tonerde auf ihre Art wirksam.

Tonerde
Tonerde kann verschiedene Farben und Wirkungen haben. Neben der Farbe entscheiden sie sich auch in der Körnergröße. Credit: Canva.com/ nadianb

Grüne Tonerde

Grüne Tonerde ist voll von Spurenelementen und eignet sich ganz besonders, um Giftstoffe zu binden. Sie wirkt hauterneuernd und ist ein Segen für fettige- und Mischhaut.

Rote Tonerde

Rote Tonerde verdankt ihre Farbe ihrem hohen Eisenanteil. Sie wirkt besonders antibakteriell und ist daher vor allem für unreine und fettige Haut perfekt.

Weiße Tonerde

Weiße Tonerde ist farblos, weil sie frei von Eisen ist. Vor allem empfindliche und reife Haut profitiert von der sanften Reinigung.

Gelbe Tonerde

Gelbe Tonerde ist der grünen sehr ähnlich. Der einzige Unterschied? Bei der gelben Variante sind die Körner gröber. Empfindliche Haut sollte daher besser darauf verzichten, um Hautirritationen zu vermeiden.

Rosa Tonerde?

Rosa Tonerde entsteht, indem rote und gelbe Erden gemixt werden.

Merke: Je gröber die Körner sind, desto mehr reizen sie die Haut. Gelbe Tonerde ist besonders grob, weiße Tonerde dagegen besonders fein.

Heilerde und Tonerde unterscheiden sich allerdings auch in der Zusammensetzung. Heilerde ist etwas komplexer aufgebaut. Sie besteht bis zu 70 % aus Quarz. Den Rest machen Mineralien und Tonerde-Mineralien aus. Richtig gelesen: Tonerde ist also zum Teil in Heilerde enthalten. Daher werden beide auch gern zusammen oder synonym genannt.

Doch als Heilerde darf etwas nur dann genannt und verkauft werden, wenn es besonders rein und keimfrei ist, weil es bis zu 130 Grad erhitzt wurde. Denn Heilerde gilt hierzulande als frei verkäufliches Heilmittel, welches auch zur inneren Anwendung zum Beispiel gegen Verdauungsbeschwerden zugelassen ist. Tonerde nicht.

Frau vor dem Spiegel mit Gesichtsmaske
Um die maximale Wirkung zu erzielen, solltest du auf deinen Hauttyp achten. Tonerde kann die Haut zusätzlich austrocknen. Foto: shutterstock/ Jacob Lund /

So vielfältig kann man die Erde anwenden

Wenn Tonerde heutzutage auch nicht mehr zur innerlichen Anwendung geeignet ist, bietet sie zahlreiche Möglichkeiten zur Anwendung:

1. Als Maske

Die heilende Erde sollte ein bis zwei Mal wöchentlich als Maske aufgetragen werden, um ein reines und strahlendes Hautbild zu erzielen. Während des Einziehens reinigt die Erde, entgiftet und pflegt. Nach maximal 15 Minuten sollte die Maske mit lauwarmem Wasser abgenommen werden. Wer zu trockener Haut neigt, sollte sie bereits nach zehn Minuten entfernen.

2. Als Shampoo-Ersatz

Schon mal von der No-Poo-Methode gehört? Hierbei werden Silikone, Tenside und Verpackungsmüll gespart, indem man auf herkömmliches Shampoo verzichtet. Stattdessen kann Wascherde zum Haarewaschen genutzt werden. Wascherde ist eine spezielle Tonerde, die besonders reich an Silizium ist und bereits seit dem Altertum zur Haar- und Gesichtswäsche eingesetzt wurde. Die Haare werden dabei besonders weich und schnellem Nachfetten wird entgegengewirkt.

Apropos fettig: Das passiert, wenn du deine Haare ausfetten lässt.

3. Als Puder

Wer die weiße Erde mit etwas Speisestärke mixt, hat im Handumdrehen mattierendes Puder, das glänzender oder fettiger Haut entgegenwirkt. Sogar die verschiedenen Farben der Erde kann man dabei für sich nutzen. Grüne Tonerde kaschiert zum Beispiel Rötungen. Die rote und braune Variante kann Farbe ins Gesicht zaubern.

Zurück zur Natürlichkeit mit Tonerde

Die Auswahl im Drogeriemarkt mag verlockend und erschlagend zugleich sein. Aus eigener Erfahrung kann ich jedoch sagen: Die beste und einfachste Wahl ist die altbekannte Tonerde. Denn die pflegt verlässlich und natürlich – damit ist sie nicht nur eine Wohltat für dich, sondern auch für die Umwelt.

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