Ab Oktober soll die Slot-Regelung für den Flugverkehr wieder eingeführt werden. Flugzeuge müssen dann mindestens 50 Prozent ihrer gekauften Flugzeiten einhalten und wenn nötig auch ohne Passagier:innen fliegen. So könnten bald lauter Lufthansa-Maschinen ohne Reisende durch die Lüfte wandern. Wie absurd diese Regelung ist, wird deutlich, wenn man den Green Deal bedenkt…

Slot-Regelung für Flüge: Wer nicht fliegt, verliert

Um das Ausmaß des gesamten Problems zu verstehen, muss man zunächst wissen, dass Fluggesellschaften wie auch Lufthansa Slots erwerben müssen, um bestimmte Strecken fliegen und Flughäfen ansteuern zu dürfen.

Und diese Slots sind sehr begehrt und sorgen sogar regelmäßig für Konkurrenzkämpfe unter den Airlines. Denn wer seine Slots nicht nutzt, riskiert sie an andere Fluggesellschaften zu verlieren. Dabei gibt es sogar eine 80/20-Regel, die besagt, dass nur 20 % der gebuchten Slots ausbleiben dürfen. Sonst droht die Abtretung.

Dieses Prozedere stieß während der Pandemie jedoch jäh an seine Grenzen. Die Passagiere blieben aus und die Maschinen am Boden. In der Folge setzte die EU die 80-20-Regel aus. Jedenfalls bis jetzt. Ab Oktober soll auf Druck der Billig-Airlines die Regel wieder eingeführt werden. Zumindest die Hälfte der Slots sollen ab Winter genutzt werden, damit sie nicht verfallen.

Back to normal quasi. Und das, obwohl lange Strecken wie in die USA aufgrund der Einreisebeschränkungen weiterhin größtenteils ungenutzt bleiben. Und auch in Europa ist die Flugreisebereitschaft nicht auf dem gewohnten Niveau. Genaugenommen spricht der Airline-Verband IATA davon, dass Ende 2021 nur 34 % des Flugaufkommens im Vergleich zu 2019 erreicht wird.

Ein absolutes Klimadesaster

Für Fluggesellschaften wie Lufthansa heißt das, sie müssen fliegen – mit oder ohne Passagier:innen. Das ist zum einen ein wirtschaftliches Desaster für die Airlines und zum anderen ein absolutes Klimadesaster. Zumal diese EU-Regelung dem „Green Deal“ konträr gegenübersteht.

Laut „Green Deal“ haben sich alle 27 Mitgliedsstaaten der EU dazu bereit erklärt, bis 2050 eine klimaneutrale Wirtschaft zu haben. Bis 2030 sollen die jeweiligen Emissionen bereits um 55 % im Vergleich zum Jahr 1990 gesunken sein. Regelungen wie die 80-20-Regel bei den Flugslots stehen diesem Vorhaben jedoch im Weg.

Auch der Lufthansa-Chef Carsten Spohr, der die Airline in der Corona-Krise allein dank staatlicher Unterstützung halten konnte, zeigt sich skeptisch. Wie FOCUS-Online berichtet, meint ein Sprecher der Lufthansa: „Da der Luftverkehr sich nach wie vor nicht normalisiert hat, sind auch für den Winterflugplan weitergehende Ausnahmeregelungen für die Slotvergabe nötig.“ Und weiter: „Die verabschiedete Regelung birgt die Gefahr, dass Airlines mit leeren Flugzeugen fliegen müssen, nur um ihre Slots zu sichern. Das schadet Klima und Airlines.

Airlines wie „Lufthansa“ stehen unter Druck

Trotz dem Wissen um die bevorstehende Klimasünde stehen die Airlines in der Bredouille. Denn in der Krise sind die Einnahmen gravierend eingebrochen und auch die Fraport-Aktie nahm erheblichen Schaden und ist nicht ansatzweise zu ihrem früheren Niveau zurückgekehrt.

Die neue EU-Regelung, so absurd sie ist, könnte dahingehend Abhilfe schaffen. Nicht alle Airlines sprechen sich wie Lufthansa dagegen aus: Billigairlines wie Ryanair und Wizz Air sind zum Beispiel für den erneuten Wettbewerb um die Slots. Sie wollen weiter expandieren, im Zweifel eben auch auf Kosten der Umwelt.

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