Laut der Welthungerhilfe leiden auf der gesamten Welt ungefähr 800 Millionen Menschen an Hunger, von denen 24000 pro Tag sterben. Die Ausmaße der Lebensmittelverschwendung sind in den reicheren Ländern nicht nur deshalb schrecklich, die Verschwendung hat sich sogar verdoppelt!

Eine Studie zu Beginn des Jahres nutzte Daten der Welternährungsorganisation zum Lebensmittelangebot und setzte diese in Zusammenhang zum durchschnittlichen Kalorienverbrauch. Auch wenn die Studie Schätzungen mit einbezieht, die Ergebnisse sind erschreckend.

Lebensmittelverschwendung doppelt so hoch wie angenommen

Wurden 2015 pro Kopf noch 214 Kilokalorien Lebensmittel am Tag verschwendet, waren es Anfang 2020 bereits 527 Kilokalorien. Zusammen mit weiteren Studienergebnissen kommen die Forscher zu dem Ergebnis, dass doppelt so viele Lebensmittel weggeworfen und verschwendet werden, wie ursprünglich angenommen.

krumme hässliche Gemüsesorten
Was ist wichtiger? Aussehen oder Geschmack?(Photo: senata)

Leben in der Wegwerfgesellschaft

Viele Lebensmittel verderben durch Transportschäden oder falsche Lagerung. Den Weg zum Supermarkt zu überleben reicht aber nicht aus, um verkaufsreif zu sein. Alles, was krumm und schief ist, wird dort direkt wieder entsorgt. Wer sich noch an die EU-Verordnung für die maximale Krümmung einer Gurke erinnert, kann sich vorstellen, wie absurd Lebensmittelverschwendung sein kann.

Auch Corona mischt mit

Dass die Gastronomie auch vor der Krise nicht zu den nachhaltigsten Branchen gezählt hat, ist jedem bekannt, der schon einmal in einer Uni-Kantine war. Auch in Restaurants werden durch Hygiene- und Produktvorschriften und nun auch durch den Coronavirus viele Lebensmittel entsorgt. Einige spenden ihre Überreste aber auch an lebensmittelrettende Organisationen.Das Problem: Das Restaurant haftet gegenüber den Verteilern für gesundheitsschädliche Folgen. Die Retter-Organisationen haften wiederum gegenüber den bedürftigen Menschen. In Zeiten von Corona ein großes Risiko! 

Auch wenn sich davon viele selbstlose Betreiber nicht abschrecken lassen, sollten die Haftungsrisiken für Lebensmittelspenden dringend gelockert werden. Bei uns erfährst du, warum auch du deine Lebensmittel vor dem Essen lieber waschen solltest.

Frau Supermarkt Einkaufswagen
Wie im Rausch: Manche übertreiben komplett und andere müssen darunter leiden(Photo: RapidEye)

Was der Hamster kauft, frisst er nicht

Eine Vorstellung von der Menge zu bekommen wird schon schwieriger. Je nach Studie werden im Jahr 100 bis 200 Kilogramm pro Person an essbaren Lebensmitteln weggeworfen. Die Corona-Pandemie verschlimmert die Verschwendung der Käufer noch. Die Prepper haben zu Beginn ihre Dosen und Fertiggerichte gehamstert, die so langsam in der Vorratskammer Staub ansetzen. Auch durch sie wandern wieder Tonnen an Lebensmitteln in den Müll.

Tafeln machen dicht

Die Leidtragenden sind die Tafeln und Bedürftigen. Durch Abstandsregeln, Hamsterkäufe und die Corona-Risiken gehen die Spenden stark zurück. Über 300 Tafeln wurden schon eingestellt.

Auch auffällig: Die Hälfte aller Lebensmittel, die bei der Tafel landen, sind Frischware, also Obst, Gemüse, Backwaren und Milchprodukte. Aber auch die fehlen gerade!

Tomate in Händen herzförmig
Hilf mit!(Photo: Max_grpo)

Auch du kannst helfen!

Spenden an die Tafel und weitere Organisationen sind natürlich immer eine gute Sache. Aber auch im Alltag kannst du dabei helfen weniger Essen zu verschwenden. Mit diesen fünf Tipps gelingt es auch dir Einiges vor dem Müll zu retten.

  1. Einkaufszettel schreiben: Planlos durch den Supermarkt laufen führt schnell zu einem randvollen Einkaufswagen, den du niemals aufessen kannst ohne einiges wegzuwerfen. Schade, aber auch wenn die Verlockungen groß sind, ist es besser nach Plan einzukaufen.  
  2. Auf das Mindesthaltbarkeitsdatum achten: Ist das überschritten, bedeutet das nicht, dass das Produkt schlecht ist. Gerade Joghurts sind oft länger haltbar. Riechen, schmecken und erst dann entscheiden. Das gilt übrigens nicht für Fleisch und Fisch. Diese Lebensmittelvergiftung solltest du dir sparen und die Produkte nach dem Verbrauchsdatum wegwerfen.
  3. Reste verwerten: Ist dein Kühlschrank auch ständig voll mit Tupperdosen und Tellern mit gekochten Nudeln, Kartoffeln und Co.? Aus (fast) allen Lebensmitteln können leckere Kombinationen kreiert werden. Lass dich am besten von Kochbüchern und Rezeptseiten inspirieren.
  4. Haltbar machen: Oma hat es vorgemacht, wir machen es in der Corona-Zeit nach. Lebensmittel einkochen rettet Obst und Gemüse vor dem Kompost. Hast du schon einmal Marmelade selber gemacht? Super einfach und übrigens eine schöne Beschäftigung in Quarantäne.
  5. Richtig lagern: Der Expertentipp: Nicht alle Lebensmittel sollten im Kühlschrank gelagert werden. Mangos oder Bananen halten sich viel länger auf einer Obstschale. Äpfel und Pflaumen fühlen sich dagegen bei unter acht Grad Celsius wohl.

Mehr Infos zu einer nachhaltigeren Ernährung?

Wir zeigen dir, wie dir Clean Eating dabei helfen kann, bewusster zu essen & warum die Slow Food-Bewegung so wichtig ist.

Nachhaltig zu handeln hört nicht beim Essen auf. Auch auf die Verpackung kommt es an. Hier erfährst du, welche Verpackungen die Umwelt am wenigsten belasten und warum Plastik definitiv keine Alternative ist